Chrome OS: Google eine Gefahr für Microsoft?
Mit der Ankündigung von Chrome OS zielt Google auf Microsofts Kerngeschäft - Windows und Office. Aber hat der Internetkrösus tatsächlich das Potenzial, den Redmondern gefährlich zu werden?
Google Chrome OS: Bis jetzt mehr Fragen als Antworten» Von , 10.07.2009 10:58.
Chrome OS ist so, wie sich Anwender ihr Windows immer gewünscht haben: rasend schnell, schön übersichtlich und absolut viren-sicher. Mit sicherem Instinkt bohrt Google damit in den Windows-Wunden vieler Anwender, und greift Microsofts Kerngeschäft frontal an. Die Redmonder haben 2008 mit Windows und Office immerhin 36 Milliarden US-Dollar verdient. Aber hat der Internetkrösus wirklich die Mittel, Microsoft ernsthaft ans Zeug zu flicken?
Misstöne in Microsofts Erfolgssymphonie
Schon die Ankündigung von Chrome OS war eine taktische Glanzleistung, aber auch nicht mehr. Chrome OS sorgt, obwohl noch niemand eine einzige Codezeile zu Gesicht bekommen hat, schon heute für kräftige Misstöne in der Erfolgssymphonie aus Redmond. Denn Microsoft steht unter Druck: Windows Vista floppte, der Nachfolger Windows 7, dessen Marktstart in drei bis vier Monaten erfolgen soll, ist also zum Erfolg verdammt. Ansonsten heisst es möglicherweise bald: bye, bye Windows...
"Besser wäre allerdings gewesen, Google hätte kurz vor dem Marktstart von Windows 7 bereits eine Vorabversion seines Chrome OS bereit gestellt, anstatt es bei vollmundigen Ankündigungen zu belassen", sagt Laurent Lachal, Open-Source-Director bei Ovum. Mit einer lauffähigen Version des neuen Google OS ist frühestens in 18 Monaten zu rechnen. Der Schlüssel zum Erfolg wird eine starke Community rund um Chrome OS sein, denn die soll den Open-Source-Code des neuen Betriebssystems ja ergänzen, debuggen und optimieren. Eine solche aktive Fangemeinde ins Leben zu rufen sei aber eine ziemlich schwierige Angelegenheit, meint Lachal. Sieht die Open-Source-Szene Chrome OS als willkommenen Fahnenträger oder doch eher als Konkurrenz?
Mehr Fragen als Antworten
Chrome OS wirft zurzeit mehr Fragen als Antworten auf. Google wird erklären müssen, wie Chrome OS funktioniert und warum es besser ist als der übliche browserbasierte Zugang zum Web. Eine grosse Herausforderung wird sein, in den nächsten Monaten ein Betriebssystem auf die Beine zustellen, das die Anwender überzeugt. Das besser, schneller und sicherer ist als Windows 7 oder XP. Dabei greift Google auf ein vollfunktionsfähiges OS zurück: Linux. Der Suchmaschinenmonopolist wird in den nächsten Monaten den Linux-Kernel modifizieren, ergänzen und an seine Zwecke anpassen.
Gelingt das gut, dann ist die Strasse zum Erfolg geebnet. Denn ein Argument spricht deutlich für den Herausforderer Google: Chrome OS ist kostenlos, während Microsoft durchschnittlich zwischen 40 Dollar (consumer) und 90 Dollar (business) für sein Windows verlangt. Langfristig kommt es aber auf etwas ganz anderes an. Der springende Punkt sei gar nicht, wie gut Googles neues Netbook-OS später funktioniere, sondern ob es dem Internetkrösus gelingt, eine robusten Partner-Infrastruktur aufzubauen, sagt Charles King, Principal Analyst bei Pund-IT. Ist Chrome OS auf vielen Geräten vorinstalliert, werden es auch viele Anwender benutzen.
Schlüssel zum Erfolg: Partner-Netzwerk
Strategische Partnerschaften sorgen für die nötige Marktdurchdringung. Zwar ist mit den Zusagen von Hewlett-Packard, Acer, Toshiba, Asus, Lenovo und den drei Handy-Chipherstellern Texas Instruments, Qualcomm und Freescale Semiconductor ein guter Anfang geglückt. Trotzdem hat Google auf diesem Feld jede Menge Boden gut zu machen. Microsoft heisst auf seiner weltweiten Partnerkonferenz nächste Woche in New Orleans 7500 Partner willkommen.




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