ETH-Security-Professor: «Es ist immer ein Kompromiss»

» Von Felix Würsten, ETH News, 24.07.2017 14:39.

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Ein anderes Thema, das die Öffentlichkeit gegenwärtig stark interessiert, ist die Frage, ob Cyber-Attacken unsere Demokratie unterwandern. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Problematisch ist nicht nur, dass Wahlen manipuliert werden könnten, sondern auch, dass die Menschen das Vertrauen in die demokratischen Prozesse verlieren könnten. Die Post entwickelt gegenwärtig ein E-Voting-System für die Schweiz. Man kann zwar zeigen, dass dieses System kryptografisch sicher ist. Aber was kann jemand, der mit Kryptografie nicht vertraut ist, mit dieser Information anfangen? Wie überzeugt man die Menschen, dass bei einer Abstimmung oder Wahl alles mit rechten Dingen zuging? Das ist ein spannendes Thema, über das ich im Moment viel nachdenke.

Vor kurzem fand an der ETH der Cyber Risk Summit statt, der vom Zurich Information Security and Privacy Center (ZISC) organisiert wurde. Was ist Ihr Fazit?

Ich bin erfreut, dass wir auf eine so grosse Resonanz stiessen. Der Anlass bestätigte auch, dass wir in diesem Bereich an der ETH nicht nur in der Forschung stark sind, sondern dass auch unsere Lehre eine grosse Wirkung hat. Viele unserer Studierenden ihre eigene Firma gründen. Darauf sollten wir stolz sein, denn es zeigt, dass die ETH vieles richtig macht.

Wie wird sich das ZISC in den nächsten Jahren entwickeln?

Wir wollen das Zentrum ausbauen. Kürzlich konnten wir weitere Partner gewinnen, beispielsweise die Post, die Zürcher Kantonalbank oder die Versicherungsgesellschaft Zurich. Bemerkenswert ist, dass wir auch mit Firmen, die in einem traditionellen Geschäftsbereich tätig sind, spannende Projekte realisieren können. Denn auch diese Firmen erleben durch die Digitalisierung einen rasanten Wandel – mit entsprechenden neuen Herausforderungen im Bereich Informationssicherheit.

Die Forschung am ZISC orientiert sich also stark an konkreten Problemen?

Nicht nur. Wir machen auch Grundlagenforschung, indem wir aus Neugier Sachen ausprobieren, ohne im Vornherein zu wissen, ob das funktionieren wird. Dieser Teil ist sehr wichtig für uns.

 

Zur Person

Srdjan Capkun ist Professor für Informationssicherheit und Direktor des Zurich Information Security Center (ZISC) an der ETH Zürich. In seiner Forschung befasst er sich schwergewichtig mit dem Entwurf und der Analyse von Sicherheitsprotokollen für Funk- und Festnetze.

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