«Dass es nicht einfach und auch stressig ist, gehört zum Job»

Die IT der Schweizerischen Arbeitslosenkasse hat vor allem mit gescheiterten Projekten und einem Korruptionsfall Schlagzeilen gemacht. Christian Hürlimann, seit bald zwei Jahren CIO, erklärt, wie er das havarierte Schiff wieder hochseetauglich machen will.

» Von Luca Perler & Barbara Mooser, 21.07.2017 10:45.

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Computerworld: Als Sie bei der Arbeitslosenversicherung als CIO eingestiegen sind, muss sich das doch so ähnlich angefühlt haben, wie wenn Sie vom Kapitän der Costa Concordia das Ruder hätten übernehmen müssen?

Christian Hürlimann: Nein, im Gegenteil. Für mich war die Situation sehr angenehm. Nach dem Korruptionsfall im Jahr 2014 war intern die Verunsicherung allerdings erst sehr gross. Wie Sie wissen, wurde ein Ressortleiter aus seiner Funktion enthoben und der CEO trat in den Ausstand. Schwierig war die Situation vor allem, weil man zunächst nicht wusste, mit wem noch legal geschäftet wurde und mit wem nicht. Mein Vorgänger hielt den Betrieb mit seiner Mannschaft für unsere 6000 User im Anschluss jedoch stets aufrecht. In Anbetracht der Umstände war das eine absolute Top-Leistung.

CW: Welche Situation haben Sie vorgefunden?

Hürlimann: Rückblickend hatten und haben wir einen Projekt- und Entwicklungsstau. Der Change-Teil der IT stand nach diesem Vorfall praktisch still. In der Informatikabteilung machte man das Minimum und setzte den Schwerpunkt darauf, den Betrieb am Leben zu erhalten.

CW: Wie ist dann Ihr Amtsantritt verlaufen?

Hürlimann: Sehr komfortabel. Dank des externen CIOs, der die Abteilung vor mir ad interim während rund neun Monaten geleitet hatte, war die Situation deutlich ruhiger als zuvor. Wir hatten danach eine gemeinsame Übergangszeit und nach einem Monat konnte ich das Schiff von meinem Vorgänger übernehmen. Zwei Monate lang war er noch in einem reduzierten Pensum verfügbar und führte etwa die Mitarbeitergespräche, weil ich das Team zu diesem Zeitpunkt schlichtweg noch nicht gut genug kannte.

CW: In welchen Bereichen wurden Sie da am meisten gefordert?

Hürlimann: Die grosse Herausforderung war zu definieren, wo die Reise hinführt, den Kurs anzupassen und sicher­zustellen, dass das Schiff Fahrt aufnimmt. Sehr positiv fand ich dabei, dass alle sehnsüchtig auf jemanden gewartet haben, der mit ihnen eine richtige Vision entwickelt und die Projekte angeht, auf welche die Anwender schon lange gewartet haben.

CW: Sind Sie also geholt worden, um zu reorganisieren und zu restrukturieren?

Hürlimann: Nein, eine Reorganisation wurde bereits 2014 angedacht und konzeptioniert. Auf Anfang März 2015 ging diese live und wurde umgesetzt – etwa zu dieser Zeit wurde meine Stelle ausgeschrieben.

Dieser Artikel ist im Rahmen der Computerworld-Spezialausgabe «Swiss CIO» erschienen. Mehr zum Inhalt des Sonderhefts und zur Bestellung von Einzelausgaben geht's hier.

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