Wie beim Umzug: Man sollte aufräumen, bevor man zügelt

Die Agenda von PostFinance-CIO Markus Fuhrer ist proppenvoll: Die Umstrukturierung der IT, Mobile Payment, Harmonisierung des Zahlungsverkehrs, Digitalisierung und noch die Umstellung des Kernbankensystems. Wie macht er das?

» Von Barbara Mooser & Mark Schröder, 30.06.2017 15:20.

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Computerworld: Sie arbeiten derzeit an sehr vielen Baustellen gleichzeitig. Wie priorisieren Sie?

Markus Fuhrer: Wenn so viele Aufgaben gleichzeitig zu erledigen sind, muss jeder im Team von Anfang an begreifen, wohin der Weg führt. Ich habe das gemeinsame Ziel immer wieder erklärt, was den Teamspirit für das Erreichen grosser Ziele gestärkt hat.

CW: Was ist denn das grosse Ziel?

Markus Fuhrer: (hebt ein Schaubild hoch) Sehen Sie, wir kommen aus einer sehr heterogenen, über die Jahre gewachsenen IT-Landschaft mit einem schwerfälligen Konzept von zwei Releases pro Jahr. Der Markt spielt aber heute an einem ganz anderen Ort. Damit wir Geschwindigkeit aufnehmen können, müssen wir zuallererst die IT-Architektur aufräumen und unser Kernbankensystem erneuern. Das ist gegenwärtig unser grösstes und wichtigstes Projekt – es heisst bei uns Core Banking Transformation, CBT. Erst dann sind wir bereit für die Digitalisierung und für das Digital Powerhouse, zu dem wir Post- Finance entwickeln wollen. Dieses Bild habe ich schon 2013 gezeichnet, aber es gilt nach wie vor. Ich kann unseren Mitarbeitern darauf unseren Weg erklären, damit sie ihn verstehen und mitgehen. Neue Technologien und Methoden in Ehren, sie sind vorhanden und etabliert – viel wichtiger ist, dass die Leute sich als Teil der Lösung unserer Herausforderungen verstehen.

CW: Zeigen Sie doch, wo Sie aktuell stehen, vor oder nach dem Punkt Harmonisierung des Zahlungsverkehrs …

Fuhrer: Seit Anfang 2016 ist alles für den neuen Zahlungsstandard ISO 20022 bereit. Wir begleiten unsere Kunden bei der Umstellung auf die neuen Formate – teilweise seit mehr als einem Jahr. Aktuell beschäftigt uns die letzte Etappe der Überführung des Kernbankensystems. An Ostern 2018 führen wir es ein. Wir stehen also zwischen der Harmonisierung und dem Go Live des neuen Kernbankensystems.

CW: Nochmal zurück zur Eingangsfrage: Sie haben jede Menge Baustellen, wie priorisieren Sie?

Fuhrer: Klare Priorität hat die Erneuerung des Kernbankensystems. Wir haben einige Lehren aus Grossprojekten anderer Firmen gezogen. Häufig werden solche Projekte aufgegleist und dann beim Marketing- oder IT-Chef platziert. Bei uns ist der CEO Hansruedi Köng Vorsitzender des Steuerungsausschusses. Er schaut sich jeden Monat mit der gesamten Geschäftsleitung die aktuellen Themen an und stellt, wenn nötig, auch mal etwas hintan. Wichtig sind ausserdem strategische Partnerschaften, denn ein Projekt dieser Grösse könnten wir nicht alleine stemmen. Dabei muss PostFinance im Lead bleiben und darf sich nicht verzetteln. Bei Grossvorhaben vergleichbarer Unternehmen sind bis zu 300 Firmen dabei – wir haben drei bis vier Haupt-Player.

CW: Wer denn?

Fuhrer: Zum Beispiel Accenture, die uns seit 2013 bei CBT beraten. Wir wollten dafür von Anfang an deren A-Team. Damals hat der Verwaltungsrat gefragt: Können wir das bezahlen? Mein Argument: Wenn das Grossprojekt mit dem A-Team ein Jahr früher fertig wird, lohnt sich diese Investition. Das Accenture-Team hat in Deutschland schon eine ähnliche Transformation durchgeführt. Unsere Projektmaschine ist auf kleinere und mittlere Projekte eingestellt, ab und zu bewältigen wir auch etwas Grösseres. Aber für ein so gigantisches Vorhaben brauchen wir Leute, die das schon einmal gemacht haben.

Zur Person

Markus Fuhrer
Der Wirtschaftsinforma­tiker hat ein Advanced Management Diplom in Unternehmensführung und ist seit 27 Jahren bei PostFinance in den unterschiedlichsten IT- und Führungspositionen tätig. Ab 2013 übernahm er als «Leiter Core Banking Transformation» die Erneuerung des Kernbankensystems. Seit September 2014 ist Markus Fuhrer CIO und Mitglied der Geschäftsleitung. Ab Juli 2017 werden die beiden Abteilungen IT und Operations zusammen­gelegt. Markus Fuhrer ist dann als «Leiter IT und Operations» sowohl CIO als auch COO und damit Chef der gesamten «Delivery Factory» von PostFinance.

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