Arbeitsmarkt: Fakten und Trends
Computerworld sondierte ganz aktuell im Mai den Schweizer ICT-Arbeitsmarkt. Ergebnis: Schweizer Firmenchefs stellen nach wie vor ein, agieren aber deutlich vorsichtiger.

» Von , 20.05.2009 14:37. Letztes Update, 20.05.2009 14:39.
Freud und Leid liegen auf dem Schweizer IT-Arbeitsmarkt eng beieinander. T-Systems Schweiz etwa sucht Hochschulabgänger für sein Trainee-Programm 2009, das Anfang November dieses Jahres startet. Der Telko-Provider hat es dabei besonders auf Absolventen wirtschaftlicher und naturwissenschaftlicher Fachrichtungen abgesehen. Die Konditionen sind attraktiv: Drei der zwölf Monate verbringen die Trainees im Ausland und schnuppern in eine der internationalen Landesgesellschaften hinein.
Zusätzlich seien momentan Senior-Positionen in Verkauf, Beratung, Projektleitung und im Software Engineering vakant, sagte Christoph Lüscher, HR-Direktor bei T-Systems Schweiz, gegenüber Computerworld. Aber nicht überall sieht es so rosig aus. Microsoft sucht zwar Entwickler für sein kommendes Windows 8, forciert aber weltweit den Stellenabbau. Bis zum Juni 2010 sollen rund 5000 Stellen, möglicherweise sogar mehr, dem Rotstift zum Opfer fallen. Immer wieder schwappen Horrorgerüchte über Massenentlassungen aus den USA über den Atlantik, die auch Schweizer Niederlassungen in Mitleidenschaft ziehen könnten.
43% verhängen Einstellungsstopp

Grafik 1
Der Trend zur Vorsicht in der Personalpolitik hat in den letzten Monaten an Stärke zugenommen. Zum Vergleich: Monster.ch befragte von Dezember 2008 bis März 2009 die Top-Unternehmen der Schweiz. Ergebnis der Erhebung, die Monster.ch zusammen mit dem Center of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Frankfurt am Main und Bamberg durchgeführt hat: Nur 8,5 Prozent der 66 teilnehmenden Schweizer Unternehmen hatten im Umfragezeitraum für das Jahr 2009 einen kompletten Einstellungsstopp verhängt («Recruiting Trends 2009 Schweiz»).
Selbst den Autoren der Studie kam dieser Wert angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise ein wenig zu optimistisch vor. «Sicherlich werden viele Unternehmen vorsichtiger rekrutieren und zum Beispiel mit dem Ersetzen der natürlichen Abgänge warten», relativierte Falk von Westarp, Country Manager bei Monster Switzerland, die Ergebnisse vom März dieses Jahres.
Bild drastisch gewandelt

Falk von Westarp, Country Manager von Monster Switzerland
Wieder die Vergleichszahlen vom Jahresanfang: Laut Monster.ch wollen 31,7 Prozent der Schweizer Firmen ihren Personalbestand im Lauf des Jahres deutlich erhöhen. Mittlerweile scheinen Schweizer Unternehmenschefs die Lage wieder ein wenig optimistischer zu beurteilen. Laut der aktuellen Blitzumfrage von Computerworld planen knapp 44 Prozent, im Jahresverlauf neues Personal einzustellen.
Grossunternehmen und KMU reagieren unterschiedlich

Grafik 2
Top-Leute händeringend gesucht

Grafik 3
Anscheinend müssen erst die Grossen wieder Fuss fassen und ziehen dann KMU und Zulieferer mit nach oben. Eine ganz ähnliche Erklärung liefern auch die Autoren der «Recruiting Trends 2009 Schweiz» von Monster.ch. Viele Schweizer Grossunternehmen verfolgen eine antizyklische Personalstrategie. Sie stellen Mitarbeiter auch in Krisenzeiten aufgrund eines erwarteten zukünftigen Bedarfs ein. Kleinere Firmen dagegen operieren eher zyklisch und orientieren sich enger am aktuellen Personalbedarf.
So kommt es, dass selbst in Krisenzeiten mit steigender Arbeitslosigkeit Unternehmen Schwierigkeiten haben, qualifiziertes IT-Personal zu rekrutieren. Knapp 72 Prozent der von Computerworld befragten Schweizer Firmen klagen über grosse Probleme bei der Personalakquise. Und immerhin bei 11,5 Prozent führt der Mangel an IT-Fachkräften dazu, dass sie ihre geschäftlichen Aktivitäten einschränken müssen und demzufolge Marktchancen ungenutzt lassen (Grafik 3).







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