Smartphone-Mania am MWC

Die Hersteller präsentieren am diesjährigen Mobile World Congress eine Vielzahl neuer Smartphones. Redaktor Reto Vogt hat einen ersten Augenschein genommen.

Am World Mobile Congress in Barcelona ist derzeit ein hübscher Smartphone-Ankündigungs-Reigen im Gang.
  

» Von Reto Vogt, 17.02.2009 10:13. Letztes Update, 17.02.2009 10:14.

Die bereits letztes Jahr begonnenen Trends gehen auch im 2009 weiter: Grosse, berührungsempfindliche Displays, noch stärkere Anbindung des Handys ans Internet und verbesserte Kameras bis zu 12 Megapixel werden Realität.

Sony Ericsson präsentierte an seinem Stand sein Idou (siehe Bildergalerie). Es verfügt über ein riesiges Display ohne physische Tastatur, eine 12-Megapixel-Kamera sowie eine Anbindung an den eigenen Musik-Store PlayNow Arena. Es basiert auf dem Betriebssystem Symbian. Der erste Eindruck des Mobiltelefons ist sehr gut: Die Fotos sind beeindruckend scharf, die Bedienung des Telefons sehr intuitiv und leicht verständlich. Darüber hinaus ist das Idou nicht zu gross geraten, es liegt gut in der Hand und ist nicht zu schwer. Allerdings reagiert das Betriebssystem noch zu langsam auf Bewegungen. "Dies werde allerdings noch verbessert", sagte ein Sony-Ericsson-Mitarbeiter am Stand gegenüber Computerworld.
Der Musik-Shop PlayNow Arena ist in der Schweiz ab sofort verfügbar. Das Spezielle: Anwender bezahlen ein Lied nur einmal, können es aber zweimal herunterladen. Einmal auf den PC und einmal aufs Handy. Der Nachteil: Downloads direkt aufs Mobiltelefon sind DRM-geschützt. Das heisst, sie können ausschliesslich auf Sony-Ericsson-Handys gehört werden.

Auch Nokia und Samsung haben neu eine Download-Möglichkeit im Angbot. Der finnische Riese nennt seinen Shop Ovi und hat ihn schon Mitte letzer Woche vorgstellt. Samsung bietet keinen eigenen Shop, sondern greift auf einen Drittanbieter zurück. Dabei nutzen Samsung-Handys unter anderem eine Erkennungs-Software für Musik, die sich anschliessend direkt herunterladen lässt. Ein Beispiel dafür ist das neu präsentierte Musik-Handy BeatDJ, das die Koreaner mit Bang&Olufsen entwickelt haben. Ebenfalls neu aus dem Hause Samsung ist der Nachfolger des Omnia, das sinnigerweise OmniaHD heisst und mit einem grossen OLED-Display ausgerüstet wird. Im Gegensatz zum Vorgäner nutzt es nicht mehr Windows Mobile sondern Symbian als Betriebssystem. Der Vorteil ist sofort spürbar: Die Bedienung des Handys war flott und trotz der imposanten Displaygrösse von 3,8 Zoll gut zu halten. Zudem soll das Smartphone als erstes Handy High-Definition-Videos aufnehmen können.
Nokia fährt mit seinem beiden Neuankündigungen dem E55 und dem E75 eine klassischere Linie als die Konkurrenz. Beide Mobiltelefone verfügen über eine physische Tastatur. Letzteres hat ausserdem einen Slider, der eine zweites, horizontales Keyboard zum vorschein bringt (siehe Bildergalerie).

Ganz neu im Smartphone-Markt ist Toshiba. Das TG01 ist ein Mobiltelefon, mit dem derzeit grössten Display im Markt (10,5 cm Bildschirmdiagonale). Darüberhinaus ist es extrem flach und arbeitet mit einem 1 GHz-Prozessor. Der erste Einruck ist allerdings nicht gut: Das Handy ist wirklich riesig. Es wirkt eher wie ein UMPC, denn wie ein Smartphone. Das Betriebssystem ist mit Windows Mobile 6.1 falsch gewählt. Es ist zu langsam, Eingaben werden nicht umgesetzt.

Das Flaggschiff von LG ist das Arena. Es ist mit einem 3-Zoll-Touchscreen ausgerüstet, der die Farben sehr schön und scharf anzeigte. Zum Wechseln zwischen den verschiedenen Betriebsebenen erscheint ein 3D-Würfel. Das LG Arena werde zuerst mit Windows Mobile 6.1 verkauft. Sobald aber die neue Version verfügbar ist, sei ein Update möglich, sagte ein Stand-Mitarbeiter zu Computerworld. Grundsätzlich macht dieses Smartphone einen guten Eindruck. Es hat eine angenehme Grösse und liegt schön in der Hand. Allerdings ist auch hier die Bedienung noch schwerfällig. Es ist sinnvoller, auf das neue Windows Mobile 6.5 zu warten. Damit dürfte das LG Arena einiges besser zu steuern sein.

Von Motorola gibt"s nichts Neues. Der Hersteller zeigte nur Modelle, die bereits letzten Herbst gezeigt wurden. Man verfolge seinen eigenen Zeitplan für Neuvorstellungen und wolle sich nicht an den Mobile World Congress ausrichten. Dennoch zeigte die Verantwortliche vor Ort die zwei völlig gegensätzlichen Flaggschiffe. Auf der einen Seite das Karbon-Neutrale Moto Renew, das laut Herstellerangaben völlig reziklierbar ist. In den USA sei es bereits für 10 Dollar mit einem Zweijahresvertrag erhältlich. Auf der anderen Seite steht das Motorola Aura, das 2000 Dollar kostet. Eine Ankündigung konnten wir Motorola allerdings doch noch entlocken: "Wir bringen noch dieses Jahr ein Android-Handy auf den Markt."

Heute Mittag geht"s weiter mit einem Podiumsgespräch mit dem Microsoft-CEO Steve Ballmer, Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo, Ralph de la Vega, Chef des Netzbetreibers AT&T und Walt Mossberg vom Wallstreet-Journal. Es geht um die Zukunft im Handymarkt. Desweitern erwarten uns noch die Ankündigungen von HTC.

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