Vorher testen statt nachher bezahlen
Es gibt viele Gründe für die Einführung standardisierter Tests. Die wichtigsten: mehr Effizienz und weniger Risiken bei der Software-Entwicklung. Die SBB hat gemeinsam mit Partner beteo beide Herausforderungen gelöst.

» Von , 29.06.2009 14:37.
Martin Kuppinger ist freier Journalist und Fachbuchautor in Stuttgart
Das konsequente Testen von Software wird in vielen Unternehmen immer noch vernachlässigt. Standardisierte Testverfahren sind bis heute keineswegs die Regel. Nicht so bei der SBB. In einem Unternehmen, das schon aufgrund seines speziellen Aufgabengebiets viel mit Eigen- und Auftragsentwicklungen arbeitet und bei dem die Software essenziell für das reibungslose und sichere Funktionieren des Bahnbetriebs ist, kommt zuverlässigen Tests besondere Bedeutung zu.
Deshalb verfügen die Schweizerischen Bundesbahnen auch schon seit längerer Zeit über einen eigenen Bereich für die Software-Tests innerhalb der IT-Organisation, die «Test Factory».
Prozesse standardisieren
Dabei hat sich vor Projektstart schnell gezeigt, dass es nicht nur eine ausgefeilte Testmethodik und definierte Prozesse braucht, sondern auch Tool-Unterstützung. Einfache Lösungen, bei denen Testfälle in Excel oder Word beschrieben werden, sind nicht effizient. «Unsere Anforderungen an einheitliche, zuverlässige und effiziente Testprozeduren sind ohne spezielle Software-Unterstützung nicht zu erfüllen», so Bruno Linder, Leiter der Test Factory bei der SBB.

Bruno Linder, Leiter Test Factory SBB
In einem aktuellen Projekt werden zum Beispiel anhand eines Standardtestfalls die Billettautomaten mit dem Quality Center getestet: In einer Datenbank liegen alle nötigen Daten, die für den Kauf eines Tickets am Automaten nötig sind: Strecke, Preis, Stationen, Einfach/Retour, Halbtax, Klasse und so weiter. Auf Basis dieser Daten kann dann ein Kauf simuliert bzw. automatisch ausgeführt werden. Im Vergleich zum manuellen Test lassen sich so alle Ausprägungen in einem Schritt testen, und der Aufwand reduziert sich damit um das Zehnfache.
Risiken minimieren
Auch die Überprüfbarkeit und Nachvollziehbarkeit von Software-Tests hat sich erheblich verbessert. Tests sind heute planbar und können automatisiert werden. Durch die Dokumentation und die Standardisierung sowohl bei den Testverfahren als auch der allgemeinen Methodik lassen sich zudem viele Testfälle wiederverwenden oder einfach für neue Software adaptieren. Zudem wird der Einstieg von neuen Mitarbeitern in der Test Factory dank der dokumentierten und standardisierten Prozesse erheblich erleichtert. Die Prozesse wurden zusätzlich in das Projektvorgehensmodell und den Entwicklungsprozess integriert. In den Reviews der einzelnen Phasen, den Quality Gates, werden nun auch alle Aspekte des Testmanagements und des Testings von Anfang an unter die Lupe genommen und mögliche Abweichungen so früh wie möglich korrigiert.
Bei der Einführung des Quality Centers gab es von Seiten der SBB-IT praktisch keine Widerstände. Die Testmanager, Tester und Projektleiter haben das Tool von Anfang an begrüsst und sie setzten es auch ein - kein Wunder, denn die manuelle Arbeit war zuvor ziemlich mühsam. Einzig das Einhalten der detaillierten Projektvorgaben und die Zusammenarbeit mit externen Plattform-Providern gestaltete sich nicht immer ganz einfach.
Das Vorgehen ist eigentlich für grosse SAP-Projekte oder Eigenentwicklungen aufgesetzt. Bei der Einführung einer Standard-Software oder beim Anpassen von Prozessen bzw. beim Definieren von Serviceleistungen «war es nicht immer einfach, diesen Standards zu genügen und doch so effektiv und effizient wie möglich voranzuschreiten» meint Projektleiter Marco Gerussi, Head of Consulting bei beteo.
Schrittweise Einführung

Testmanagement- und Test-Center in einem: Mit Hilfe des HP Quality Center lassen sich Testprozesse standardisieren und damit effektiver abwickeln
Dieses arbeitet mit einem Phasenkonzept, das auf kurze Iterationen, eine schrittweise Einführung, klar definierte Lieferobjekte und permanente Kontrolle des Projektstatus" setzt. Nach einem guten Monat stand ein erster Prototyp mit den wichtigsten Kernfunkionalitäten zur Verfügung. Innerhalb eines Jahres ist es der SBB und beteo gelungen, die Funktionalitäten sukzessive auszubauen und die Qualität sowie Effizienz der Testprozesse in der Test Factory erheblich zu steigern. Damit konnte die SBB letzlich auch die Software-Risiken deutlich minimieren.







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