Outsourcing-Modelle der Finanzindustrie

Tiefere Kosten sind das beste Argument für Outsourcing. Das gilt auch für Finanzinstitute. Die Unternehmen haben aber noch andere überzeugende Gründe.

» Von Mark Schröder , 17.11.2014 09:36.

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Banken und Finanzdienstleister stehen am Scheideweg: Entweder sie verkommen zu reinen Transaktionsinstituten oder sie wandeln sich zum Mittelpunkt ihrer Kunden. Diese zwei sicherlich überzeichneten Extreme definiert Frederic Brunier vom Beratungsunternehmen Accenture als Szenarien für das Bankengeschäft der Zukunft. Die Schweizer Finanzdienstleister haben begonnen zu handeln: Um relevant für ihre Kunden zu bleiben, setzen kleine wie grosse Privat-, Retail- und Universalbanken vermehrt auf Outsourcing. Die Gründe und Ausprägungen dabei sind mannigfaltig. Vielerorts werden die Outsourcing-Entscheide jedoch durch all­gemeine Entwicklungen der Branche getrieben, darunter der Kostendruck durch sinkende Margen, die immerzu strikteren Regulierungsvorschriften und der härtere Wettbewerb.

Kosten sparen

Das auf den ersten Blick beste Argument für Outsourcing sind natürlich die Einsparungen. «Wenn eine Bank konsequent auslagert und darunter eine Plattform hat, die der Provider mitgestalten kann, um Prozesse zu optimieren, rechnen wir mit Einsparungen von 20 bis 30 Prozent», erklärt Oliver Kutsch, Operativer Leiter des Geschäftsbereich Banking bei der Swisscom. Der Schweizer ICT-Marktführer übernimmt für knapp 100 Banken grosse Teile der IT und wickelt Geschäftsprozesse im Bereich Zahlungsverkehr oder Wertschriftengeschäft für sie ab. So arbeitet die Swisscom aktuell z.B. mit der Zürcher Kantonalbank an der Auslagerung des Zahlungsverkehrs, die Zuger Kantonalbank bezieht die gesamte IT sowie das Valorendatenmanagement vom Telco-Konzern und die Clientis-Banken die Kundenberatungslösung eVoja.

Auf Business Process Outsourcing (BPO) spezialisiert ist B-Source. Das Unternehmen zählt derzeit 25 Banken zu seinen Kunden. CEO Markus Gröninger erklärt, dass der Provider in diesem Umfeld eine leistungsfähige, skalierbare und standardisierte Infrastruktur besitzen muss. «Nur bei grösstmöglichen Volumen entstehen Skaleneffekte und daraus resultierende Kostenvorteile», betont er. B-Source verwaltet Aufträge mit einem Gesamtvolumen von über 220 Milliarden Franken Vermögen. In solche Grössenordnungen stosse ein kleiner Outsourcer gar nicht vor, führt er aus. Allerdings seien nur so maximale Einsparungen möglich: «Für Banken ist BPO nur attraktiv, wenn sie mindestens 30 Prozent sparen können», so Gröninger.

Abgesehen von direkten Kostenvortei­len profitieren Finanzdienstleister vom Outsourcing, indem sie sozusagen beigeordnete Skaleneffekte nutzen. «Für IT-Mitarbeiter und Support müssten wir, verglichen mit den Fixkosten des Outsourcing-Anbieters, das Zwei- bis Dreifache ausgeben», rechnet Damian Tobler, COO des Finanzdienstleisters FinOps, vor. «Auch könnten wir uns ein eigenes Rechen­zentrum inklusive Ausfallsicherung schlicht nicht leisten.» FinOps ist Kunde von iSource, die für den Betrieb der gesamten IT-Infrastruktur verantwortlich zeichnet. Laut Tobler geht das Outsourcing aber über den Betrieb hinaus: Auch der Einkauf neuer Hard- und Software werde vom Dienstleister erledigt. Hier wähnt der COO ebenfalls noch Sparpotenzial: «Das Preisgebaren der Grossen wie Microsoft und Oracle hat auf den ausgelagerten Betrieb keinen direkten Einfluss mehr. Hier können wir von der Einkaufsmacht des Sourcing-Anbieters profi­tieren – und durch grössere Volumen günstiger beschaffen», meint Tobler.

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