Das Duell: Oracle gegen SAP

Oracle bringt Fusion Middleware 11g auf den Markt und treibt dadurch die Integration seiner Produkte weiter voran. Erzrivale SAP muss sich warm anziehen, um nicht kalte Füsse zu bekommen.

Alex Andrianopoulos, Vice President Fusion Middleware: Oracle Antwort aufs Chaos heisst 11g
    

» Von Michael Kurzidim, 06.07.2009 07:23.

Oracle feiert die Markteinführung seiner Fusion Middleware 11g euphorisch als eine der grössten in der Firmengeschichte, und die währt immerhin schon 32 Jahre. Die US-Amerikaner haben in nahezu allen Bereichen nachgelegt, auf die Einhaltung von Standards grossen Wert gelegt und die BEA-Produktpalette integriert. Die IT-Landschaft der letzten Jahre wurde von Spezialisten und miteinander inkompatiblen Systemen regiert, sagte Alex Andrianopoulos, Vice President Oracle Fusion Middleware, auf der Produkteinführung in München. In 90 Prozent aller Support-Anfragen gehe es um Kompatibilitätsprobleme mit den Systemen unterschiedlicher Anbieter. Oracle Antwort auf dieses unproduktive Chaos sei eine offene, integrierte und umfassende Produktpalette (stack of products), und die heisse Fusion Middleware 11g, betonte Andrianopoulos. Dazu gehören unter anderem die SOA Suite 11g mit vereinheitlichtem BPM und Business Activity Monitoring, die besser integrierte WebLogic Suite 11g, Identity Management 11g und die WebCenter Suite 11g mit Lösungen fürs soziale, teamorientierte Netzwerken im Unternehmen.

Oracles Mantra: complete + open + integrated

Anthony Lye, Oracle Senior Vice President: Portabilität für Kunden am Wichtigsten
Anthony Lye, Oracle Senior Vice President: Portabilität für Kunden am Wichtigsten
Offenheit, Vollständigkeit (complete) und Integration, das waren die drei magischen Worte, die Oracle wie ein Mantra wiederholte. Oracle Senior Vice President Anthony Lye zog auf dem Oracle Applications Day in Zürich einen schonungslosen Vergleich mit dem Erzrivalen SAP. "Mit SAPs ERP können und wollen wir nicht konkurrieren", sagte Lye gegenüber Computerworld. Oracle habe aber ab 2004 seine Lösungspalette ständig erweitert und habe infolgedessen in den Bereichen analytische Applikationen, Service Fulfillment, Billing & Revenue Management und Assurance zurzeit die Nase vorn (vergleiche Grafik unten). Bei den Telekommunikationsunternehmen sei Oracle mittlerweile eine Art Standard geworden, betonte Lye.

SAP habe Fett angesetzt und sich zu lange auf seine Trumpfkarte ERP verlassen, betonte auch Ivo Totev, Vorstandsmitglied der Software AG, gegenüber Computerworld. Totev arbeitete von 2003 bis 2004 für die SAP und vertrat das Unternehmen auf internationalen Messen und Entwicklerkonferenzen. Fakt ist: Die Auslieferung der SaaS-Lösung Business ByDesign hat sich wegen Performance-Problemen wieder und wieder verzögert. Der Marktstart ist jetzt zum Ende dieses Jahres anvisiert. Insbesondere die mittlere Management-Ebene der SAP sei zu stark aufgebläht, wodurch die Flexibilität leide, erklärt sich Totev diese und andere Ungeschicktheiten. Mit dem neuen SAP-Chef Leo Apotheker komme aber neuer Wind in die Bude, schätzt er die Situation ein.

"Middleware ist einziges Chaos"

Vergleich mit SAP: Oracle punktet bei analytischen Apps und telco-spezifischen Business-Prozessen
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Mit SAP-Konkurrent Oracle geht Totev allerdings ebenso hart ins Gericht. Oracle Fusion Middleware sei ein einziges Chaos. Einzig wie Oracle die Vielzahl der Produkte ausbalanciere und auf dem Markt umsetze, nötige ihm Respekt ab, sagt der Software-AG-Mann. Technologisch hat demnach SAP immer noch einen respektablen Vorsprung. Gleichwohl sei die Situation für SAP nicht ungefährlich, denn der Cashflow der US-Amerikaner übertreffe den der Walldorfer um ein Vielfaches, betont Totev.

Höchstwahrscheinlich ist es Oracle ja gelungen, mit der neuen Fusion Middleware 11g etwas mehr Ordnung ins Chaos zu bringen. Ein weiterer Pluspunkt kommt hinzu: Mit der Akquise von Sun Microsystems haben sich die US-Amerikaner jede Menge Java-Know-how zugelegt, und Java steht seit jeher für plattformübergreifende Offenheit. Portabilität aber werde von Unternehmen heute hochgeschätzt, betonte auch Oracle-SVP Anthony Lye auf seiner Keynote in Zürich. Für Firmen gibt es kaum etwas Schlimmeres, als durch den berüchtigten "Vendor's lock-in" einem einzigen Anbieter auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein. Viele Schweizer SAP-Kunden mussten im Hickhack um den teuren Enterprise Support diese schmerzhafte Erfahrung in den letzten Monaten zur Genüge machen. The Power and Openness of Java - möglicherweise droht den Walldorfern langfristig von dieser Seite die grösste Gefahr.

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