PDC 2008 - Best of PDC

Microsoft will in Zukunft die Anwendungen seiner Kunden selber hosten und weitere Themen, die für Entwickler in naher Zukunft wichtig werden

» Von Peter Monadiemi, 16.12.2008 19:29. Letztes Update, 16.12.2008 19:31.


Best of PDC 2008

Microsoft will in Zukunft die Anwendungen seiner Kunden selber hosten und weitere Themen, die für Entwickler in naher Zukunft wichtig werden.

Die Professional Developers Conference 2008 (kurz PDC), die Ende Oktober in Los Angeles stattfand, liegt zwar wieder eine Weile zurück, die dort vorgestellten Themen werden aber erst in den kommenden Monaten auf der ToDo-Liste vieler Entwickler stehen. Die Kernaussage der PDC war, dass das Thema Software als einen Service anzubieten auch bei Microsoft in den Mittelpunkt gerückt ist, wenngleich die Formel in Redmond lautet: "Software plus Service" anstelle von "Software as a Service". Der kleine, aber bedeutende Unterschied ist dem Umstand geschuldet, dass Microsoft auch in Zukunft Software in "Boxen" (oder im Rahmen von Microsoft Online unterstützt durch Partner über das Internet verkaufen) wird, dass aber gleichzeitig mehr und mehr Services von bestehenden Anwendungen wie Microsoft CRM, SharePoint und in naher Zukunft auch Office und vollkommen neue Services im Rahmen der Azure Services Plattform über das Web angeboten werden, so dass sie Entwickler in ihre Anwendungen einbeziehen können, wobei Microsoft die Nutzung dieser Services berechnen wird.

Die neue Service-Plattform trägt den klangvollen Namen Azure, genauer gesagt Azure Services Platform (mehr dazu im Artikel Azure - das Fundament von Microsoft 2.0 in dieser Ausgabe der DeveloperWorld). Dahinter verbirgt sich im Kern das neue Windows Azure-Betriebssystem, das auf einem jener DataCenter gehostet wird, die Microsoft bereits in Betrieb genommen hat und noch in Betrieb nehmen wird. Auf der PDC war Azure das Thema der Eröffnungsrede am ersten Tag, in der Eröffnungsrede des zweiten Tages ging es um die übrigen Themen wie .NET Framework 4.0, Visual Studio 2010, Silverlight 2 und natürlich Windows 7, das auf der PDC erstmals einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Eröffnungsrede des 3. Tages war Microsoft Research vorbehalten. Research Lab-Direktor Rick Rashid gab einen Überblick über aktuelle und künftige Forschungsprojekte.

Warum in die Ferne schweifen?



Auch wenn die PDC wie jedes Mal seit 2001 in der Metropole im fernen Kalifornien stattfand, für die Daheimgebliebenen in der ganzen Welt waren die Vorträge nur einen Mausklick entfernt, denn sie standen kurz danach als Videostreams auf der PDC-Website zum Anschauen zur Verfügung (zum Einsatz kommt natürlich Microsoft"s brandneues Silverlight, dessen Stärke vor allem im Videostreaming liegt). Tabelle 1 stellt eine Reihe von interessanten Vorträgen zusammen. Bei über 200 Vorträgen kann selbst eine solche Zusammenstellung nur einen Querschnitt geben. Eine einfache Überschlagsrechnung macht deutlich, dass auf der PDC dieses Mal über 250 Stunden Vorträge präsentiert wurden. Selbst wenn man sich sämtliche Vorträge Non Stopp und ohne Unterbrechungen anhören würde, würde dies 10 Tage dauern. Ein unmögliches Unterfangen. Legt man einen 8 Stunden-Tag mit Pausen zugrunde, muss man immer noch 35 Tage einplanen, um einen kompletten Überblick über die aktuellen Aktivitäten bei Microsoft zu erhalten. So viel Zeit hat kein moderner Entwickler, so dass man sich ein paar Tage frei nehmen sollte, um zu mindestens zu seinen Spezialthemen und/oder zu Azure und Oslo, die Topthemen der Konferenz, einen Überblick zu erhalten.

