Interview: Das Storage-Netzwerk der Swisscom

Swisscom IT Services hat eine Storage-Lösung von Hitachi Data Systems implementiert. Hitachi-Chef Hubert Yoshida, CTO des Jahres 2006, erklärt exklusiv im Interview mit Computerworld, worauf es bei Storage-Netzwerken ankommt.

Hubert Yoshida, Vice President und CTO von Hitachi Data Systems
  

» Von Michael Kurzidim, 28.05.2009 17:29.

Referenz-Case Swisscom IT Services, die Fakten: Das Datenvolumen der Swisscom-Geschäftseinheit umfasst, Backups ausgenommen, zwei Petabytes, und verdoppelt sich jedes Jahr. Insgesamt lagern auf den Speichermedien zurzeit neun Petabytes - eine riesige Datenmenge. Swisscom IT Services verwaltet 9000 Server, darunter 4000 Blade-Server und 20.000 SAN-Ports.

Hubert Yoshida, Vice President und CTO von Hitachi Data Systems (HDS), erklärt im Gespräch mit Computerworld, warum sich die IT-Service-Geschäftseinheit des Telkoriesen für die Universal Storage Platform und die AMS 500/1000 von Hitachi Data Systems entschieden hat und wodurch sich die Storage-Lösungen des japanischen Unternehmens von denen der Konkurrenz unterscheiden. Yoshida ist Chief Technology Officer des Jahres 2006; sein Blog wurde von Network World als eines der zehn einflussreichsten im Speichermarkt eingestuft.

CW: Herr Yoshida, wo liegen die Stärken der Speicherlösungen von HDS?

Yoshida: Unser neues Midrange-System, die AMS 2000, ist laut SPC-Benchmark das beste seiner Klasse. Das heisst, es bietet nicht nur die beste Performance, sondern auch das beste Preis-Leistungsverhältnis. Das ist im Benchmark des Storage Performance Council bereits enthalten.

CW: Was sind die schlimmsten "Pain Points" der Unternehmen, wenn es um Speicherlösungen geht?

Yoshida: Die operationalen Kosten sind etwa drei- bis viermal so hoch wie die Kosten, die für die Hardware-Ausstattung veranschlagt werden müssen. An dieser Stelle setzen wir an, mit Virtualisierung, Automatisierung,Thin Provisioning und hoher Datenmobilität zwischen den einzelnen Speicherklassen (tiers).

Speicherklassen unterscheiden sich in Perfomance und Kosten. Mit unserer Universal Storage Platform (USP) haben wir die Control Unit von den Speichermedien getrennt. Damit geben wir Unternehmen ein einheitliches Management-System an die Hand, mit dem sie die Speicherlösung von HDS auch durch Fremdprodukte erweitern und "Load Balancing" betreiben können.

CW: Wodurch unterscheiden sich ihre Produkte von denen der Konkurrenz, wie zum Beispiel EMC?

Yoshida: Die Lösungen von EMC - also unter anderem Clariion, Celerra oder Symmetrix - beherrschen natürlich auch Optimierungstechniken wie Deduplizierung oder Virtualisierung, aber nur jeweils unter einem einzelnen System. Stellen Sie sich vor, Sie benötigen zehn zusätzliche Terabyte, und Sie haben insgesamt 60 Terabyte freien Speicherplatz, aber nicht auf der richtigen Maschine. Dann bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als die benötigte Kapazität neu einzukaufen. EMC virtualisiert nur die Speicherkapazitäten der eigenen Storage-Rechner.

Einer unserer Kunden hat beispielsweise unsere Universal Storage Platform eingekauft, um Daten von einer EMC-Maschine auf eine andere zu migrieren. Kurz gefasst: Hitachi-Lösungen funktionieren auch in heterogenen Umgebungen und lassen sich durch Fremdprodukte erweitern, EMC-Appliances arbeiten nur in einem EMC-Umfeld. Ich könnte jetzt noch wesentlich tiefer ins Detail gehen. Wir trennen das Kontroll-System von den Daten und können dadurch dynamisch Konfigurationen ändern und Daten zwischen unterschiedlichen Speichermedien hin und her bewegen. EMC und andere bilden Konfigurationen im Rechner-Cache ab und benutzen binäre Dateien.

CW: Wie profitieren die Swisscom IT Services von diesen Vorteilen?

Yoshida: Durch unsere USP können die Swisscom IT Services zwei Petabyte mit der gleichen Anzahl an Mitarbeitern verwalten, die vor fünf Jahren für 50 Terabyte zuständig war. Die Swisscom-Geschäftseinheit garantiert ihren Kunden eine Speicherkapazität von bis zu fünf Terabyte pro Server - für den nächsten Werktag. Ausserdem ist der Monatspreis pro Gigabyte Speicherplatz über die letzten drei Jahre im Verhältnis 400 zu 150 zurückgegangen.

CW: Welche Rolle messen Sie den superschnellen Solid State Discs (SSD) zu?

Yoshida: Hochperformante und teure SSDs werden nur von einem schmalen Prozentsatz der Produktionsdaten wirklich benötigt. Die viel stärker mit etwa 120 Propzent jährlich wachsende Datenklasse der "Content Data" braucht keine hochperformanten Medien. Dazu gehören zum Beispiel auch E-Mails, die Firmen aus Compliance-Gründen langfristig archivieren müssen.

Um auf der sicheren Seite zu sein, tendieren Unternehmen aber dazu, ihre Storage-Lösungen mit SSDs überauszustatten - eine teure Angelegenheit. Die Preise für SSDs werden zwar in Zukunft sinken, aber zurzeit sind dafür die Handelsvolumina noch zu klein. Zumindest in den nächsten zehn bis 15 Jahren werden SSDs deshalb preiswertere herkömmliche Speichermedien (spinning discs) nicht ersetzen.

CW: Abgesehen von den Swisscom IT Services, welche Schweizer Unternehmen zählen Sie zu Ihren Kunden?

Yoshida: Konkrete Namen und Zahlen möchte ich Ihnen nicht nennen. Zu unseren Kunden zählen jedoch praktisch alle Top-500-Unternehmen der Schweiz. Weltweit halten wir einen Marktanteil von 30 Prozent am Enterprise-Storage-Markt. Mit unserer neuen AMS-2000-Serie adressieren wir jedoch das Midrange-Segment, und da gilt es noch, Boden gut zu machen.

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