Mitarbeitermotivation in schwierigen Zeiten

In konjunkturell angespannten Zeiten ist eine offene Dialogkultur wichtiger denn je. Nur Unternehmen, denen es gelingt, ihre besten Mitarbeiter bei der Stange zu halten, werden die Krise überleben. Die HR-Leiterin der Ricoh Schweiz zeigt, wie das in der Praxis funktioniert.

Walter Kunz, Manager Production Printing, Ricoh Schweiz AG
    

» Von Sibylle Keller, 26.05.2009 10:14. Letztes Update, 26.05.2009 10:18.

Sibylle Keller ist Director Human Resources bei der Ricoh Schweiz AG in Horgen

Corporate Social Responsibility, also der Grundsatz einer sozial verantwort-lichen und nachhaltigen Unternehmensführung, sieht auf dem Papier sehr schön aus, doch in der Praxis haben die Mitarbeitenden nur dann etwas von diesem Grundsatz, wenn die Prinzipien in den Unternehmenszielen verankert sind und vom Management vorgelebt werden. Wie es darum wirklich bestellt ist, zeigt sich vor allem in wirtschaftlich unsicheren Zeiten.

Ein entscheidendes Merkmal einer guten Unternehmenskultur: Die Mitarbeitenden wissen, dass ihre Anliegen ernst genommen werden und ein offener Dialog zwischen den verschiedenen Hierarchieebenen stattfindet. Hat sich eine solche für alle positive Arbeitsatmosphäre etabliert, hilft sie in der Hochkonjunktur, wertvolle Mitarbeitende und gesuchte Fachspezialisten zu halten. In unsteten Zeiten wie heute schafft sie Vertrauen, denn die Mitarbeitenden wissen jederzeit Bescheid, wie es um ihr Unternehmen und um ihren Arbeitsplatz steht.

«Die Zufriedenheit der Mitarbeiter ist positiv mit der Performance des Unternehmens verknüpft», lautet das Fazit von Alex Edmans, Assistenzprofessor an der renommierten Wharton School der University of Pennsylvania. Verhaltensorientierte Wirtschaftswissenschaftler haben in zahlreichen Laborexperimenten festgestellt: Wenn wir uns als Mitarbeitende gut behandelt fühlen, revanchieren wir uns entsprechend. Auch Ricoh hat die Erfahrung gemacht, dass sich ein zufriedenes Team um ein Vielfaches mehr engagiert als unzufriedene oder überkontrollierte Mitarbeitende, was wiederum dem Unternehmen direkt zugutekommt.

Wissen, wo das Schiff hinsteuert

Sandra Bachmann, Director Management Services und Mitglied der Geschäftsleitung, Ricoh Schweiz AG
Sandra Bachmann, Director Management Services und Mitglied der Geschäftsleitung, Ricoh Schweiz AG
Doch welche Massnahmen gibt es konkret, um die Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern und eine gute Unternehmenskultur zu etablieren? Wild durcheinandergewürfelte Massnahmen und Apéro-Events, die das «Wir-Gefühl» stärken sollen, nützen jedenfalls wenig. Den Massnahmen muss ein durchdachtes Gesamtkommunikationskonzept zugrunde liegen, das alles zusammenhält. Jeder Mitarbeitende, unabhängig von seiner Funktion, sollte die Unternehmensziele kennen. Er muss sich darüber im Klaren sein, wie er einen Beitrag dazu leisten kann und welche Hilfestellungen ihm zur Verfügung stehen. Zu wissen, wo das Schiff hinsteuert und in welchen Etappen die Reise verläuft, motiviert die Mitarbeitenden und zeigt ihnen, dass alle am gleichen Strick ziehen.

Kontinuierliche Verbesserungen

Um dieses Ziel zu erreichen, hat Ricoh als ersten Schritt Feedback-Gespräche, europaweite
Mitarbeiterumfragen und regelmässige Workshops eingeführt. Die Mitarbeitenden können dabei sehr offen sagen, wo sie der Schuh drückt und was sich in der Zusammenarbeit optimieren lässt. Daraus folgen immer wieder konkrete Optimierungsmassnahmen, welche die Zusammenarbeit verbessern und die internen Prozesse vereinfachen.

Walter Kunz, Manager Production Printing, Ricoh Schweiz AG
Walter Kunz, Manager Production Printing, Ricoh Schweiz AG
Um die Verbesserungsvorschläge und -massnahmen besser koordinieren zu können, wurde als nächter Schritt ein Opportunity-for-Improvement-System (OFI) entwickelt. Diese auf Lotus Notes basierende Datenbank steht jedem Mitarbeitenden zur Verfügung, um eigene Ideen und Verbesserungs-Vorschläge einzubringen. Jeder eingereichte Vorschlag, ganz egal, ob vom Lernenden oder vom Kadermitglied, wird geprüft und erhält eine Rückmeldung. Ziel ist eine Art basisdemokratisches System, das jedem Mitarbeitenden die Chance gibt, sich einzubringen und das Unternehmen auf dem Weg zur «Business Excellence» (siehe Kasten rechts) zu unterstützen.

Als dritte Massnahme organisiert Ricoh regelmässig Veranstaltungen und Roadshows für die
Mitarbeitenden, auf denen aktuelle Themen aus dem Unternehmensumfeld diskutiert werden können und offen über die Entwicklung von Ricoh informiert wird. An diesen Veranstaltungen ist in lockerem Rahmen ein offener Austausch zwischen allen Mitarbeitenden inklusive Kader möglich.

Zufriedene Mitarbeiter

Diese Massnahmen in Kombination mit weiteren Aktivitäten sowie die allgemein flache Unternehmensorganisation tragen spürbar zur Mitarbeiterzufriedenheit bei. Dass diese sehr hoch ist, wissen wir unter anderem deshalb, weil wir sie mittels Umfragen regelmässig messen. Zu sehen ist das aber auch daran, dass sich die Mitarbeitenden über alle Projekte und Hierarchieebenen hinweg unterstützen und ihr Know-how mit ihren Kollegen teilen.

 

Business Excellence

Das EFQM-Modell (European Foundation for Quality Management) ist das europaweit bekannteste Qualitätsmanagement-system für die Unternehmensorganisation und Basis zahlreicher Qualitätssiegel in diesem Bereich. Grundlage ist eine ganzheitliche Sicht auf Organisationen in allen drei Bereichen: Menschen, Prozesse und Ergebnisse. Menschen arbeiten in Prozessen und erwirtschaften Ergebnisse, die wiederum Menschen zugutekommen. Eine Studie über zehn Jahre hat nachgewiesen, dass sich Unternehmen wirtschaftlich besser entwickeln (Börsenkurse, Umsätze, Gewinne, Mitarbeiter-zahlen etc.), wenn sie nach Unternehmensmodellen wie dem EFQM-Modell arbeiten. Auch Ricoh arbeitet nach dem EFQM-Modell für Business Excellence und hat neben diversen Zertifizierungen in den Bereichen Qualität und Informationssicherheit auch ein zertifiziertes Managementsystem.Mehr zum EFQM-Modell: www.efqm.org, www.saq.ch, www.esprix.ch

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