IT der Zukunft: vom Kostenfaktor zum Geschäftsmotor
Die Zukunft der internen IT-Abteilung wird von den meisten Befragten Schweizer CIOs rosig gesehen. Deren Wichtigkeit wird steigen, allerdings muss sich auch das Selbstverständnis ändern.
Grafik 1» Von , 31.03.2009 08:54. Letztes Update, 31.03.2009 09:00.
Die IT ist und bleibt wichtig. So kurz und bündig könnte man die Antworten der von Computerworld und IDC befragten Schweizer CIOs zusammenfassen. Gewichtige 42 Prozent der IT-Verantwortlichen sind sogar der Meinung, dass die interne IT in Zukunft noch deutlich an Bedeutung gewinnen wird. Outsourcing hin oder her, im Herstellungsprozess der Produkte und Leistungen wird die IT eine zunehmend wichtigere Rolle spielen.
Die Meinung der helvetischen CIOs klingt fast wie eine Kampfansage auf Nicholas Carrs oft zitierten Aufsatz «IT doesn't matter». Darin legt der bekannte amerikanische Technik- und Wirtschaftsexperte dar, dass die IT zwar für jedes Unternehmen genauso überlebenswichtig ist wie etwa Strom, als Unterscheidungsmerkmal zur Konkurrenz aber nicht mehr herhalten kann. Kurzum: IT ist zum Gebrauchsgut geworden, zur Commodity also, die keine Bedeutung mehr fürs Business habe, meint Carr.

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Interne IT hat künftig mehr zu sagen
Das Resultat der aktuellen Swiss-IT-Umfrage überrascht Schweizer IT-Experten wenig. «Dieses Ergebnis reflektiert unsere eigene Erfahrung und erstaunt uns nicht», meint Michel Stofer, Partner bei Accenture im Bereich Systems Integration & Technology, gegenüber Computerworld. Nach seiner Ansicht wird die Rolle der internen IT-Abteilungen bei der Koordination und Integration von Services in die Geschäftsprozesse in Zukunft sogar noch wichtiger werden.
Daniel Rey vom Birmenstorfer Beratungs- und Coaching-Unternehmen Entwicklerey sieht das ganz ähnlich: «Betrachtet man die grosse Abhängigkeit der Organisationen von einer funktionierenden IT, die hohen Kosten, Risiken aber auch Chancen, welche von der IT ausgehen, dann komme ich zu einer ähnlichen Einschätzung, was die Bedeutung der IT generell für Unternehmen betrifft», sagt er. Zudem findet es Rey kaum verwunderlich, dass CIOs die Bedeutung ihres Bereichs in Zukunft wachsen sehen. Das sieht auch Hannes Lubich, Professor für IT Systems Management an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch so: «Dieses Ergebnis muss man differenziert und vorsichtig interpretieren. Kaum ein CIO würde die Bedeutung der eigenen internen IT herunterspielen», argumentiert er.
Carl August Zehnder, emeritierter Informatik-Professor an der ETH Zürich, wertet das Ergebnis als eine gewisse Korrektur und Gegenbewegung zu übertriebenen Outsourcing- und Offshoring-Entwicklungen der letzten Jahre. Zehnder ist davon überzeugt, dass «diese Entwicklungen nach heutigen Salärmassstäben primär nicht mehr kostengetrieben, sondern durch den Fachpersonalmangel bedingt sind».

Stefan Arn, ICTSwitzerland
Einig ist man sich unter den Experten, dass die künftige Wichtigkeit der IT von Grösse und Branche der Firmen abhängig ist . «Ein grösserer Mittelständler wird die interne IT meist präferieren, da er sich durch die vermuteten Kosten eines Outsourcings einschliesslich der Transition bei laufendem Betrieb eher abgeschreckt fühlen wird», argumentiert etwa Hannes Lubich. Bei Grossunternehmen existieren laut Lubich mittlerweile Mischformen mit einer Business-relevanten internen IT, die aber die rein operativen Tätigkeiten an Outsourcer vergibt.
Auch für Arn gibt es Ausnahmen, bei denen der internen IT nach wie vor eine grosse Bedeutung zukommt. «Es gibt Branchen, die hoch strukturierte Produkte anbieten. Hier besitzt die IT einen höheren Stellenwert und hilft direkt dem Business», meint er. Die Grösse des Unternehmens spielt dagegen laut Arn weniger eine Rolle. «Bei Versicherern und Grossbanken gibt es genügend Abläufe, bei denen die IT keine USP (Unique Selling Proposition) zu bieten hat», stellt er fest. Als Beispiel nennt er die Buchhaltung, bei denen die Banken mittlerweile zu Standard-Software von SAP greifen - ein Vorgang übrigens, der laut Arn vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre.
Trotzdem ist der ICTswitzerland-Präsident der Auffassung, dass auf die Schweizer IT-Abteilungen noch genügend Arbeit wartet. So müsste die IT-Abteilung beispielsweise an eine ständige Migration ihrer Systeme denken. Bislang werde hier viel zu lang zugewartet.
Zudem gebe es in Branchen wie etwa der Bankenwelt hochkomplexe mathematische Probleme zu lösen, für die es erstens keine Standard-Software gebe und die zweitens dem eigenen Unternehmen einen echten Wettbewerbsvorteil verschaffen könnten. «Ich denke da im Bankenbereich etwa an die Korrellationen bestimmter Eckdaten für die Entwicklung von Wertpapieren oder an die Kalkulation der optimalen Zusammensetzung eines Fonds», erklärt Arn. «Hier liegen in dieser Branche die spannenden Aufgaben für die IT-Abteilung der Zukunft», fügt er an.







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