Swisscom Innovationsmesse 2009
Der Schweizer Telco-Riese skizziert seine Krisenstrategie und präsentiert Top-Angebote, die in den nächsten Monaten auf den Markt kommen.
Urs Schaeppi, Grosskunden-Chef und Mitglied der Konzernleitung bei Swisscom» Von , 19.03.2009 21:24.
"Die Swisscom verliert jedes Jahr 450 Millionen Franken durch Substitution und den allgemeinen Preisverfall", sagt Urs Schaeppi, Mitglied der Swisscom-Konzernleitung und Leiter des Bereichs Grossunternehmen. Im Schweizer Kerngeschäft seien hohe Steigerungsraten kaum mehr möglich. Immer wichtiger werden daher erweiterte Angebote entlang der Wertschöpfungskette von Telekommunikation, Informatik, Medien und Unterhaltung. Ausserdem investiere der Konzern verstärkt in ausländische Wachstumsbereiche, um die Rückgänge in der Schweiz auszugleichen.
Arbeitsplatz aus der Steckdose
"Es wird mehr End-to-End-Angebote geben", versprach Schaeppi den Kunden. Eine von Swisscoms Visionen sei der integrierte Arbeitsplatz aus der Steckdose. Daran arbeiten zurzeit die Forschungsingenieure des Telco-Riesen, und präsentierten auf der Innovationsmesse 2009 in Bern einige Ergebnisse.
Software on demand nach User-Profilen
Ein neues Software-on-demand-Angebot für den Office-Arbeiter (Arbeitstitel: FlexGWP) soll im September dieses Jahres an den Start gehen. Anwender werden den Software-Kiosk der Swisscom über einen mit dem Citrix-Web-Client erweiterten Web-Browser aufrufen können. Lokale Installationen sind nicht erforderlich, um die Applikationen zu nutzen. Das Software-Portfolio enthält Microsofts erweiterte Office-Suite sowie Projektplanungs- und Kollaborationswerkzeuge, aber auch Bildbearbeitungsprogramme wie Adobes Photoshop.
Fertig konfigurierte Nutzer-Profile wie Business Analyst oder Office Worker erleichtern die Auswahl. Denkbar wäre auch eine Abrechnung auf Tagesbasis. Swisscom favorisiert aber eine Verrechnung der Mietsoftware pro Nutzer und Monat. Zurzeit laufen Leasing-Verhandlungen mit den Software-Anbietern.
HSPA+ in ein bis zwei Jahren
Swisscom-Forschungsingenieur Thomas Zasowski zeigt, wie es mit drahtlosen Hochgeschwindigkeitsnetzen weitergehen soll. Die drahtlose Übertragungstechnik HSPA+ (High Speed Packet Access) mit einem geplanten Datentransfervolumen von 42 Mbps (Megabit pro Sekunde) wird in ein bis zwei Jahren kommen, schätzt Zasowski. Für die Implementierung des wesentlich schnelleren Mobilfunkstandards LTE (Long Term Evolution) wird Swisscom voraussichtlich noch etwa drei bis vier Jahre brauchen. Die Datenrate liegt dann bei 326 Mbps. Erste Testsysteme gebe es aber bereits, sagt Zasowski. Noch Zukunftsmusik ist die Super-Highspeed-Technik LTE Advanced, die ein Gigabit pro Sekunde transportiert. In fünf bis zehn Jahren können Kunden damit rechnen.
Noch Probleme bereiten den Technikern die erforderlichen Bandbreiten. Zurzeit experimentiert man mit Multiple-Antennen-Systemen, aber bei einem einfachen Handy sei irgendwann einmal die Grenze erreicht, so Zasowski. Auch kooperative Systeme, die Handys, Smartphones und Notebooks anderer Teilnehmer als Transmitter-Station nutzen, könnten eine brauchbare Alternative sein. Dann sei aber irgendwann der Akku leer, obwohl der Teilnehmer gar nicht telefoniert habe, meint Zasowski. Aber auch hier wird die Akku-Technik sicher noch Fortschritte machen.
Groupware Teamnet ab 31. März

Eros Fregonas, CEO Swisscom IT Services
Eros Fregonas, CEO der Swissconm IT-Services, gibt sich optimistisch. "Der Schweizer Service-Markt habe noch viel Potenzial", sagt Fregonas. Der zunehmende Kostendruck führt jedoch dazu, dass die Kunden immer anspruchsvoller werden. "Wir prüfen heute schon Wachstumsoptionen für die kommenden Jahrte", sagt der Service-Chef. Bis 2011 strebt er im Marktsegment Workplace Management für Firmenkunden einen Marktanteil von 25 Prozent an. Im Anwendungsmanagement soll es eine Position unter den Top 3 in der Schweiz werden. Zwar seien die meisten Umsätze der Swisscom-Services mittelfristig gesichert. Fregonas gibt jedoch zu bedenken, dass aufgrund der Krise Umsatzeinbrüche ab 2010 möglich seien. Dann könne es zu umfangreicheren Kosteneinsparungen kommen als heute schon erforderlich.







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