Marktanalyse: Wie der Oracle-Sun-Deal die IT-Welt verändert
Oracle hat IBM trickreich ausgestochen und sich dadurch signifikante Marktvorteile gesichert. Suns Software und Hardware ergänzen Oracles Portfolio perfekt. Wie reagieren Microsoft, HP und Cisco?
Oracle-Chef Larry Ellison: Einziger Anbieter mit integriertem System von Applikationen bis zur Disk» Von , 27.04.2009 04:50.
Gerüchten zufolge soll der Deal zwischen Sun und Oracle in grosser Hast abgewickelt worden sein, weil sich in letzter Minute IBM, mit der Sun wochenlang erfolglos verhandelte, doch wieder ins Gespräch brachte. Zu guter Letzt hat Oracle Big Blue aber raffiniert ausgetrickst. Der Kaufpreis, den Oracle auf den Tisch zu legen bereit ist, erscheine zwar sehr hoch, sei aber nicht wesentlich höher, als IBM Berichten zufolge zu investieren bereit war, resümieren die Analysten von Pierre Audoin Consultants (PAC).
Sowohl Oracel als auch IBM haben in den letzten Jahren sehr stark, oft durch Akquisitionen, in ihr Software-Portfolio investiert. Beide Unternehmen stehen sich daher zunehmend auch als Wettbewerber gegenüber. Oracle hat seit 2005 insgesamt 34,5 Milliarden US-Dollar für Firmenübernahmen aufgewendet - mehr als jedes andere Unternehmen. Durch zahlreiche erfolgreiche Übernahmen - wie Peoplesoft, BEA Systems oder Siebel - hat Oracle bewiesen, dass es akquirierte Firmen schnell profitabel integrieren kann. Die Integration von Sun sei aber kniffliger, nicht zuletzt weil sich die Weltwirtschaft momentan in einer schwierigen Situation befinde und der Hardware-Markt generell eher durch niedrige Margen und hohen Wettbewerbsdruck gekennzeichnet sei, so die PAC-Analysten.
Software: Gegenwind für Microsoft
Oracle sichert sich mit Java einen etablierten Branchenstandard, der von vielen Oracle-Partnern und Wettbewerbern (wie auch IBM) genutzt wird. Java bildet zudem die Grundlage von Oracles Fusion Middleware- und Datenbank-Lösungen. "Oracle wird mit diesem Schritt mehr Kontrolle über diese kritische Technologie erhalten, obwohl die Java-Gemeinde natürlich versuchen wird, diese Bestrebungen im engen Rahmen zu halten", vermutet Melanie Mack, Consultant bei PAC.

Übernahmekandidat Sun Microsystems: In letzter Sekunde gerettet.
Open Source: Was passiert mit MySQL?
Aus Sicht von PAC ist es durchaus möglich, dass MySQL das Produktportfolio von Oracle ergänzen wird. Während sich Oracle Datenbankl 11g beispielsweise durch seine Skalierbarkeit eher für Rechenzentren von Grossunternehmen empfiehlt, liesse sich MySQL gut auf den Mittelstand ausrichten. MySQL-Endbenutzer können den Source-Code individuell an ihre Bedürfnisse anpassen.
Hardware: Späterer Verkauf nicht ausgeschlossen
Zurzeit schwärmt Oracle-Chef Larry Ellison noch: "Die Übernahme von Sun verändert die IT-Industrie, indem sie klassenbeste Unternehmens-Software und geschäftskritische Computing-Systeme zusammenbringt". Oracle werde der einzige Anbieter sein, der ein integriertes System von Applikationen bis zur Disk entwickeln kann.
Fest steht: Neben einer grossen installierten Kundenbasis gewinnt die Datenbank-Company vor allem "State-of-the-Art"-Hardware-Technologie und Rechenzentrumskapazität hinzu, die auch für Cloud Computing interessant sein dürfte. Bisher hat Oracle allerdings auf Hardware-Partner wie HP und Dell gebaut und bewegt sich jetzt auf unbekanntem Terrain. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Segment mit niedrigen Margen auf den Gesamtgewinn des Unternehmens auswirkt. Einen Wachstumstreiber könnten die Smart Appliances abgeben, Aus Sicht von PAC erscheint aber auch ein späterer Verkauf der Hardware-Sparte eine denkbare Option.
Zukunft: Übernahme-Poker geht weiter
Insgesamt steht die Übernahme von Sun durch Oracle laut PAC unter einem guten Stern. Sie sei aus Software-Perspektive ein Schachzug mit grossem Potenzial. Die Marktanalysten rechnen jedoch in den nächsten Monaten auf dem IT-Markt mit weiteren grossen Übernahmen, da Branchenführer wie IBM, Microsoft, Cisco, HP oder SAP nun versuchen werden, ihre Cash-Ressourcen einzusetzen, um die Konkurrenz abzuhängen und am Ende der Krise die Nase vorn zu haben. Die Kriegskassen sind zudem gut gefüllt.







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