IT-Industrie: Sind Sie Leader oder Follower?

IT-Leader sehen sich als Business Partner, die Projekte hauptsächlich unter Kosten- und Effizienzgesichtspunkten betrachten. Allerdings kommen technische Innovationen dabei zu kurz. Welche der beiden Gruppen ist langfristig erfolgreicher und kommt besser durch die Krise?

Unternehmensstrategie der IT-Leader
    

» Von Michael Kurzidim, 26.02.2009 14:04.

Da prallen diametral entgegengesetzte Unternehmensstrategien aufeinander. Welche wird in Zukunft den grössten Geschäftserfolg für sich verbuchen können? IT-Leader definieren sich in erster Linie als Dienstleister des Unternehmens, der für die reibungslose Lieferung von IT zuständig ist. Sie werden von der Geschäftsleitung in zunehmendem Masse als Business Partner wahrgenommen, während die IT-Follower sich vornehmlich als Dienstleister und Treiber technischer Innovationen verstehen. Der Effizienzgedanke ist bei den technikverspielten Followern deutlich weniger präsent als bei den auf Prozess- und Kosten-Effizienz getrimmten Leadern.

So arbeiten die Leader

Damit einher gehen unterschiedliche Strategien, den jeweiligen Fachabteilungen definierte IT-Dienstleistungen bereit zu stellen. Leader erledigen durchschnittlich 30 Prozent der gestellten Aufgaben selbst und lagern den Hauptbatzen, die restlichen 70 Prozent, an Partner und externe Dienstleister aus. Dazu zählen die Software- und Infrastruktur-Entwicklung sowie die Pflege von Anwendungen. 61 Prozent der Leader wollen die Fertigungstiefe ihrer IT-Abteilung sogar noch weiter senken und stehen Outsourcing insgesamt sehr positiv gegenüber.

So denken die Follower

Unternehmensstrategie der Follower
Unternehmensstrategie der Follower
Follower dagegen sehen sich selbst in der Rolle des technischen Innovators, nehmen deshalb rund 70 Prozent der IT-Dienstleistungen selbst in die Hand und geben nur die restlichen 30 Prozent ausser Haus. Follower halten Fremdleistungen in der Regel für überteuert. Sie tragen nicht zur Innovation im Unternehmen bei und bringen auch keinen Mehrwert in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit, so die weit verbreitete Ansicht.

Capgemini befragte im November des vergangenen Jahres 130 Unternehmen in Deutschland (96), Österreich (21) und der Schweiz (13). 34,7 Prozent der Teilnehmer gehören zur Gruppe der Leader, 45,3 Prozent zu den Followern. Die Fraktion der Insourcer, die in den kommenden Jahren ihre Eigenleistung sogar noch erhöhen will, ist mit 5,3 Prozent klar in der Minderheit.

Unternehmensstrategie der Leader
Unternehmensstrategie der Leader
"Erstaunlich ist, das die beiden Hauptgruppen der Leader und Follower quer durch alle Märkte und Branchen gehen", erläutert Eduard Bugelnig, CEO Central & Eastern Europe bei Capgemini, gegenüber Computerworld. Es sind nicht nur kleinere und junge Unternehmen, die durch Outsourcing hohe, belastende Anfangsinvestitionen vermeiden wollen. Die strategische Entscheidung in Richtung Leader oder Follower scheint eher eine Generationenfrage zu sein. Die "Grey Heads" unter den IT-Entscheidern tendieren stärker dazu, alles unter Kontrolle halten zu wollen.

Wettbewerbsfähigkeit & Unternehmenserfolg

Outsourcing, ja oder nein? Die Antwort auf diese Frage beeinflusst die Krisenbewältigungsstrategien der betreffenden Unternehmen. Follower schätzen den Wertbeitrag der IT und ihre Bedeutung für den Erfolg des Unternehmens deutlich höher ein als Leader. Dementsprechend schwer tun sich Follower mit Budget-Kürzungen. Denn dadurch schrumpft das Service-Angebot der IT-Abteilung, was in den Augen der Follower direkt die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens beeinträchtigt.

Leader sehen Budget-Kürzungen wesentlich gelassener entgegen. Sie überlassen Innovationen externen Partnern, was in der Krise ein Kostenvorteil bedeutet. Leader sorgen sich nicht um die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens, sondern eher um die Akzeptanz beim Kunden. Allerdings sehen auch die Leader in IT-Budgetkürzungen eine Gefahr: Wird das Geld knapp und knapper, müssten sie ihren ohnehin schon kleinen Mitarbeiterstamm dauerhaft überlasten.
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