Schweizer Firmen kämpfen gegen SAP

Der Kampf läuft auf Hochtouren. Schweizer Kunden weigern sich nach wie vor, die erhöhten Wartungsgebühren zu zahlen, die SAP ab Jahresanfang verordnet hat. International herrscht "Eskalationsstufe Rot".

IG-SAP-Sprecher Peter Hartmann: Proteste laufen auf Hochtouren
  

» Von Michael Kurzidim, 24.04.2009 11:25.

"Die Thematik läuft auf Hochtouren", sagt Peter Hartmann, Sprecher der Interessengemeinschaft SAP Wartung CH, in der sich Schweizer Firmen aus Protest gegen die rüde Wartungspolitik von SAP zusammengeschlossen haben. Der Mitgliederbestand sei mittlerweile auf 45 Unternehmen angewachsen, auch Westschweizer SAP-Kunden seien jetzt dabei, so Hartmann.

Mehrheit der IG-Mitglieder zahlt weiterhin 17 Prozent

Die Mehrheit der Mitglieder bezahle weiterhin lediglich 17 Prozent Wartungsgebühren, betont Hartmann. Zum Hintergrund: Der Walldorfer ERP-Konzern will die Support-Gebühren schrittweise über die nächsten vier Jahre von 17 auf 22 Prozent anheben und begründet das mit der über die Jahre gewachsenen Komplexität der Software und, damit zusammenhängend, mit aufwendigeren Support- und Wartungsleistungen. Schweizer KMU betonen dagegen seit Monaten, dass der qualifiziertere, aber auch teurere SAP-Enterprise-Support an ihren Bedürfnissen vorbeigeht. Das brauchen wir nicht, so die einhellige Meinung. Support-Alternativen bietet SAP für seine Schweizer Kunden aber bisher nicht an.

"Einen wirkliche Mehrwert beim teureren Enterprise Support konnten wir nicht feststellen", resümiert auch Dr. Marco Lenck, Vorstandsmitglied des Verbandes der deutschsprachigen SAP-Anwender (DSAG). Viele Schweizer IG-SAP-Mitglieder überweisen deshalb lediglich die alten 17 Prozent Wartungsgebühren auf die Konten der Walldorfer, obwohl ab Jahresanfang 18,3 Prozent fällig werden. Die Unternehmen riskieren mit diesem Schritt, von SAP betrieben zu werden.

International Eskalationsstufe Rot

Auch bei internationalen SAP-Anwendergruppen wie der DSAG, dem User Group Executive Network (SUGEN) und der Americas' SAP Users' Group (ASUG) herrsche "Eskalationsstufe Rot", so IG-SAP-Sprecher Hartmann. In der Schweiz ermittelt zurzeit die Wettbewerbskommission gegen den Walldorfer ERP-Konzern. Der Vorwurf lautet auf unzulässige Wettbewerbsbeschränkung. Vor einigen Wochen verschickte die Weko deshalb Fragebögen an branchenrelevante Unternehmen und Wettbewerber, um den Vorwurf auf Stichhaltigkeit zu überprüfen. Die Fragebögen kamen retour und werden zurzeit ausgewertet. Erhärten sich die Verdachtsmomente gegen SAP, könnte es sogar zu Sanktionen kommen, sagte Olivier Schaller, Vizedirektor Dienstleistungen im Sekretariat der Weko, gegenüber Computerworld.

Werbung

KOMMENTARE

Keine Kommentare

KOMMENTAR SCHREIBEN

*
*
*
*

Alles Pflichfelder, E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt.

Die Redaktion hält sich vor, unangebrachte, rassistische oder ehrverletzende Kommentare zu löschen.
Die Verfasser von Leserkommentaren gewähren der IDG Communications AG das unentgeltliche, zeitlich und räumlich unbegrenzte Recht, ihre Leserkommentare ganz oder teilweise auf dem Portal zu verwenden. Eingeschlossen ist zusätzlich das Recht, die Texte in andere Publikationsorgane, Medien oder Bücher zu übernehmen und zur Archivierung abzuspeichern.