Die IT muss strategisch aktiv werden

    

» Von Michael Kurzidim, 30.03.2009 06:00.

BI-Tools: Stärken und Schwächen

Ist die Datenbasis korrupt, dann liefern auch die ausgefeiltesten Business-Intelligence-Lösungen (BI) falsche Ergebnisse. Ausserdem ist nicht jede BI-Lösung für alle Aufgabenstellungen gleich gut geeignet. Das mag daran liegen, dass etwa SAP-Kernapplikationen vor allem in der Finanzbuchhaltung und der Personalverwaltung glänzen. Oracle-Kunden dagegen setzen ihre Software häufiger im Kunden- und Lieferantenmanagement, im Einkauf, in der Fertigungssteuerung und Lieferkettenverwaltung ein. Das Kern-Know-how des Anbieters spiegelt sich dann auch in den von ihm offerierten BI-Werkzeugen.

Marktführer der BI-Tools in der Schweiz sei laut Geschäftsführer Ritter das Walldorfer Unternehmen SAP mit einem Marktanteil von gut 31 Prozent (Grafik 3). Vom Know-how der akquirierten BI-Spezialistin Business Objects haben die Walldorfer stark profitiert. Das Tandem IBM/Cognos kann knapp 20 Prozent für sich verbuchen, gefolgt von SAS mit 16 und Microsoft mit gut 11 Prozent. Das Gespann Oracle/Hyperion hält, so Ritter, am Schweizer BI-Markt einen Anteil von gut acht Prozent. Die genannten Anbieter selbst wollten die Zahlen weder bestätigen noch dementieren.

In der Swiss-IT-Umfrage von Computerworld belegen IT-Lösungen zur Unternehmenssteuerung auf der Anforderungsliste der Fachabteilungen an die IT immerhin den vierten Platz. Auf einer Skala von 1 (sehr wichtig) bis 5 (unwichtig) erzielten BI-Lösungen einen Signifikanzwert von 2,7. Die obersten drei Plätze belegen die Themen Geschäftsprozess-Optimierung, Produkt-Neueinführungen und innovative
IT-Lösungen (vgl. Grafik 2). Warum hat die überwiegende Mehrheit der befragten Schweizer Manager das Gefühl, auf diesen drei Gebieten Potenzial zu verschenken?

Grafik 3: Der Schweizer Markt für BI-Tools
Grafik 3: Der Schweizer Markt für BI-Tools
Das Beratungsunternehmen Solution Matrix analysierte im Auftrag von Computerworld den Markt für Business-Intelligence-Lösungen in der Schweiz (Umsatzzahlen laut Hersteller).

Differenzierte Ursachenforschung

Die Top-Prioritäten der Fachabteilungen, das mag einer der Gründe sein, spielen erstaunlicherweise in den IT-Abteilungen keine so gewichtige Rolle. Dort nehmen Alltagsaufgaben wie Sicherheit, IT-Performance und Konsolidierung einen grossen Teil der verfügbaren Zeit in Anspruch, fand Computerworld heraus. Business und IT scheinen sich nicht sonderlich gut untereinander abzusprechen. Mit katastrophalen Folgen fürs Geschäft, wie die Ergebnisse einer Umfrage belegen, die Capgemini im November des letzten Jahres unter 130 deutschsprachigen Unternehmen in der Schweiz, Österreich und Deutschland durchgeführt hat (vgl. «IT-Trends 2009»: www.de.capgemini.com/studien_referenzen/studie-it-trends-2009).

Demnach lagen im vergangenen Jahr lediglich 16 Prozent aller geschäftskritischen IT-Projekte im Zeitplan. Der traurige Rest dauerte länger als geplant und strapazierte die Geduldsfäden aller Beteiligten. Bei den IT-Budgets sieht es noch übler aus: 85 Prozent aller kritischen IT-Projekte haben ihr Budget massiv überschritten und auch im laufenden Jahr wird sich daran so gut wie nichts ändern, prognostizieren die Marktstrategen von Capgemini.

