Koordinationsbedarf: Arbeitsplatzorganisation in Zeiten der Digitalisierung

» Von Michael Küng*, 01.05.2017 07:00.

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Die Mischung machts

Lässt eine Führungsperson ihr Team mobil arbeiten, können sich daraus grosse Veränderungen ergeben, sagt Katrina Welge: «Termine ergeben sich nicht mehr so spontan wie im Präsenzmodell, es muss mehr geplant werden.» Aus­serdem verändert sich der Charakter des Aufenthalts in der Firma: «Im Büro trifft man sich mehr für den sozialen Austausch und die eigentlichen Leistungen werden an diversen anderen Orten erbracht.»

In solchen Situationen müssten sich z. B. Teamleiter Gedanken darüber machen, wie sie ihre Leute zu einem gemeinsamen Termin ins Büro bekommen. «Oft gelingt es besser, die Angestellten mit sozialen Anlässen zu locken anstelle von Sitzungen zu Unternehmensthemen.» Auf Teamebene müssten zudem zahlreiche Einzelheiten geklärt werden: Ist es etwa okay, spätabends zu Hause noch Mails zu schreiben? Ein bis drei Tage Home Office pro Woche steigerten die Produktivität und Motivation von Mitarbeitenden und geben dem Unternehmen die Möglichkeit zur Einsparung von Büroflächen, sagte der Arbeitspsychologe Hartmut Schulze, Wenges Institutsleiter an der FHNW, in einem Interview im SRF. Nach spätestens zwei bis drei Arbeits­tagen wünschten sich die Angestellten meist wieder einen persönlichen Kontakt zu Kollegen und Vorgesetzten. Der regelmässig wiederkehrende Kontakt zu Mitarbeitern fördert die Koordination und dient dem sozialen Miteinander.

Work-Life-Balance

Wie sehen die praktischen Erfahrungen mit Home Office aus? Darüber berichtet uns ein Projektmanager im Bereich Software-Outsourcing, der seinen Namen und Arbeitgeber nicht öffentlich machen möchte. Je nach Projekt arbeitet er bei Kunden, im Unternehmenssitz oder auch mehrere Wochen am Stück zu Hause. Er kennt neben den vielen Vorteilen auch die negativen Seiten vom Home Office: Ohne persönlichen Kontakt verwendet er überdurchschnittlich viel Zeit auf die Koordination mit den Kollegen im Büro. Im Unternehmen fällt es ihm ausserdem leichter, die Balance zu wahren und sich auch in stressigen Zeiten gegen 19:00 Uhr zu verabschieden. Zu Hause ist die Verlockung grösser, hier und dort noch etwas zu erledigen. Dort arbeitet er mehr, auch weil die Work-Life-Balance im Home Office selbst mit Überstunden in einem durchaus zufriedenstellenden Gleichgewicht bleiben kann. Zu Hause spart er sich nicht nur die Zeit für den Arbeitsweg, sondern auch den Aufwand für den gepflegten Auftritt, den sein Job verlangt. Ideal seien für ihn zwei bis drei Home-Office-Tage pro Woche. Für die verschiedenen Grossraumbüros, in denen er sonst arbeitet, wünscht er sich das, was er zu Hause hat: «Ich will Rückzugsmöglichkeiten, um mich für konzentriertes Arbeiten auch einmal abschotten zu können.»

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