Coop-CIO August Harder im grossen Interview
August Harder führt als Coop-CIO mit zwei verschiedenen Philosophien: Die Haupt-IT wie der Kapitän eines Supertankers, die innovativen Segmente – mobile oder coop@home – wie der Steuermann eines Rennboots.
August Harder: «Die IT ist wie ein Supertanker»weitere Artikel
» Von , 27.07.2012 10:16.
Computerworld: Alle Welt spricht vom Einkaufstourismus. Den Kostendruck spürt auch Coop. Wird auch an der IT gespart?
August Harder: Die Coop bietet Vielfalt und Nachhaltigkeit zu vernünftigen Preisen an. Das finden Sie im Ausland nicht. Es gibt keinen Grund, dort einzukaufen. Die IT hilft einerseits, die Prozesse zu vergünstigen: Waren können dank IT bedarfsgerecht bestellt werden, so optimieren wir die Bestellmengen und müssen weniger wegwerfen. Ausserdem sparen wir bei der Informatik selbst Kosten. Heute entfällt etwa ein Prozent des Umsatzes auf die IT. Das war vor einigen Jahren noch anders. Wir ernten heute das, was wir in der Vergangenheit gesät haben, als wir Systeme standardisiert und vereinheitlicht haben. Die Mitarbeiter sind heute in Pools organisiert, die für verschiedene Aufgaben eingesetzt werden. Dies ist unser Weg: Noch mehr standardisieren, wenige Projekte, diese wenigen aber richtig umsetzen. Wir streben danach, möglichst wenige Werkzeuge zu benutzen.
Wenn man von einem Umsatz von 20 Milliarden Franken ausgeht, sind ein Prozent 200 Millionen Franken. Ist dies die Grössenordnung Ihres IT-Budgets?
Der Kassenumsatz der Verkaufsstellen von Coop betrug im vergangenen Jahr rund 17,9 Milliarden Franken. Davon können Sie ein Prozent rechnen.
Das ist ein stattlicher Betrag.
Ja, das ist richtig. Diese Dimensionen sollte man nicht vergessen, wenn von Einsparungen die Rede ist. Coop investiert gewaltige Mittel in die Informatik.
SAP ist ein grosser Brocken.
Ja, 70 bis 80 Prozent unserer Prozesse sind von SAP unterstützt. Auch neue Technologien von SAP, zum Beispiel Hana, setzen wir als Erste ein und stehen auch immer wieder für Referenzkunden zur Verfügung. Im Gegenzug werden wir von Stefan Höchbauer, dem Chef der SAP Schweiz, gut unterstützt.
Weiss die Coop-Geschäftsleitung, dass ohne IT nichts mehr geht? Streikt der Lieferant, liefert ein anderer. Streikt aber die Kasse, fehlt der Umsatz.
Natürlich ist sich die Geschäftsleitung dieser Tatsache bewusst. Als vor Ostern die Kassen ausfielen, haben wir hautnah gespürt, wie wichtig die IT ist.
Das war aber ein Worst-Case-Szenario.

«Dieser Fall darf - wenn überhaupt - höchstens mal alle zehn Jahre vorkommen.»
Ist das ein Unterschied zu früher?
Ja, sehr. Wir hatten vor zehn Jahren schon mal einen ähnlichen Defekt. Der Unterschied zwischen der damaligen und der heutigen Wahrnehmung in der Öffentlichkeit ist gewaltig. Auch haben sich meine eigenen Aufgaben geändert. Damals war ich zu 90 Prozent mit der Fehlersuche in der Technik beschäftigt. Diesmal habe ich morgens um 05:50 Uhr von dem Problem erfahren und habe dann zu 90 Prozent kommuniziert. Davon waren 30 Prozent interne und 60 Prozent externe Kommunikation. In den verbleibenden 10 Prozent war ich mit der Problemlösung befasst. Wir haben den Technikern den Rücken freigehalten. Sie hatten so Zeit, den Fehler zu identifizieren und an der Lösung zu arbeiten.
Hat sich Ihre Aufgabe in den letzten zehn Jahren grundsätzlich verändert?
Nicht unbedingt. Ich habe die Stelle als Informatikleiter immer eher als eine Marketing- und Kommunikationsaufgabe verstanden. Man muss verstehen, was Kunden brauchen, und diese Wünsche in vertretbarer Zeit und zu vernünftigen Kosten erfüllen. Entsprechend hat sich meine Aufgabe nicht so stark verändert. Sicher hat es in den letzten zehn Jahren aber auch Veränderungen gegeben: Heute ist unsere IT wie ein grosses Schiff mit hoher Stabilität und vergleichsweise günstig, wenn man die Kosten pro Transaktion herunterrechnet. Daneben gibt es heute kleine Motorboote wie Apps und Webapplikationen, hier geht es um schnelle Reaktionen, Kundennähe und Innovation.
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