Beinahe-Katastrophen vermeiden

Sind IT-Abteilungen in den Unternehmen nun dumm, faul, unterbesetzt oder alles zusammen? Einen der Hauptgründe für die Beinahe-Katastrophen sehen 63 Prozent der Umfrageteilnehmer darin, dass zu viele Projekte gleichzeitig durchgeführt werden (Grafik 2). Diese Tendenz wird sich im laufenden Jahr noch verstärken, denn die Wirtschaftskrise setzt die IT-Budgets auch in der Schweiz unter Druck und zwingt zu Rationalisierungsmassnahmen. Dazu gehören auch Personalentlassungen und die verbleibende Restbelegschaft muss dementsprechend Mehrarbeit schultern. Zu knappe interne Ressourcen nennen denn auch 62 Prozent als Hauptschuldigen für miserabel durchgeführte IT-Projekte.

Die richtige Top-down-Priorisierung und der Fokus auf die wirklich wichtigen Vorhaben sei entscheidend, betont Bruno Müller, CIO der Axa Winterthur. Die IT könne nicht alles gleichzeitig tun. Einverständnis über die Top-Projekte zu erzielen, scheint jedoch alles andere als einfach zu sein. Reibungsverluste dominieren den Alltag in Schweizer Unternehmen. 42 Prozent der Befragten machen eine verbesserungswürdige Abstimmung zwischen der IT und den Fachabteilungen dafür verantwortlich, wenn es in IT-Projekten knirscht und knarzt.
Wie können CIOs das ändern? Immer mehr IT-Abteilungen arbeiten inzwischen mit einem Servicekatalog, sodass Fachabteilungen verstehen, welche Leistungen sie zu welchen Preisen beziehen können. Allerdings ist es mit einem Katalog allein nicht getan. Um langfristig die Akzeptanz der Unternehmensführung zu gewinnen, müssen die CIOs Kosten, Qualität und Servicelevel so transparent wie möglich kommunizieren.

Grafik 2: Woran liegt es, wenn IT-Projekte in ihrem Unternehmen die Erwartungen nicht erfüllen?
Grafik 2: Woran liegt es, wenn IT-Projekte in ihrem Unternehmen die Erwartungen nicht erfüllen?
Die Mehrheit der befragten Unternehmen sieht zu viele Projekte und zu wenige interne Ressourcen als Grund für das Scheitern von Projekten. Es fehlt der Fokus aufs Wesentliche.

Optimierungshebel KPI

Ein probates Mittel, diesem Ziel näher zu kommen, sind Kennzahlensysteme. Key-Performance-Indikatoren (KPI) messen technische wie kaufmännische Erfolgsparameter und dienen als faktische Argumentationshilfe. «Wir setzen verschiedene Reporting-Tools ein, um KPIs zu erfassen, die dann in der strategischen Unternehmensplanung Verwendung finden», berichtet Bernhard Bichler, IT-Chef bei Sulzer. Hauptanwendungen dafür seien SAP BI und selbst programmierte Datenerhebungswerkzeuge. KPI-Systeme, die in der Lage sind, ungenutzte IT-Potenziale auszuloten, setzen jedoch bisher lediglich 40 Prozent der von Capgemini Befragten ein. Insgesamt tun Schweizer IT-Verantwortliche noch zu wenig, um als Business-Partner auf Augenhöhe akzeptiert zu werden.

Einen entscheidenden Einfluss auf die Zusammenarbeit zwischen IT und Business hat auch die IT-Gesamtstrategie, die im Unternehmen gefahren wird. Zwar lassen sich durch Outsourcing-Massnahmen kurzfristig vor allem die Kosten reduzieren und Ressourcen flexibel nach Gebrauch skalieren. Fahren Schweizer Unternehmen aber auch langfristig gut damit oder geben sie unter dem Kostendruck wertvolles Potenzial, das später an allen Ecken und Enden fehlt, leichtfertig ausser Haus?

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