Cool bleiben und Zähne zusammenbeissen
Drei Schweizer CIOs verraten im Gespräch mit Computerworld ihre ganz persönlichen Antikrisenrezepte. Robert Schleich, Jennifer Allerton und Enrico
Lardelli über Emotionen, Kommunikation und Führung in Krisensituationen.
Robert Scheich, Julius Bär» Von , 16.03.2010 06:00.
Robert Schleich, Head IT and Banking Operations bei Julius Bär, sitzt nach einer Krisenerfahrung wieder in seinem Büro. Eine schwierige Systemangelegenheit erforderte mehrstündige Arbeit an Lösungsoptionen. Stress pur. «Als ich mich danach auf meinem Bürostuhl zurücklehnte und die ganze Situation Revue passieren liess, kamen Emotionen hoch - und die Müdigkeit setzte ein. Während einer Ausnahmesituation wären solche Gefühle aber hinderlich», weiss Schleich, denn sie limitieren die eigenen Fähigkeiten in einer Krise.
Das oberste Gebot beim Krisenmanagement lautet also: Trotz kritischer Situation stets einen kühlen Kopf behalten. Dieser Überzeugung schliesst sich auch Jennifer Allerton, die IT-Leiterin des Pharmakonzerns Roche an: «Die Mehrzahl der Krisen, mit denen wir in der IT konfrontiert sind, spielen sich im Bereich von Minuten oder Stunden ab. Selten dauern Krisen länger als einen Tag.» Das Wichtigste: Nicht in Panik verfallen, denn die Angststarre verhindert nicht nur das klare Denken, sondern irritiert auch die Mitarbeiter.
Um die Probleme möglichst rasch zu lösen, brauche man «ruhigen Mut». Die IT-Managerin rät in solchen Sitationen, die Geschehnisse klar zu analysieren, um die wirklichen Ursachen aufzudecken, und dann zu entscheiden: Welche Probleme können gelöst werden, welche nicht? Welchen Handlungsspielraum habe ich und was sind die Konsequenzen? Das Abwiegen der Risiken aller denkbaren Entwicklungen macht rasch klar, was die beste Lösung ist. Manchmal ist ihr trotzdem nicht sofort klar, was am besten zu tun wäre, räumt die Top-Managerin ein. Dann mache sie einfach das momentan Richtige, bis die Dinge wieder klarer werden. «Auf diese Weise erziele ich kleine Erfolge, die mir ein Gefühl von mehr Kontrolle und Stärke geben», so Allertons persönliches Antikrisenrezept. «Und wenn es mal wirklich hart wird, beisse ich einfach die Zähne zusammen und manövriere mich da irgendwie durch.»
Emotionen als Ressource
Wenn eine Krisensituation eintritt, die möglichst schnell behoben werden muss, macht es durchaus Sinn, die hochkochenden Emotionen für den Moment zu unterdrücken. Nur so ist es möglich, schnell und sachlich zu entscheiden. Wenn die Krise aber tiefer geht und einen wirklichen Wandel verlangt, sind die Emotionen auch eine wichtige Ressource, um herauszufinden, was sich ändern sollte.







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