SAP-Support: Wahlfreiheit für Schweizer Kunden (Update)

Die Proteste haben Erfolg: SAP-Kunden können ab sofort zwischen dem teureren Enterprise-Support- und dem alten Standard-Support-Modell wählen. In der Schweiz gibt es aber immer noch offene Fragen.

Leo Apotheker: Alle SAP-Kunden können frei zwischen Enterprise- und Standard-Support wählen.
  

» Von Michael Kurzidim, 14.01.2010 16:20.

Der ERP-Marktführer SAP gibt den Protesten zahlreicher User-Gruppen nach und lenkt ein. Wie SAP-Chef Leo Apotheker auf einer internationalen Pressekonferenz bekannt gab, können SAP-Kunden ab sofort und weltweit zwischen dem besonders in der Schweiz umstrittenen Enterprise Support (ES) und dem alten, preiswerteren Standard-Support-Modell wählen. Die Gebühren für den Standard-Support hatte SAP jedoch jüngst von 17 auf 18 Prozent angehoben. Dabei soll es jedoch auch bleiben, die Standard-Support-Gebühren werden in den nächsten Jahren dem Lohnkostenindex angepasst, weitere Erhöhungen würden nicht erfolgen, versprach SAP auf Nachfrage von Computerworld.

Im laufenden Jahr 2010 bezahlen Enterprise-Support-Kunden in der Schweiz, Deutschland und Österreich 18,36 Prozent Wartungsgebühren. Für Schweizer Unternehmen, die bereits ES nutzen, steigt die Wartungspauschale damit moderat von 18,19 auf 18,36 Prozent; für deutsche und österreichische Firmen bleibt der Preis konstant. Neue Schweizer Enterprise-Support-Kunden würden dagegen bei 22,0 Prozent einsteigen. Die Preiserhöhungen der nächsten Jahre folgen der von SAP bereits kommunizierten Preisstaffel (bis 2016 auf 22 Prozent).

Achtung: Stichtag 15. März

Bis zum 15. März haben Schweizer SAP-Kunden Zeit, sich für eines der beiden Support-Modelle zu entscheiden oder das Wartungsmodell zu wechseln. Danach bleibt die Entscheidung fix, und der nächste Wechsel ist erst wieder für den Support des nächsten Jahres möglich. Schweizer SAP-Kunden können jedoch, unter Einhaltung dieser Fristen, auch in den nächsten Jahren zum Standard-Support zurückkehren. Für Neukunden, so SAP-Pressesprecherin Claudia Lukaschek zu Computerworld, würden die Gebühren für den Standard-Support über die nächsten zwei Jahre bei 18 Prozent bleiben und nicht dem Lohnkostenindex (consumer price index) angepasst.

"Wir sind fest davon überzeugt, dass der Enterprise Support die optimale Wahl für alle unsere Kunden ist", bekräftigte Leo Apotheker und gab ausserdem Änderungen im Vorstand bekannt. John Schwarz leitet den neuen Vorstandsbereich "Industry and Solution Management". Jim Hagemann Snabe steht künftig an der Spitze des Vorstandsbereichs "Product Design and Development". Damit will SAP den Kundenfokus erhöhen und Innovationen schneller an den Markt bringen."Durch die neue Aufstellung können wir das Feedback der Kunden früher einbringen und die Zyklen verkürzen", sagte Apotheker.

Kernforderung der DSAG erfüllt

Die Deutschsprachige SAP Anwendergruppe, wo mit Andreas Zumbach die Schweiz auch im Vorstand vertreten ist, zeigte sich mit der Ankündigung, den Standard-Support wieder einzuführen, hochzufrieden. "SAP hat eine Kernforderung der DSAG erfüllt, jetzt ist die Tür aufgestossen, in die Zukunft zu blicken und sich anderen Aufgaben zu widmen", sagte der DSAG-Vorsitzende Andreas Oczko.

Die Ergebnisse des SUGEN-KPI-Benchmarks haben keinen Einfluss mehr auf die Preisstaffelung des Enterprise Support. "Wir sind da einen Kompromiss eingegangen, der Preis bleibt 2010 stabil bei 18,36 Prozent (für D und A)", erklärte Oczko auf Nachfrage von Computerworld. Zwischen der DSAG und SAP herrsche Einvernehmen darüber, dass der Enterprise Support das von SAP abgegebene Mehrwert-Versprechen erfülle, dass der Enterprise Support den Unternehmen also tatsächlich einen geschäftlichen Mehrwert bringe. Bisher hatte die DSAG das immer bestritten.

IG Wartung CH: Noch offene vertragliche Fragen

In einer Pressemitteilung vom heutigen Freitag kommentiert die Interessengemeinschaft SAP Wartung CH, in der sich über 50 Schweizer KMU zusammengeschlossen haben, die Wiedereinführung des Standard-Supports in der Schweiz. Beharrlichkeit, Teamgeist und ein starker Einsatz der IG Wartung haben zu einem Einlenken der SAP beigetragen. "Allerdings bleiben von unseren ursprünglichen Forderungen noch einige wesentliche unbeantwortet", kritisiert IG-Sprecher Peter Hartmann. Zudem gebe es noch offene vertragliche Fragen, welche die IG Wartung in den nächsten Tagen gemeinsam mit SAP Schweiz besprechen wolle.

PAC kritsiert fehlende Wahloptionen

Die Marktanalysten von Pierre Audoin Consultants (PAC) stehen der neuen Wahlfreiheit positiv gegenüber. "Aus Sicht der PAC-Analysten ist dies eine gute Nachricht für die Anwender", kommentiert PAC in einer Pressemitteilung, die unmittelbar der Ankündigung folgte. Dennoch gebe es noch einige Wermutstropfen: Kunden müssten sich unabhängig von ihrer Release-Situation (ERP/Netweaver, R/3) für eine der beiden Varianten für ihre gesamte SAP-Landschaft entscheiden. Auch innerhalb des Enterprise Support hätten Unternehmen nach wie vor keine Wahloptionen, kritisiert PAC.

Unglücklich sei ferner, dass bei einem Umstieg von Standard- auf Enterprise-Support die Wartungspauschale von 18,36 Prozent nur noch bis zum 15. März 2010 gelte. SAP-Kunden, die später umsteigen, müssen sofort 22 Prozent bezahlen, ein Prozentsatz, der gemäss der Preisstaffel von SAP erst im Jahr 2016 fällig werden würde. PAC empfiehlt SAP, ihren Kunden zumindest eine Frist bis Ende des ersten Quartals, besser noch bis Ende des ersten Halbjahres einzuräumen.

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