Lust statt Frust: GUIs der nächsten Generation

Eine gute Benutzerschnittstelle kostet, eine schlechte noch viel mehr. Der 7er-BMW geriet deswegen zum Flop. GUIs der nächsten Generation entscheiden, ob neue Produkte zu Verkaufsschlagern werden oder klanglos versanden.

Thomas Memmel von Zühlke: Beim 7er-BMW fahre ich heute noch rechts ran.
  

» Von Michael Kurzidim, 27.08.2009 12:03.

Auf dem gestrigen Late Afternoon Talk der Firma Zühlke drehte sich alles um das "graphical user interface" der nächsten Generation. Denn intuitive Benutzerschnittstellen entscheiden mit über den Erfolg oder Misserfolg eines neuen Produktes. Der 7er-BMW floppte, weil das Bedienkonzept iDrive viel zu umständlich gewesen sei, erzählt Usability-Experte Thomas Memmel von Zühlke Engineering. Allein der Wechsel des Radiosenders erforderte sechs Bedienschritte. "Ich fahre heute noch rechts ran, wenn ich einen 7er-BMW im Rückspiegel sehe", meint Memmel.

BMW-Kunden sind in Autohäuser gefahren, um selbst einfache Einstellungen von Servicetechnikern vornehmen zu lassen. In Konsequenz stiegen die Service- und Supportkosten, ganz abgesehen vom Vertrauens- und Imageverlust der Automarke BMW. Mittlerweile hat der bayrische Autohersteller zwar die Fehler der Vergangenheit korrigiert. Die nachträglichen Änderungen aber haben die Entwicklungskosten in die Höhe getrieben.

Designerfrage: Wie fühlt sich ein Produkt an?

Philipp Schneider, Phonak: Designer wollen wissen, wie sich ein Produkt anfühlt.
Philipp Schneider, Phonak: Designer wollen wissen, wie sich ein Produkt anfühlt.
BMW hätte von Anfang an stärker auf seine Designer hören sollen. Denn "ein Designer will zuerst wissen, wie sich etwas anfühlt, welches Erlebnis etwas beim Kunden auslöst", betont Philipp Schneider, Director Application Software beim Hörgeräteakustiker Phonak. Erst danach werde entschieden, ob sich eine bestimmte Investition auch lohne. "Wir haben GigaBytes an Filmmaterial gesammelt und ausgewertet, um etwas über unsere User herauszufinden", erzählt Schneider. Dabei haben sich mehrere Methoden etabliert. Usability-Experten verwenden Personas, das sind prototypische Benutzer mit unterschiedlichen Berufen, Vorlieben und Verhaltensmustern, um schon vor und während der Entwicklung möglichst exakt zu simulieren, wie das Produkt später vom Kunden angenommen wird (vgl. M. Richter, M. Flückiger: Usability Engineering kompakt, Elsevier).

GUIs: Die vier Haupttrends

Professor Markus Stolze: GUIs werden immer persönlicher, sozialer, interaktiver.
Professor Markus Stolze: GUIs werden immer persönlicher, sozialer, interaktiver.
Vier Haupttrends werden die Benutzer-Interfaces der nächsten Generation prägen. GUIs werden immer kleiner und mobiler, betont Professor Markus Stolze von der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR). Das stellt Interaktionstechnologien vor neue Herausforderungen. "Touch Behind"-Techniken, welche Bedienoptionen auf die Produktrückseite verlagern, entlasten die sowieso schon sehr begrenzte vordere Sichtfläche.

Für statische Devices, wie sie zum Beispiel in Verkaufs- und Beratungsgesprächen oder am Arbeitsplatz im Büro eingesetzt werden, gilt der umgekehrte Trend. Sie werden immer grösser und komfortabler. Der Hardware-Tisch, der Technik und Bedienkomfort in Einklang bringen müsse, sei im Moment jedoch noch eine Herausforderung, sagt Stolze. Ausserdem werden Bedienkonzepte immer persönlicher, sozialer und bieten immer weitreichendere Möglichkeiten für Benutzer. Der Schweizer Internet-Vergleichsdienst Comparis etwa bastelt an einem neuen, visuellen Dienstleistungsangebot für Verbraucher: Kunden schiessen im Kaufhaus ein Produktfoto, speisen es ins Internet ein, und Comparis sucht Preisinfos und technische Details dazu heraus.


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