IPv6 now!
Die letzten IPv4-Adressen sind verteilt. Wer künftig noch global kommunizieren will, muss IPv6 lernen. Mit etwas Effort ist das gar nicht so schwierig. Besser man bemüht sich jetzt darum, denn NAT als Workaround taugt nicht.
Foto: © Andre Bonn / Fotolia.de» Von , 22.04.2011 06:00.
Der Autor ist Gründer und CTO des Internetproviders und Carriers Init7
Der 3. Februar 2011 war ein historischer Tag für das Internet. An diesem Tag vergab die Internet Assigned Numbers Authority, kurz IANA, die letzten IPv4-Adressblöcke an die fünf regionalen Internet Registries. Der Song «It’s the End of the World as We Know It (And I Feel Fine)» von R.E.M. wand sich an diesem Tag durch meine Gehörgänge. Doch fühlen wir uns wirklich gut? Der Adressraum geht zur Neige und noch immer gibt es Milliarden Menschen auf diesem Planeten ohne Anschluss ans globale Kommunikationsnetz.
«So what? Ich habe genügend IPv4-Adressen gehortet, die für meinen Bedarf noch bis in ferne Zukunft ausreichend sein werden», lautet eine weit verbreitete Reaktion in den Unternehmen. Doch für eine funktionierende Kommunikation braucht es immer zwei Partner, und wenn der eine keine IPv4-Adresse mehr bekommt, kann die Kommunikation nicht stattfinden. Die Befürchtung, dass schon in einigen Monaten – also noch 2011 – Teilnehmer des Internets keine IPv4-Adresse mehr bekommen, ist real. Im APNIC-Raum, dem Gebiet, in dem das «Asia-Pacific Network Information Center» die regionalen Adressen vergibt, ist der aktuelle Verbrauch an Adressen enorm hoch. Man liest fast monatlich von Millionen Adress-Assignments an China Telecom für eine chinesische Provinz, deren Namen man noch nie gehört hat, geschweige denn wüsste, wo sie liegt.
Das Internet wird grösser
Der 4 Milliarden grosse Adressraum von IPv4 ist also viel zu knapp bemessen, das wurde bereits früh erkannt. Die Definition von IPv6 (eine
Adresse mit 128 Bit gegenüber den 32 Bit von IPv4) geht zurück auf das Jahr 1998. Doch damals hat sich kaum jemand dafür interessiert. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen. «Wer braucht schon 128 Bit? Die Adressierung wird nur komplizierter», so die vorherrschende Meinung damals.
Tatsache ist, dass IPv4 und IPv6 nicht kompatibel sind. Das ist wie Chinesisch und Spanisch: Ohne «dualstack», also Geräte, die beide Versionen verstehen, gibt es keine Chance, einander zu verstehen. Zwischen IPv4 und IPv6 existiert zudem keine skalierbare Übersetzungsfunktion. Zwar wurden immer wieder Anstrengungen unternommen und Konzepte entwickelt wie NAT-PT und 6-to-4, aber richtig überzeugen kann keines. Will man also weiterhin mit jedermann optimal kommunizieren können, muss man zwangsläufig die Sprache «IPv6» erlernen.



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