IT und Business greifen ineinander

In den IT-Abteilungen der Schweizer Unternehmen steht der Betrieb der Infrastruktur an erster Stelle. Da bleiben kaum Ressourcen für die strategische Planung. Höchste Zeit, neue Wege einzuschlagen.

Grafik 1: IT-spezifische Aufgabenstellungen der IT-Abteilung
  

» Von Mark Schröder, 27.03.2009 06:00. Letztes Update, 27.03.2009 15:47.

Die IT-Abteilungen sind hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt: Die Systeme müssen gesichert, der Betrieb aufrechterhalten werden. Die Unterstützung des Business hat für die IT derzeit nur eine geringe Priorität. So lautet ein Ergebnis der Swiss-IT-Umfrage von Computerworld und IDC unter rund 530 Schweizer Anwenderfirmen.

Dem gegenüber stehen die Anforderungen der Fachabteilung an die IT: Für sie steht das Business an erster Stelle. Die Fachabteilungen schreiben ihren Kollegen in der Informatik auf die erste Seite des Pflichtenhefts, dass jedes Byte, das die Unternehmenscomputer verarbeiten, den Geschäftserfolg steigern muss. Auch das ist ein Ergebnis der Umfrage. Wie lässt sich diese Diskrepanz lösen?

Business-Orientierung als Pflicht

Die Ansichten könnten zwar unterschiedlicher nicht sein. Es herrscht allerdings auch Einigkeit darüber, dass beide Positionen ihre Berechtigung haben: Einer aktuellen Studie des IT-Beratungshauses Capgemini zufolge sehen sich drei Viertel der Informatiker als Dienstleister. Sie seien zuständig für die reibungslose Lieferung der IT, geben die 130 befragten Unternehmen aus der Schweiz (13), Deutschland (96) und Österreich (21) zu Protokoll. Wie es in der Studie weiter heisst, bleibe der Betrieb eine der Kernaufgaben. Jedoch sehen sich die IT-Leiter auch in der Pflicht, das Business zu unterstützen: 92 Prozent der Befragten wollen in Zukunft die Anforderungen des Geschäfts in informationstechnologische Lösungen umsetzen. Nur wissen sie nicht recht, wo sie den Hebel ansetzen sollen. Technologien wie Business Intelligence, Enterprise Resource Planning und Harmonisierung leisten nach Einschätzung der Studienteilnehmer nur einen mässigen Beitrag zum Unternehmenserfolg. Dieses Urteil zeige laut Capgemini, dass die IT-Manager durch die permanente Konfrontation mit Neuerungen nur noch schwer zu beeindrucken sind und ihnen der Vergleich mit anderen Bereichen fehlt.

Outsourcing ist keine Lösung

Keinen Vorteil für das Business sehen die
IT-Führungskräfte im Outsourcing. Laut den Studienautoren ist dies ein Indiz dafür, dass kaum ein Unternehmen Prozesse und Infrastruktur auslagert, um den Geschäftsablauf zu optimieren. Outsourcing werde als reines Abwickeln definierter Leistungen angesehen.

Ähnlich kritisch stehen die von Computerworld und IDC befragten Unternehmen dem Outsourcing gegenüber. Das Auslagern steht unter den Aufgabenstellungen der IT an allerletzter Stelle (Grafik 1). Schweizer Unternehmen betreiben Outsourcing deutlich zurückhaltender als etwa Firmen in den USA oder Grossbritannien. Gegenüber Deutschland befindet sich die Schweiz aber in der Vorreiterrolle.
«Outsourcing des IT-Betriebs ist in der Schweiz Business as usual», konstatiert Bernd Schaefer vom Outsourcing-Beratungsunternehmen TPI. Deutschland sei da Jahre im Rückstand. Die Deutsche Bank startete beispielsweise erst Anfang 2003 mit dem Outsourcing: IBM erhielt einen Vertrag über zehn Jahre mit einem Volumen von umgerechnet zirka 3,7 Milliarden Franken. Zu diesem Zeitpunkt lief der Outsourcing-Vertrag zwischen UBS und Perot Systems aber schon rund sieben Jahre.

Über solche Summen entscheidet allerdings immer die Geschäftsleitung. Vielleicht ein weiterer Grund, warum das Thema Outsourcing für die IT-Manager eine geringere Rolle spielt.

Sicherheit hat Priorität

Ganz oben auf der To-do-Liste der IT-Abteilung sehen die Schweizer Unternehmen die Sicherung der Firmeninfrastruktur. Diese Einschätzung ist durchaus begründet in Zeiten weiter wachsender Bedrohungen durch immer mehr Malware, USB-Sticks, mobile Geräte und Angriffsszenarien, zum Beispiel in sozialen Netzen.

