Kostengünstig: SAP ERP 6.0 aus der Cloud

Auf dem SAP Public Services Day in Luzern präsentierte die Schweizer Cirrus Group live SAP-Systeme als Cloud-Computing-Dienstleistung. Die Abrechnung erfolgt stundenweise. Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) hat die Lösung ausprobiert und zahlte für zwölf SAP-Projekttage lediglich 900 Franken.

Cirrus-CEO Marcel Richard: SAP als Cloud-Computing-Service
    

» Von Michael Kurzidim, 10.03.2009 14:57. Letztes Update, 10.03.2009 15:03.

"Wir wollten für den Testbetrieb einen SAP-Prototypen aufsetzen", erzählt Peter Künzi, Abteilungsleiter CCSAP (Cloud Computing SAP) am Bundesamt für Informatik und Telekommunikation. Normalerweise dauert ein solches Vorhaben mindestens einen Monat. Mit der SAP Cloud-Computing-Lösung der Schweizer Cirrus Group aber war ein SAP IDES ERP 6.0 innnerhalb weniger Stunden eingerichtet.

Zwölf SAP-Projekttage für 900 Franken

"Ich habe zuerst geglaubt, das sei ein Fake", gibt Künzi zu. Hinzu kommt die enorme Kostenersparnis beim Cloud Computing, denn abgerechnet wird stundenweise und streng nach Verbrauch. Für die zwölf SAP-Projekttage bezahlte das BIT daher nur 900 Franken. Darin sind sämtliche anfallenden Kosten wie Betriebs-, Nutzungs- und einmalige Initialkosten bereits enthalten. Ohne Cloud Computing hätte uns, so schätzt Künzi, allein die Infrastruktur mindestens 8700 Franken gekostet.

In 20 Minuten einsatzbereit

Marcel Richard, CEO der Schweizer Cirrus Group, präsentierte auf dem SAP Public Services Day 2009 in Luzern live das Potenzial von SAP Cloud-Computing-Lösungen. Nach etwa 20 Minuten war ein SAP IDES ERP 6.0 aufgesetzt und für den professionellen Einsatz bereit. Customizing, also die Anpassung an individuelle Kundenbedürfnisse, muss allerdings noch erfolgen. Im Prinzip deklariert man sein SAP-System aber so schnell und bedienerfreundlich wie einen E-Mail-Account.

Möglich machen das öffentliche Templates, also Best-Practices-Vorlagen, die Cirrus für SAP IDES ERP 6.0, SAP ERP 6.0 und den Solution Manager 7.0 bereit stellt. Geplant ist ein zusätzliches Public Template für das SAP Enterprise Portal 7.0. Ausserdem können Kunden private Templates einrichten.

"Eine Cloud-Computing-Lösung unterscheidet sich nicht von einem inhouse betriebenen SAP-System", betont Cirrus-CEO Richard. Qualifizierte Benutzer können auf Register-, Create Platform, Upload Licence, Backup-, Restore- und Restart-Funktionen zugreifen und bemerken keinen Unterschied. Ein Cloud Dashboard sorgt für den Überblick. Die Bedienung erfordere keine technischen Spezialkenntnisse, das können wir bestätigen, sagt BIT-Abteilungsleiter Künzi.

Hybrides Data-Center-Modell

Die in Zürich ansässige Cirrus Group verfolgt dabei ein hybrides Data-Center-Modell. Obwohl Cirrus höchste Sicherheitstsandards einhalte, wie Cirrus-CEO Richard mehrmals betonte, liege der Fokus nicht auf Business-kritischen SAP-Produktivsystemen, sondern auf unkritischen "Wegwerf"-Systemen mit begrenzter Lebensdauer. Dazu zählen beispielsweise Prototypen, Schulungs-, Evaluations-. Test- und Demo-Systeme. Richard sprach an der Live-Demo in Luzern von einer Verfügbarkeit von über 99 Prozent. Für Produktivsysteme ist das aber möglicherweise nicht ausreichend, denn dort hat jede ausgefallene Stunde Geschäftseinbussen zur Folge.

Zurzeit steckt die Cirrus-Lösung noch in der finalen Testphase, Accounts sind daher nur auf Anfrage erhältlich. Im Sommer diesen Jahres will Cirrus SAP Cloud Computing endgültig auf den Markt bringen.

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