EMC/VMware: Gelsinger soll's richten
Ex-Intel-Mann Patrick Gelsinger wird Chef des Virtualisierungsmarktführers VMware. Schickt Grandseigneur Joe Tucci seinen besten Mann dorthin, wo's brennt?
Patrick 'Pat' Gelsinger auf dem IDF 2008 (Schnappschuss des Autors)weitere Artikel
» Von , 18.07.2012 15:05.
Surprise, surprise: Patrick "Pat" Gelsinger (jetzt COO EMC) wird mit Wirkung zum 1. September Chef des Virtuslisierungsschwergewichtes VMware und steigt in den Verwaltungsrat auf. Noch-Chef Paul Maritz (jetzt CEO VMware) behält seinen Sitz im VMware-Verwaltungsrat, soll aber in Zukunft die Aufgaben eines technologischen Chefstrategen beim Mutterkonzern EMC wahrnehmen. (Beide Unternehmen sind eng miteinander verwoben. EMC hält zwischen 70 und 80 Prozent der Anteile an VMware.)
Eine Überraschung war das schon: Hatte sich Gelsinger doch wärmstens für die Nachfolge von EMCs Grandseigneur und CEO Joe Tucci empfohlen, der im Laufe der nächsten beiden Jahre aus dem Amt scheiden will. 30 Jahre Intel, drei Abschlüsse in Elektrotechnik, Gelsinger schien wie geschaffen für EMCs riesige, Petabyte-grossen Speichermaschinen. Journalisten beeindruckte der quirrlige Gelsinger regelmässig mit seinem akribischen Elefantengedächtnis, aus dem er jedes noch so kleine technische Detail scheinbar mühelos hervorzauberte. Pat beerbt Joe Tucci, das schien eigentlich ausgemacht und ausgepokert.
Joker Pat Gelsinger
Jetzt kommt doch alles ganz anders. Schickt EMCs Grandseigneur, der altersweise, erfahrene Joe Tucci, seinen besten Mann Gelsinger dorthin, wo's brennt? Um Bedenkenträgern das Wasser abzugraben, hat VMware zeitgleich mit der Bekanntgabe des Chefwechsels auch die vorläufigen Zahlen für sein zweites Quartal veröffentlicht. Demnach lag der Quartalsumsatz mit 1,123 Milliarden US-Dollar um 22 Prozent über dem Vergleichsquartal des Vorjahres. VMware übertrifft damit seine eigene Prognose. Auch die operative Marge (Non-GAAP) soll mit 32 Prozent besser ausgefallen sein, als erwartet. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet man mit einen Umsatz zwischen 4,54 und 4,635 Milliarden US-Dollar. Das sieht, konservativ formuliert, sehr ordentlich aus.
Auf den zweiten Blick aber wird deutlich: Für VMware ist das Geschäft mit der Virtualisierung kein Selbstläufer mehr. Noch 2010, vor gut zwei Jahren, herrschte der Virtualisierungsspezialist nahezu unangefochten über sein Reich. In Gartners magischem Quadranten für x86-Server-Virtualisierung konnte sich die Firma als einziges Unternehmen im sogenannten Leaders-Quadranten positionieren (Gartner Mai 2010).
Zwei Jahre später hat sich die Marktsituation dramatisch gewandelt. Zwar ist VMware immer noch deutlich Technologie- und Innovationsführer punkto Server-Virtualisierung, aber Microsoft - die Nummer zwei - ist dem Platzhirschen auf den Fersen, Citrix ist in den Eliteclub der Leaders aufgest
Noch-VMware-Chef Paul Maritz (Schnappschuss des Autors)
Wird Paul Maritz EMC-Chef?
Hinzu kommt: Die, allerdings immer stark volatil reagierende, VMware-Aktie sackte von ihrem 52-Wochenhoch Anfang des Jahres (118,79 US-Dollar) auf aktuell gut 80 Dollar ab. Der Daumen der Börse zeigt nach unten. Es musste etwas geschehen. Ergo bekommt der umtriebige Gelsinger seine eigene Firma. Wer aber beerbt EMC-Boss Joe Tucci? Der Mathematiker und Informatiker Paul Maritz, der souverän nach der Device zu agieren scheint: In der Ruhe liegt die Kraft, hat sich durch seine neue Aufgabe als EMC-Chefstratege in eine aussichtsreiche Startposition gebracht.




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