Onlinebewerbung: noch viel zu tun

Trotz Wirtschaftskrise beklagen viele Unternehmen, wie schwer es sei, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Kleiner Tipp: Suchen Sie da, wo sich die besten Nachwuchstalente bewegen - im Web. Wie es um die Onlinebewerbungsportale der 25 grössten Schweizer Unternehmen bestellt ist, zeigt dieser Test.

  

» Von Manuela Amrein, 25.05.2009 10:40. Letztes Update, 25.05.2009 10:44.

Gemäss der Personalberatung Robert Half geht es in Schweizer Personalabteilungen traditionell zu: So wünschen sich 80 Prozent der Personalverantwortlichen die Bewerbungen nach wie vor per Post. Darin unterscheidet sich die Schweiz deutlich vom globalen Arbeitsmarkt. Im internationalen Vergleich sprachen sich im Durchschnitt 57 Prozent für die Onlinebewerbung aus. Früher oder später wird auch in der Schweiz die klassische Bewerbungsmappe von den Schreibtischen der HR-Abteilungen verschwinden (müssen). Wer nach jungen, dynamischen Mitarbeitern sucht, die sich im Web zu Hause fühlen, wird diese auch nur im Web finden. In manchen Berufen, etwa im IT-Bereich, ist das heute schon so.

Aber sind die Unternehmen überhaupt schon darauf eingestellt? Um die «Bewerbungstauglichkeit» zu testen, hat Computerworld die Onlineportale der 25 grössten Schweizer Firmen (Quelle: Handelszeitung, «Die 1200 grössten Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen in der Schweiz 2007») unter die Lupe genommen. Bewertet wurde nach einem Punkteschlüssel, wichtige Kriterien wie Assistent oder Suchagenten zählen mehr. Die detaillierte Punktevergabe finden Sie online, Webcode: 48146.

Google-Suche und Sprachbarrieren

Auf dem schlichten und einfachen Job-Board der UBS findet sich jeder Bewerber zurecht
Auf dem schlichten und einfachen Job-Board der UBS findet sich jeder Bewerber zurecht
Immerhin 18 Webseiten der 25 getesteten Unternehmen bieten Interessenten bereits heute die Möglichkeit, sich direkt online über ein Webformular oder mithilfe eines Assistenten zu bewerben. Damit die Stellensuchenden sich aber online bewerben können, muss die betreffende Stellenseite im Web erst einmal gefunden werden. Bei der Google-Suche (nach Firmenname und dem Stichwort Stellen bzw. Job) schneiden die meisten Unternehmen sehr gut ab: Der richtige Link steht irgendwo auf den ersten drei Ergebnisseiten. Das heisst aber nicht, dass dieser Link dann auch funktioniert: Der hinterlegte Hyperlink zur Jobseite der Berner Kantonalbank ist nicht mehr aktuell, der User wird auf die Startseite gerooted. Andere Karriere-Links wiederum können erst gar nicht aufgefunden werden.

Dies ist zwar nicht weiter schlimm, denn die Firmenseiten als solche sind alle sehr gut in Google platziert. Damit sich die Webseitenbesucher aber direkt zu den Karriereseiten mit den offenen Stellenangeboten durchklicken können, ist es umso wichtiger, dass die jeweilige Homepage gut strukturiert und wenn möglich auch in mehreren Sprachen zugänglich ist. Zumindest sollten die drei Landessprachen sowie Englisch angeboten werden. Bei mehr als der Hälfte sind die Stellenangebote bzw. die Jobbeschreibungen je nach Region jedoch leider nur in einer Sprache zugänglich.

Keine Jobs online

Bei der Zuger Firma Glencore sucht man auf der Webseite vergebens nach Vakanzen. Auf telefonische Anfrage gab das Unternehmen bekannt, dass sie keine Stellen online publizieren. Bei Interesse könne man aber gerne per E-Mail eine Initiativbewerbung mit persönlichen Unterlagen zustellen, das Unternehmen sehe sich dann gemäss des Profils nach offenen Stellen um. Damit verdient sich Glencore den letzten Platz in unserer Rangfolge, die sechs Plätze davor belegen Firmen, die zwar online ausschreiben, aber ausser einem E-Mail-Kontakt keine Möglichkeit bieten, sich online zu bewerben.

Profil anlegen und durchstarten

Novartis' Suchassistent durchforstet auf Suchende zugeschnittene Stellenangebote
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Nahezu alle Firmen, die einen Onlinebewerbungsassistent anbieten, zwingen die Stellensuchenden dazu, ein Profil anzulegen. Auch wenn diese Registrierung den Bewerbern mühsam erscheinen mag, für das Unternehmen und letztlich auch für die Stellensuchenden hat das entscheidende Vorteile. Auf der Basis der eingegebenen Profile entsteht eine Kandidatendatenbank, die bei einer frei werdenden Stelle noch vor der Schaltung einer Stellenanzeige durchsucht werden kann - die Bewerber haben also mehrmals eine Chance. Zudem läuft das digitale Bewerbungsverfahren für beide Seiten in der Regel auch schneller ab.
Der Assistent hilft den Stellensuchenden ausserdem dabei, alle wichtigen Informationen auszufüllen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, Dokumente wie beispielsweise den Lebenslauf oder Zeugnisse direkt ins Profil hochzuladen. Unser Tipp für Bewerber: Halten Sie den Lebenslauf von Anfang an bereit, denn auf einigen Seiten kann man mit dem Bewerbungsprozess nur fortfahren, wenn der Lebenslauf hochgeladen ist. Ein «Stellenkorb», der, ähnlich dem Warenkorb bei Onlinebestellungen, die ausgesuchten Positionen speichert, hilft dabei, den Überblick über alle interessanten Positionen zu behalten.

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