IT-Orakel: So wird 2010
Schweizer IT-Chefs haben die Krise genutzt, um «heilige Kühe» zu schlachten und ihre IT auf Effizienz zu trimmen. Jetzt sitzt das Geld wieder etwas lockerer. Wo wird 2010 investiert?
» Von , 01.02.2010 06:00.
Die Stimmung hellt sich auf, das berühmte Licht am Ende des Tunnels kommt näher. Die weltweiten IT-Ausgaben werden im laufenden Jahr 2010 um 3,2 Prozent wachsen und ein Marktvolumen von etwa 1,5 Billionen US-Dollar erreichen, prognostiziert IDC. Damit wäre die Branche auf dem gleichen Stand wie im Jahr 2008. Insgesamt sollen die Bereiche Hardware, Software und Services jeweils um 2 bis 4 Prozent zulegen. Der kranke Patient IT-Wirtschaft ist auf dem Weg der Besserung. Besonders die BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China) sollen mit Wachstumsraten zwischen 8 und 13 Prozent auftrumpfen.
Langfristig positiver Trend
IDCs weltweite Prognose deckt sich mit den Ergebnissen einer Umfrage, die Capgemini im November vergangenen Jahres unter 133 Grossunternehmen im deutschsprachigen Raum durchgeführt hat. Rund 41 Prozent (Vorjahr 32 Prozent) der befragten IT-Verantwortlichen gaben an, 2010 mehr in ihre IT investieren zu wollen. Auch der langfristige Trend ist positiv: 2011 gehen 45 Prozent der Teilnehmer von abermals höheren IT-Budgets aus (Artikel «Optimistische IT-Manager» auf S. 35).
Kostensenkung und Effizienzsteigerung, die Allheilmittel in der Krise, reichen nicht aus, um langfristig unternehmerisch erfolgreich zu sein und wettbewerbsfähig zu bleiben. Schweizer Unternehmen haben das erkannt und bereiten sich jetzt intensiv auf die Zeit nach der Krise vor. Welche Segmente stehen im Fokus?
«IT führt die Wirtschaft aus der Krise, und der wichtigste Transformationstreiber ist Cloud Computing», sagt Frank Gens, Senior Vice President und Chefanalyst bei IDC. IBM und Oracle werden ihre eigenen Cloud-Plattformen vorantreiben. Amazon, bereits Marktführer im Segment Infrastructure as a Service, wird ähnlich wie Microsoft mit Windows Azure eine eigene «Platform as a Service (PaaS)» auf die Beine stellen und mit der Kunden schneller und kostengünstiger individuelle Business-Applikationen entwickeln können.
Schweiz: Vorbehalte schwinden
Das Jahr 2010 stehe im Zeichen der Cloud-Appliances, prophezeit Gens. Um ihren Kunden möglichst viele Hindernisse aus dem Weg zu räumen, werden Platzhirsche wie Oracle, Fujitsu und Salesforce fertig konfigurierte Appliances für ihre Public-Cloud-Dienste entwickeln, mit denen Kunden schnell produktiv arbeiten können. Auch den Private Clouds und hybriden Lösungen sagt Gens eine verheissungsvolle Zukunft voraus.
In der Schweiz dominierten bisher Zweifel an der Sicherheit und Zuverlässigkeit die Diskussion um Cloud-Computing-Angebote. Aber die Stimmung scheint jetzt umzuschlagen. Besonders die mit dem CC-Beschaffungsmodell erreichbaren Kostensenkungen überzeugen. So erwarten 62 Prozent der Schweizer CIOs ein Wachstum innerhalb der nächsten zwölf Monate. 69 Prozent glauben, dass Cloud Services bis zu einem Fünftel ihres gesamten IT-Budgets 2010 ausmachen (Umfrage von Portio Research von August bis September 2009). Sicherheitsregulierungen und die Kontrolle von Kundendaten seien dafür jedoch unabdingbare Voraussetzungen, meinen die Schweizer.
40 Prozent auf Glasfaser
Business Cloud Services, die explosionsartige Zunahme mobiler Endgeräte und Video-Apps stellen immer höhere Anforderungen an die öffentlichen Netze. Bis Ende 2010 prognostiziert IDC etwa eine Millarde mobiler Devices mit Zugang zum Internet. Unternehmen werden deshalb die Migration auf konvergente IP-Plattformen vorantreiben und ihre Geschäftsmodelle so umgestalten, dass sie den automatisierten Informationsaustausch zwischen Endgeräten auch nutzen können. 40 Prozent der neuen Telko-Kunden (B2C und B2B) gehen laut IDC auch in Zentraleuropa auf das Konto von Glasfasertechnologie. Ein zügiger Ausbau muss daher ganz oben auf der Agenda stehen.
Allianzen entscheidend
Unsere Schwesterzeitschrift Computerwoche fragte Branchenkenner, welche Unternehmen neben IBM und HP das Zeug zum IT-Giganten haben und die Marktentwicklung massgeblich beeinflussen werden. Für PAC-Analyst Stephan Kaiser kommt dafür am ehesten Oracle/Sun in Frage. Der Grund: Oracle sei der Integrationskünstler schlechthin und durch seine grosse Software-Sparte am wenigsten austauschbar.
Für Forrester-Analyst Pascal Matzke werden jedoch nicht IT-Giganten, sondern Partnernetzwerke den IT-Markt der Zukunft prägen. «IBM, HP, Microsoft und Cisco verfügen derzeit über die besten Allianzstrukturen», meint Matzke. Es bleibe abzuwarten, ob Anbieter wie Google oder Salesforce es schaffen, ihre Software-Plattformen zu Allianzplattformen weiterzuentwickeln.







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