Computerworld-Chefredakteur Hansjörg Honegger präsentierte zusammen mit IDC-Analyst Joachim Benner im Zürcher World Trade Center die Ergebnisse der Studie Swiss IT. Über 530 IT-Entscheider quer durch alle Branchen und Unternehmensgrössen standen Rede und Antwort. Über 76 Prozent der Umfrageteilnehmer sind CIOs, EDV-Leiter oder Mitarbeiter in leitender Funktion. Vier Prozent gehören zur Vorstandsebene, zählen zu den Geschäftsführern oder Eigentümern. Wo wollen Schweizer IT-Manager zukünftig investieren, wo noch abwarten? Was steht ganz oben auf der Prioritätenliste? Die Studie Swiss IT analysiert den gesamten IT-Kundenmarkte und prognostiziert, nach Branchen aufgeschlüsselt, die Marktentwicklung von 2009 bis 2012.

Das reale Bruttoinlandsprodukt der Schweiz erreichte in den Jahren von 2004 bis 2007 Werte zwischen 2,5 und 3,4 Prozent. "Bereits 2008 rutschte das BIP auf 1,8 Prozent ab und wird im laufenden Jahr 2009 mit zwei Prozentpunkten in den negativen Bereich geraten", sagt IDC-Analyst Joachim Benner. 2010 setzt mit 0,2 Prozent ein leichte Erholung ein. Damit steht die Schweiz weit besser da als der Euroraum, für den IDC für 2009 ein Minus von 3,2 Prozent voraussagt.
Die einzelnen IT-Marktsegmente trifft die Rezession unterschiedlich hart. Besonders stark gebeutelt wird der Hardware-Markt, der bereits 2008 mit einem Prozentpunkt in die Miesen geriet. Für 2009 prognostiziert Benner einen starken Rückgang um 9,3 Prozent. Auch 2010 kommen die Hardware-Anbieter aus den roten Zahlen (noch) nicht heraus. Erst 2011 setzt mit 1,7 Prozent eine leichte Erholung ein.
Ab 2010 langsam wieder aufwärts
Auch die mit hohen Wachstumsraten verwöhnten Software-Anbieter müssen Federn lassen. Betrug das Wachstum 2007 noch stolze 9 Prozent und 2008 immerhin noch 5,9 Prozent, so werden Software-Anbieter sich im laufenden Jahr mit relativ mageren 2,4 Prozent begnügen müssen. Immerhin bleibt der Software-Markt in den schwarzen Zahlen. In den Jahren 2010 bis 2012 geht es langsam wieder aufwärts (2010: 3,5 Prozent, 2011: 4,7 Prozent).
Ähnlich sieht es für den Schweizer IT-Servicemarkt aus, mit einen Gesamtvolumen von 7,7 Milliarden Franken (2008) das grösste Marktsegment. 2009 geht es, nach sehr erfolgreichen Jahren, weitaus verhaltener nur noch um 2,6 Prozentpunkte nach oben. 2010 und 2011 zieht das Wachstum wieder an (2010: 3,5 Prozent, 2011: 4,1 Prozent). IDC-Analyst Benner fasst zusammen (vereinfacht):
1) Die Schweiz befindet sich in einer Rezession.
2) Die Auswirkungen der Finanzkrise halten an.
3) Erholung setzt im Verlauf des Jahres 2010 ein.
4) Der IT-Markt schrumpft in diesem Jahr (-0,8 Prozent)
5) Besonders stark trifft es den Hardware-Markt.
6) Lichtblicke (Marktbereiche mit Wachstumschancen): Outsourcing, Security, SaaS, Versorger, Unternehmensdienstleister, Mittelstand.
Soweit die harten Zahlen und Fakten in Auszügen. (Die komplette Studie mit allen, nach Branchen aufgeschlüsselten Details bis 2012 können Sie
hier bestellen.) In Sachen Kundenzufriedenheit kritisierten die 530 von Computerworld befragten Schweizer IT-Entscheider vor allem die überhöhten Software-Preise. Ausserdem hatten 91 Prozent der Befragten das Gefühl, das Potenzial ihrer IT nicht richtig auszuschöpfen. Da sei noch viel mehr drin, war die vorherrschende Stimmung. Ist Software zu teuer? Sind Schweizer IT-Unternehmen innovativ genug, oder gehen sie aus übertriebener Vorsicht neuen Marktchancen eher aus dem Weg? Diese Fragen wurden im Podium leidenschaftlich und kontrovers diskutiert.
Preis-Leistungsverhältnis stimmt nicht
Christoph Graessner, F&E-Chef bei Schindler Elevator: Wir brauchen kein neues Word oder Outlook.Software-Preise seien nicht generell zu hoch, sondern das Preis-Leistungsverhältnis stimme nicht. Ausserdem seien häufig Funktionen überflüssig oder es sei nicht klar, welchem Zweck sie dienten, kritisiert Hans-Peter Acker, Informatik-Chef der Basler Verkehrsbetriebe BVB. "Wir brauchen kein neues Word oder Outlook", meint Christoph Graessner, Forschungs- und Entwicklungschef bei Schindler Elevatorv. Viele IT-Produkte seien erst in der zweiten oder dritten Version halbwegs fehlerfrei und einsatzbereit. Wenn wir unseren Kunden Fahrstühle verkaufen würden, die erst in der dritten Version funktionierten, wären wir schon längst pleite, kritisiert Graessner.
Microsoft-Manager Martin Hämmerli: Software hat ein Legitimitätsproblem.Graessner sieht sich und sein Team in einer komfortablen Situation, denn bei Schindler Elevator sei die Bedeutung der IT als Business Partner anerkannt. Das ist nicht überall so, andere haben zu kämpfen. Die IT müsse sich neu erfinden, rät deshalb Martin Hämmerli, Senior IT Manager bei Microsoft. Wenn in einer konsolidierten Server-Landschaft nur ein Server-Admin für 600 Anwender zuständig ist, dann sei das schon erklärungsbedürftig. Ausserdem seien Software-Preise nicht generell zu hoch. Viele Handelspreise lägen teilweise weit unter den empfohlenen Richpreisen. Hardware kann man anfassen. Software und Services nicht, anscheinend haben die Software-Anbieter ein Legitimitätsproblem. (Weitere Analysen, Prognosen, Meinungen und Trends finden Sie in der Bildergalerie.)
» Mehr Bilder zum Event
Fakten, Trends, Prognosen: Zusammenfassung der Studie Swiss IT
Hier können Sie das Computerworld-Sonderheft "Swiss IT" bestellen
Die nach Branchen aufgeschlüsselte Studie zum Schweizer IT-Markt können Sie hier bestellen
Werbung
KOMMENTARE
KOMMENTAR SCHREIBEN