Zukunft: Konsumenten-Trends 2010 bis 2020
Schweizer Firmen müssen ihr Produktportfolio darauf einstellen: Mood-Manufactoring, How-to, Multi-Tool-Design und Supersicherheit werden die Märkte in den kommenden Jahren prägen.
Im Vergleich: Konsum-Muster und -Bedürfnisse von 2000 bis 2020.» Von , 16.03.2010 13:54.
Das Zukunftsinstitut in Kelkheim hat in seiner neuen Studie "Konsument 2020" die wichtigsten Konsum- und Markttrends der kommenden Jahre analysiert. "Märkte sind Kommunikation, und hinter Konsumenten-Trends stecken Sozio-Trends", sagt Geschäftsführer Matthias Horx. Demnach wird Mood-Manifacturing, also die bewusste Modulation unserer Stimmungen und unseres temporären Lebensgefühls gesellschaftsübergreifenden Zuspruch erfahren. Schon in der Vergangenheit kauften Konsumenten etwa bestimmte Automarken, um das Image des Machers, des Abenteurers oder des seriösen, ambitionierten Managers nach aussen hin zu visualisieren.
Dieser Trend diversifiziert sich: In Quezon City auf den Philippinen hat 2009 ein Restaurant eröffnet, das mittels natürlicher Zutaten Speisen serviert, die Glückshormone produzieren. Der Restaurantbesucher wählt die Gerichte je nach Gemütsverfassung aus. Die Speisen beugen vor allem durch Johanniskraut, serotonin- und dopaminhaltige Zutaten Depressionen vor oder verhindern emotionale Achterbahnfahrten, in dem sie auf den Blutzuckerspiegel regulierend einwirken.
Versicherungsbetrüger entlarven
Befeuert durch ein anwachsendes Sicherheitsbedürfnis kommen auch im beruflichen Alltag verstärkt stimmungsüberwachende Produkte zum Einsatz. Versicherungen in Grossbritannien (zum Beispiel die Highway Insurance) nutzen Software, welche die Stimme der Anrufer auf Stress überprüft, um mögliche Versicherungsbetrüger frühzeitig zu entlarven. Auch frisch Verliebte können die ehrlichen Absichten des Angebeteten/der Angebeteten mithilfe eines "Love Detectors" über den Grad der Anspannung in der Stimme testen.
Düfte fördern Motivation und Konzentration
Offensichtlich helfen Duftstoffe auch beim Lernen. So haben Pädagogen im Rahmen des Projektes "*Dufte Schule" in den Klassenzimmern speziell zusammengestellte Duftmischungen versprüht, etwa Zitrusdüfte, welche die Konzentration fördern sollen, oder Lavendelöl, das entspannend wirken soll. In den 18 Schulklassen mit über 300 Kindern und Jugendlichen stieg, so das Zukunftsinstitut in seiner Studie, die Konzentration der Schüler um 39 Prozent, die Motivation um 44 Prozent, während die Aggresivität der Schüler um 32 Prozent sank.

Die klassische Maslow'sche Bedürfnishierarchie ist obsolet. Neue Wünsche prägen die Zukunft.
Eng damit zusammenhängend: Der How-to-Trend - wissen wollen, wie's funktioniert - ist nicht mehr nur im männlichen Arbeitssektor verankert. Auch Technikanbieter setzen zunehmend darauf, ihren Kunden die Grundlagen zu vermitteln, von der Leica-Akademie und der Nikon School bis zu Sony. Für IT Professionals ist dieser Trend nichts Neues, jetzt erreicht er die Konsumenten-Welt.
Trend zum Mehrzweckprodukt
Multi-Tool-Design gilt den Forschern des Zukunftsinstitutes als Konsequenz multigraphischer Lebensstile, also häufige Wohnungswechsel und Patchwork-Familien. Multibiographische Brüche fördern das Bedürfnis nach Multi-Tool-Design, nach Mehrzweckprodukten. Die Möbelteile der Designerin Aissa Logerot etwa sind so individuell einsetzbar, wie es die persönlichen Bedürfnisse des Nutzers erfordern. Ob Bank, Tisch oder Regal - mit den hochwertigen und haltbaren Holzteilen lassen sich ohne Werkzeuge alle möglichen Wohnmöbel schnell konstruieren. Auch die Produkte der Designer von 45KILO sind multifunktional und knüpfen an die Tradition des Bauhaus an. Zusätzlich werden variable Wände und Räume die Wohnstile der Zukunft prägen.
E-Health-Handys
Das erhöhte Verlangen nach Sicherheit treibt das Geschäft mit dem Risiko weiter an. Dem Gesundheitsmarkt gibt der Supersicherheitstrend neue Wachstumsimpulse. Als Treiber in diesem Zukunftsmarkt gilt vor allem das Handy, denn Mobilfunktechnik kann Leben retten. Für Diabetiker bietet die Firma Medtronic ein "Gluco Phone" an, das automatisch den Blutzuckergehalt überwacht. Herz-Kreislaufpatienten können mit dem "Vitaphone" selbständig, ohne Mithilfe des Arztes, ein EKG anfertigen. Alle Patienten, die regemässig Medizin einnehmen, erinnert das Medikamenten-Handy "Pill Phone" an die Einnahme und warnt vor Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln. Auch Apple bietet in seinem Appstore iPhone-Software für Patienten an.
Novartis führte kürzlich einen Feldversuch durch, der Medikamente mit Chiptechnologie kombinierte. Die modifizierten Pillen interagieren mit einem auf der Schulter des Patienten geklebten Microchip. Nimmt der Patient die Tablette nicht ein, wird automatisch eine SMS versendet, wahlweise ans eigene Handy oder an das des betreuenden Arztes. Zwar werden deswegen datenschutzrechtliche Bedenken diskutiert, aber die Vorteile dürften für stark gesundheitsgefährdete Patienten überwiegen.







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