Ab in die Cloud: Ringiers Deal mit Google
Ringier gehört zu den ersten Schweizer Unternehmen, die im grossen Stil auf die Cloud setzen. Samuel Hügli, CFO von Ringier, erklärt, weshalb er diesen Schritt wagte.
» Von , 03.09.2010 06:00.
Oliver Staffelbach ist auf IT-Recht spezialisierter Rechtsanwalt bei Wenger & Vieli aus Zürich und schreibt in der Computerworld regelmässig über Rechtsfragen
Bis Oktober soll der Rollout der Google Apps im Ringier-Konzern vollzogen sein (Computerworld berichtete). Das Medienunternehmen lässt dann seine gesamte Kommunikation bei Google hosten und archivieren. Warum? Samuel Hügli, CFO und Leiter Corporate Center beim Ringier-Konzern, spricht mit Computerworld über die Hintergründe der Entscheidung und die kritischen Punkte, die es beim Abschluss von Cloud-Verträgen zu beachten gilt.
Computerworld: Was genau hat Ringier in die Cloud ausgelagert?
Hügli: Bis heute hat Ringier primär E-Mail- und Kalendersysteme in die Cloud ausgelagert. Die nächsten Projekte betreffen Google Sites, also den Webseitenbaukasten sowie Google Text & Tabellen. Ausserdem werden wir voraussichtlich noch im Verlauf dieses Jahres die Video Conferencing Services und Screensharing-Tools von Google nutzen können. Damit kann zum Beispiel weltweit gemeinsam an Präsentationen gearbeitet werden. Unser Ziel ist, dass unsere Mitarbeiter künftig gemeinsam Dokumente in der Cloud bearbeiten können. Nächstes Jahr wird es vor allem im Mobiltelefonbereich ein paar Innovationen bei Google geben, die wir nutzen möchten. Es ist beeindruckend, wie schnell Google neue Anwendungen bereitstellt.
Welche ausgelagerten Leistungen würden Sie als geschäftskritisch bezeichnen?
Geschäftskritisch ist heute vor allem das E-Mail-System. Aber auch ein Ausfall der Kalenderfunktion von mehr als einem Tag oder des Archivierungssystems während längerer Zeit wäre sehr geschäftskritisch. Das Wichtigste für ein Medienhaus sind jedoch die redaktionellen Systeme und die Produktionssysteme - und die haben wir nicht ausgelagert.
Auch wenn das Mailsystem ausfällt, ist das schon eine mittlere Katastrophe. Wie sichern Sie sich gegenüber Google dagegen ab?
Google garantiert mir eine Verfügbarkeit für alle Applikationen von 99,99 Prozent pro Jahr. Würden die entsprechenden Leistungen auf internen Systemen basieren, wäre für ein Unternehmen unserer Grösse nur eine Verfügbarkeit von 99,9 Prozent pro Jahr realistisch. Das Hauptrisiko liegt gar nicht bei Google, sondern bei der weltweiten Internetinfrastruktur als solcher. Vor hundert Jahren hatte noch jedes grössere Unternehmen seinen eigenen Stromgenerator. So wie man heute darauf vertraut, dass Strom immer verfügbar ist, vertrauen wir darauf, dass die Internetstruktur dauerhaft funktioniert.
Und was passiert, wenn Google die garantierten Service Levels nicht einhält?
Für uns stand diese Frage nie im Vordergrund. Wichtiger war uns, dass ein öffentlich über eine Webseite von Google zugänglicher Statusreport genau aufzeigt, welche Services von Google verfügbar sind, wie die Systeme performen und für wie lange gewisse Services allenfalls ausgefallen sind. Das ist die Art von Transparenz, die ich erwarte.
Wie sieht aber nun das Haftungsregime in den Verträgen mit Google aus?
Google haftet bei verschuldeten Schäden in einem industrieüblichen Umfang.
Bestehen sinnvolle Regelungen über Business Continuity, Eskalationsverfahren und Notfallmanagement?
Derartige Regelungen bestehen in der Tat. Hervorzuheben ist, dass wir bei Google gegen eine Zusatzentschädigung eine Ansprechperson definiert haben, die im Falle einer Eskalation unsererseits in technischer Hinsicht alles Erforderliche vorkehren kann. Darüber hinaus ist auch eine Eskalation auf Managementstufe möglich. Wie mit unseren anderen Lieferanten versuchen wir, mit Google eine partnerschaftliche Beziehung zu pflegen. Auf der Managementebene sitzen wir mehrere Male pro Jahr zusammen und informieren uns gegenseitig über wichtige Vorkommnisse. Wir fühlen uns gut versorgt.
Wo werden die Daten eigentlich gespeichert?
Die Daten sind in eigenen Datencentern von Google gespeichert. Google hat uns vertraglich zugesichert, dass diese Datencenter ausschliesslich in Europa stehen. Wir konnten sogar definieren, in welchen Ländern die Daten gehostet werden. Wir gehen allerdings davon aus, dass dies ein Privileg von Ringier als grösseres Unternehmen und Kunde von Google in einer sehr frühen Phase war. Aufgrund der Art und Weise, wie Google mit den Daten umgeht und wie die Daten verschlüsselt werden, ist es aber meines Erachtens aus Gründen der Datensicherheit gar nicht entscheidend, wo Google die Daten speichert.



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