Daten und Zugänge biometrisch sichern

» Von Oliver Ehm, «com-magazin», 07.09.2015 15:30.

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Die Verfahren zur biometrischen Identifikation

Die biometrischen Identifikationsverfahren lassen sich grob in die Erkennungsmethoden Fingerabdruck, Handgeometrie, Venenerkennung, Iriserkennung, Gesichtserkennung und Spracherkennung unterteilen.

Welches Verfahren eingesetzt wird, hängt unter anderem vom gewünschten Sicherheitsniveau ab. So wird beispielsweise ein Fussballverein oder ein Zoo für die Identifikation seiner Jahreskartenbesitzer eine andere Methode wählen als eine Bank, ein Forschungslabor oder ein Rechenzentrum. Die Anwendung, die Umgebung und das Sicherheitsniveau bestimmen das Verfahren.

Fingerabdruck: Scanner von Fingerabdrücken eignen sich nur für saubere Umgebungen, da verschmutzte Hände oder eine verstaubte Sensoroberfläche das Scan-Ergebnis negativ beeinflussen können und so keine Übereinstimmung mit den hinterlegten Merkmalen erreicht wird.

Handgeometrie: Diese Erkennungsmethode ist auch für Werkstattumgebungen geeignet, da hier die Verschmutzung nicht ins Gewicht fällt. Eine verschmutzte Hand weist die gleichen Proportionen auf wie eine frisch gewaschene Hand. Ein typisches Einsatzgebiet für die Handgeometrie-Erkennung ist die Arbeitszeiterfassung.

Venenerkennung: Diese Methode gilt als eine der sichersten, da das Venenmuster eines Menschen einzigartig ist und sich im Lauf der Zeit auch fast nicht verändert. Da die Erkennung berührungslos stattfindet, lässt sich diese Methode sehr vielfältig und in unterschiedlichen Bereichen ein­setzen. Fujitsu beispielsweise hat auf der «CeBIT 2015» seine Venen­erkennung mit dem System «PalmSecure» an Notebooks oder bei Zugangsschleusen für ein Rechenzentrum demonstriert.

Die Venenerkennung lässt sich auch mit einzelnen Fingern einer Hand durchführen, häufig ist dann von Adern­erkennung die Rede. Dazu sind spezielle Fingerscanner notwendig, etwa der «Lumidigm-V-Series»-Fingerabdrucksensor. Die Fingerscanner arbeiten wie die Venenerkennung mit Infrarotlicht, um die Adern zu erkennen. Solche Sensoren werden aktuell an mehr als 100'000 Geldautomaten in Brasilien eingesetzt. Amerikanische Krankenhäuser verwenden sie als Zugriffskontrolle für Medikamentenschränke.

Iris-, Retina- und 3D-Gesichtserkennung: Diese Techniken zählen ebenfalls zu den sichersten biometrischen Verfahren. Sie kommen meist im Bereich der Hochsicherheit zum Einsatz, also beispielsweise in Forschungslaboren, Banken oder Rechenzentren. Als Vorteil dieser Techniken gilt die geringe «False Acceptance Rate» (FAR).

Spracherkennung: Diese biometrische Methode nutzt man für den Zugang zu IT-Systemen, für Telefonbanking oder im Umfeld von Callcentern für das Zurücksetzen von Passwörtern. Im Unterschied zu den anderen Verfahren benötigt die Spracherkennung keine eigene Hardware. Tastatur und Telefon genügen. Im praktischen Einsatz befindet sich das System beispielsweise in einem internen Sprachportal der Volksfürsorge. Aussendienstmitarbeiter erhalten dort nach erfolgter Authentifizierung telefonisch den Zugriff auf Adressdaten. Bei Volkswagen Financial Services und der Deutschen Post regelt das System den telefonischen Passwort-Reset. Weitere Anwendungen gibt es bei der Allianz, der HypoVereinsbank, Michelin und O2.

Eine Übersicht über bereits durchgeführte Biometrie-Projekte im privaten, unternehmerischen oder öffentlichen Raum bietet eine Broschüre, die der Branchenverband Bitkom he­rausgegeben hat. Man findet sie auf der Website des Verbands unter dem Stichwort «Biometrie».

Lesen Sie auf der nächsten Seite: «Biometrische Merkmale sind nicht perfekt»

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