SAP: Störenfried Apotheker muss gehen

"Ich werde alles erdenklich Mögliche tun, um SAP wieder zu einem glücklichen Unternehmen zu machen", sagte SAP-Mitgründer Hasso Plattner auf einer eben zu Ende gegangenen Pressekonferenz. Wer SAP kennt, der weiss, was das heisst.

SAP-Mitbegründer Hasso Plattner: SAP muss Selbstvertrauen und Teamgeist wiederfinden.
    

» Von Michael Kurzidim, 08.02.2010 15:09. Letztes Update, 08.02.2010 15:11.

Léo Apotheker nimmt den Hut, legt sein Vorstandsmandat mit sofortiger Wirkung nieder. Die Pressekonferenz zum spektakulären Wechsel an der SAP-Spitze bestritt Mitbegründer Hasso Plattner so gut wie im Alleingang. Keiner der direkt Beteiligten, weder das neu ernannte Führungsduo Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott, noch der "Betroffene" Leo Apotheker gaben ein Statement ab.

Plattner wartete zunächst mit einer ganzen Reihe von Gründen auf, weshalb Apotheker eigentlich hätte bleiben müssen. Er sei nicht für den bisher ausbleibenden Erfolg der SaaS-Suite BusinessByDesign verantwortlich zu machen, unterstrich Plattner. Das System schaue gut aus, SAP habe damit etwas ähnlich Durchschlagendes auf der Pfanne wie Anfang der 90er-Jahre mit R/3. "Es hat nie Meinungsdifferenzen zwischen Leo und mir bezüglich der Strategie des Unternehmens gegeben", bekräftigte Plattner. Wohl an der Ausführung könnte es schon mal gehapert haben, deutete das SAP-Urgestein Plattner an.

Stolperweg zum Global Player

Der Weltbürger und vertriebsorientierte Apotheker wurde zunächst als Aushängeschild für eine neue SAP positioniert, die sich viel stärker als bisher an den Anforderungen globaler Märkte orientieren wollte. Apotheker zeichnete verantwortlich für den umstrittenen Enterprise Support und lag im Dauer-Clinch mit den Techno-Freaks in Walldorf. Unvermeidliche Begleiterscheinungen, so glaubte man, einer Metamorphose, die aus SAP einen echten "global player" machen sollte.

Mittlerweile ist der Enterprise Support Geschichte, vor allem wegen der leidenschaftlichen Proteste zahlreicher SAP-User-Gruppen, nicht wegen SAP. Auch die aktuellen Geschäftszahlen sind kein Siegeslorbeer an Leo Apothekers Hut, den er jetzt nehmen muss. Allein in der Schweiz sackte der Umsatz 2009 im Vergleich zu 2008 um etwa zehn Prozent ab. International sieht es nicht viel besser aus.

Experton: SAP-Strategie unklar

Bei allen Verdiensten von Hasso Plattner, er habe wohl nach Shai Agassi zum zweiten Mal eine wichtige Personalentscheidung falsch gefällt, kommentieren die Marktanalysten der Experton Group. Die Doppelspitze Hagemann Snabe und McDermott sei für ein Unternehmen dieser Grössenordnung nur eine Notlösung. Die SAP-Strategie sei aktuell weder für die Mitarbeiter noch für die Kunden zweifelsfrei zu erkennen. "Kunden müssen jetzt sehr sensibel auf die Signale der SAP achten und daraus Konsequenzen bezüglich der strategischen Bindung an SAP ziehen", meint Andreas Zilch, Vorstand und Chefanalyst bei Experton.

IDC: Reinigendes Gewitter

Zu einer anderen Einschätzung kommt Rüdiger Spies, Vice President Enterprise Applications bei IDC. "Leo Apotheker war ein reinigendes Gewitter, SAP hat unter seiner Führung abgespeckt", sagte Spies im Gespräch mit Computerworld. Apotheker habe aber auch - im Techno-Jargon gesprochen - eine schwierige Benutzeroberfläche gehabt.

Zwischen ihm, den akademischen Tekkies aus Walldorf und den Kunden sei es immer wieder zu Reibereien gekommen. Apotheker kürzte etwa das F&E-Budget, ohne die Technologie wirklich zu verstehen. Das merken die eigene Leute, aber auch die Kunden. In einer Diskussions- und Konsenskultur, wie sie SAP pflegt, kommen solche Alleingänge nicht gut an.

Geniale Doppelspitze

"Die Wunden, die geschlagen wurden, werden jedoch sehr schnell verheilen", prophezeit Spies. Kunden bräuchten Zweierlei: Die grauhaarige Eminenz, die den Markt verstehe, und den technischen Visionär, der die Technologie durchschaue. Die neue Doppelspitze, bestehend aus Bill McDermott (Ex-Vorstand Vertrieb) und Jim Hagemann Snabe (Ex-Vorstand Produktentwicklung), sei deshalb eine geniale Lösung für SAP, analysiert Spies.

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