Vorsicht vor Sicherheitsmythen!

» Von Luca Diggelmann , 19.07.2017 10:23.

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Ich bin vorsichtig

Kommen wir zum Gegenteil von Irrtum 1. Und auch hier funktioniert der Velohelmvergleich wieder. Ja, wenn Sie ganz vorsichtig fahren, bauen Sie wahrscheinlich keinen Selbstunfall, bei dem ein Helm nützlich gewesen wäre. Allerdings kann Sie immer noch ein anderer Verkehrsteilnehmer in einen Unfall verwickeln.

Ähnlich funktioniert das mit der Antiviren-Software. Wenn Sie den ganzen Tag nur auf Wikipedia sind und sich dort jedes Mal doppelt vergewissern, dass ein weiterführender Link wirklich sicher ist, haben Sie wenig Bedarf für Antimalware-Software. Eine Gefahr besteht jedoch trotzdem. Beispielsweise über infizierte Werbung auf sonst sicheren Websites. Immer mehr Kriminelle schleusen zudem heimlich Schadcode auf prominenten Websites ein. Ein weiterer Angriffspunkt sind unvorsichtige Freunde, die verseuchte Dateien weiterleiten. Auch ein eigener Fehlklick kann zum Verhängnis werden. Fehler passieren und einmal falsch klicken, geht sehr schnell.

Ich verwende Linux/macOS

Auch für Linux und macOS ist Malware im Umlauf – weniger als für Windows, aber es gibt sie. Gerade macOS wird mit der heute grösseren Beliebtheit von MacBooks ein immer attraktiveres Angriffsziel, unter anderem auch wegen der laschen Sicherheitsvorkehrungen einiger Nutzer. Die unterschiedlichen Distributionen von Linux sind wahrscheinlich am sichersten. Aber auch dort gibt es genügend Gefahren, die einen Schutz sinnvoll machen; besonders für weniger geübte Nutzer. Dann wären da noch Angriffe, die nicht auf Software basieren. Phishing beispielsweise funktioniert auf allen Betriebssystemen gleich.

Mein IT-Experte macht das

Ein klassischer Fehler, der besonders von Unternehmen gemacht wird. Meistens verknüpft mit Irrtum 2 («Ich schütze mich»). Der IT-Experte installiert eine Ladung Software und verwaltet diese. Die Nutzer wiegen sich in vollständiger Sicherheit und ignorieren sämtliche Warnsignale in der Annahme, dass die IT das schon schaukelt. Aber man kann auch noch auf die Schnauze fliegen, wenn das Mami Helm, Schoner und Stützrädli montiert hat, vor allem, wenn man nicht aufpasst. Verlassen Sie sich nicht komplett auf Dritte. Wie schon bei der Antiviren-Software gilt das auch für die IT-Abteilung oder den Freund, der sich ja so gut damit auskennt. Am Ende freuen sich nicht nur die Verantwortlichen, wenn Sie selbst für mehr Sicherheit im Büro oder zu Hause sorgen.

Da kann man nichts machen

Keine Lösung ist es, von Anfang an die Flinte ins Korn zu werfen. Ja, es wird nie hundertprozentige Sicherheit geben – weder in der richtigen noch in der digitalen Welt. Das heisst aber nicht, dass man sich dem unweigerlichen Hack oder Virenbefall ergeben muss. Mit einem soliden System von Software, Vernunft und Fachwissen kommt man schon sehr weit und bleibt vielleicht sogar das ganze Leben lang verschont. Um ein letztes Mal auf Velotour zu gehen: Komplett auf das Velo zu verzichten, wäre ja auch schade, obwohl sicher schon jeder mal umgefallen ist. Vor allem, wenn es genügend Möglichkeiten gibt, das Fahren sicherer zu gestalten.

Schlusstipp

Die Kombi zählt. In Sachen Sicherheit ist es meistens die Kombination verschiedener Faktoren, die am Ende den Unterschied ausmacht. Eine Software alleine genügt nicht. Vorsicht alleine genügt nicht. Fachwissen alleine genügt nicht. Eine Kombination dieser drei Faktoren führt schon sehr weit. Ziehen Sie alle Register. Informieren Sie sich bewusst zum Thema und bleiben Sie auf dem aktuellen Stand.

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