Wegen der Kosten, die durch Schäden entstehen könnten, müssen viele Sicherheitsausgaben oftmals auch gar nicht detailliert gerechtfertigt werden, im Gegensatz beispielsweise zu ERP-Investitionen.

IT-Betrieb optimieren

Freie Hand haben CIOs auch beim Steigern der Effizienz der Unternehmens-IT. Die von Computerworld befragten Schweizer Anwender sehen einen hohen Handlungsbedarf in diesem Bereich. Ein Grund sind Nachfragen der Geschäftsleitung nach der IT-Performance, ein anderer immer mehr installierte Service-Level-Abkommen zwischen IT und Fachabteilung.

Dirk Wedemeyer, IT-Leiter von TUI Suisse, berichtet: «Die IT muss immer häufiger den
Erwartungen ihrer Kunden respektive der Geschäftsleitung in Bezug auf Umsetzungszeiten und Kosten gerecht werden.» Deshalb steht für Wedemeyer das Optimieren der IT-Performance an erster Stelle.
In dieser Überzeugung bestärken den TUI-Manager acht von zehn IT-Entscheider. Sie wollen laut Capgemini die Prozesse in der IT-Abteilung weiter straffen, weil sie in ihren Unter-
nehmen noch Potenzial für Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen sehen. Konkret werden etwa Mitarbeiter in System-Management-Software geschult und Abläufe mithilfe der
Tools automatisiert.
Eng mit der IT-Optimierung verknüpft, und deshalb auch von vielen Schweizer Unternehmen als gleich wichtig eingeschätzt, werden Konsolidierung und Standardisierung. Der IT-Dienstleister Getronics sieht hier das grösste Ventil, um den Kostendruck zu senken. Marketingleiter Ralf Hahn betont: «Die Industrialisierung macht weitere Kostenoptimierungen erst möglich.» Laut Getronics können Unternehmen nur dann Potenziale identifizieren und ausschöpfen, wenn standardisierte Produkte nach definierten Prozessen wie ITIL von ISO- oder Six-Sigma-zertifizierten Anbietern verwaltet werden. Die IT muss dabei jedoch zwischen Kostenreduzierung und den individuellen, unternehmensspezifischen Anforderungen abwägen.

Runter mit den IT-Betriebskosten

Oftmals sind die firmeninternen Anforderungen jedoch nicht so hoch, als dass nicht noch Spielraum für Einsparungen vorhanden wäre. Die Schweizer IT-Verantwortlichen sehen sich hier jedoch nicht in vorderster Schusslinie - auf der To-do-Liste stehen die Kosteneinsparungen erst in der unteren Hälfte (Grafik 1). Verschlechtert sich aber die wirtschaftliche Situation der Unternehmen weiter, könnte der Sparhebel auch in den IT-Abteilungen angesetzt werden. Für Erwin Becher, CIO des Chemiekonzerns Ciba, ist die Kostensenkung schon jetzt Hauptaufgabe der IT. Mithilfe des Outsourcing-Partners Unisys habe Ciba Einsparungen in Höhe von 20 Prozent realisieren können.

Unisys seinerseits erhält von seinen Kunden Signale, dass der Faktor Kosteneinsparung wieder in den Mittelpunkt gerückt ist. Peter Ronchetti, Mitglied der Geschäftsleitung Unisys Schweiz, kommentiert: «Nach dem Abklingen der krisenbedingten Schockstarre Ende 2008 fragen sich Unternehmen heute, wie sie der wirtschaftlichen Talfahrt entgegensteuern können. Für die IT heisst das: Automatisierung, Prozessrationalisierung, Standardisierung und Virtualisierung gehören ganz oben auf die Agenda.»

Die Standardisierung der IT hat für Peter Arbitter, Leiter Portfolio and Technology Management bei Siemens IT Solutions, das grösste Kostensenkungspotenzial. Arbitter sieht dafür SaaS als Katalysator: «Unternehmen müssen Software nicht mehr erwerben, sondern beziehen sie vom Dienstleister. Firmen halten dann nur noch eine minimale Infrastruktur vor», führt der Siemens-Technologe aus. Dann liessen sich mithilfe von serviceorientierten Architekturen und Business Process Management die IT-Systeme flexibel und Prozesse durchgängig gestalten.

Die IT-Abteilungen setzen andere Schwerpunkte als das Business: IT-Betrieb und Performance sind wichtiger als die Ausrichtung an Geschäftsprozessen.

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