Stream statt live hieß es auch für viele Teilnehmer auf der Konferenz, denn wer bei einigen Vorträgen zu spät kam musste mit einem Overflow-Room" (und wenn dieser voll war sogar mit einem "Over-Overflow-Room") vorlieb nehmen und konnte dort die Präsentation verfolgen. Der Umstand, dass die PDC-Website für jeden zugänglich ist unterstreicht die Bedeutung, die das neue Thema für Microsoft hat. Die Botschaft muss unter das Entwicklervolk gebracht werden. Auch wenn man sich alle Vorträge auf dem heimischen Sofa gemütlich bei einem Cappuccino oder, je nach Tageszeit, bei einem Gläschen Rotwein ansehen kann, das Vorort sein hat auch seine Vorteile. Nicht nur, dass man unmittelbar am Geschehen ist, rund um die Vorträge, vor allem aber im Ausstellungsbereich und an den Ask the Experts-Ständen ergeben sich unzählige Gelegenheiten für Gespräche. Was in den Vorträgen oft nur oberflächlich behandelt werden kann, kann man sich von den dort anwesenden Experten im Detail erklären lassen (und sich ganz nebenbei auf die Jagd nach T-Shirts und anderen Souvenirs für zu Hause machen). Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, Mehrere Hundert Programm Manager aus Redmond aus dem Bereich Entwicklung und Server an einem Ort anzutreffen?

160 GByte Vorabversionen

Ein weiteres Highlight einer PDC sind die Vorabversionen, die die Teilnehmer in der Regel als erste erhalten bevor sie der Rest der Entwicklergemeinde als Download zur Verfügung gestellt wird. In Zeiten virtueller Images reicht eine DVD als Medium längst nicht mehr aus, Microsoft entschied sich daher dafür, die stolze 160 GByte umfassende Sammlung an Vorabversionen von VS 2010 und .NET 4 über Windows Server 2008 und der allerersten offiziellen Vorabversion von Windows 7 auf einer USB-Festplatte und einigen zusätzlichen DVDs auszuteilen. Einige Teilnehmer hatten die Virtual Server-Images gleich in Betrieb genommen und gehört damit zu ersten Personen außerhalb des engeren Dunstkreises in Redmond, die z.B. Visual Studio 10 testen konnten. Aber auch in diesem Punkt muss sich keiner ausgeschlossen fühlen, denn die frühen Alpha-Versionen stehen auch zum freien Download zur Verfügung.

Natürlich drehte sich auf der PDC 2008 nicht alles um Azure. Die Mehrheit der Entwickler wird sich auch in den kommenden Jahren mit "traditionellen" Server- und Desktop-Anwendungen beschäftigen. Die Neuerungen, die Microsoft zum kommenden .NET 4.0 verriet, sollen allen Entwicklern das Leben erleichtern. Dazu gehört z.B. die Kleinigkeit, dass Interop-Bibliotheken nicht mehr zwingend benötigt werden, da die CLR diese Typen in das Ziel-Assembly einbauen kann. Die für alle Entwickler sicher wichtigste Neuerung ist der Umstand, dass mit .NET 4.0 endlich eine echte Parallelverarbeitung möglich wird und sich endlich Multi-CPU- und Multi-Core-CPU-Systeme nutzen lassen, ohne dass sich der Entwickler mit lästigen Details, etwa zur Synchronisation beschäftigen muss. Möglich wird dies durch eine Parallel-Library-Extension, die als Erweiterung der .NET-Klassenbibliothek allen .NET-Sprachen zur Verfügung steht. Für Sprachkonstrukte wie ein ParallelFor wird eine Schleife auf mehrere Prozessoren bzw. deren Kerne verteilt.

Alle Jahre wieder

Bereits 2009 soll es wieder eine PDC geben, die normalerweise nur alle 2-3 Jahre stattfindet (eine "Doppel-PDC" gab es zuletzt im Jahr 2000, wo das .NET Framework erstmals der Entwickleröffentlichkeit vorgestellt wurde, und im Jahre 2001, in dem unter dem Namen "Hailstorm" bzw. "My Services" ein frühes Service-Modell nachgeschoben wurde, dem aber kein Glück beschieden war). Die Eile ist verständlich, denn wenn Entwickler, die mit Azure und vor allem mit Oslo echte serviceorientierte Anwendungen entwickeln sollen eines benötigen, dann sind es Hilfestellungen in Form von Guidelines und funktionierenden Tools.

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