IT-Outsourcing: Was bringen die Externen wirklich?

» Von Fabian Vogt*, 20.04.2017 06:45.

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Überzogene Erwartungen

Anders als früher haben KMU heute kaum noch Bedenken, Teile ihrer IT in die Cloud zu stellen. Zu verlockend ist es, unbeliebte Arbeiten einem kompetenten Partner abzugeben und stattdessen auf die Kernkompetenzen zu fokussieren. Doch dabei bleibt es nicht. Mit der Zeit wird vom Outsourcing-Partner nicht nur erwartet, dass er effizienter und günstiger ist, sondern auch innovativer. Plötzlich werden Anforderungen gestellt, die bei Vertragsbeginn nicht ausgemacht waren. Der Outsourcer hat aber den Auftrag, Kosten zu sparen und wird deshalb nicht innovieren, sondern optimieren. Entsprechend werden die Manager unzufrieden, die sich mehr von der Partnerschaft erhofften.

Outsourcing-Probleme sind fast immer auf Kommunikationsprobleme zurückzuführen, die aus schlecht durchdachten Sourcing-Strategien entstehen. Entweder definiert der Auftraggeber seine Ziele nicht genau genug oder der Auftragnehmer erklärt nicht, welche Erwartungen realistisch sind und welche nicht. So ist es beispielsweise Unsinn zu denken, Outsourcing senke die Kosten automatisch. Gerade im ersten Vertragsjahr können die Kosten sogar steigen, weil Abläufe noch nicht eingespielt sind. Pannen oder Qualitätsmängel können dazu führen, dass die Kosten am Ende viel höher sind als angenommen. Man denke etwa an die Versuche grosser Schweizer Banken und Pharmaunternehmen, ihren IT-Support nach Indien aus­zulagern. Fast alle taten es und brachen die Versuche mit Millionenverlusten ab. Weil die Inder eine andere Arbeitsphilosophie hatten und aus dem – eigentlich offensichtlichen – Grund der  Sprachbarriere.

In die Gesamtstrategie einbinden

Die Idee, Outsourcing-Risiken auf mehrere Partner zu verteilen, birgt selbst Risiken. Bald einmal weiss niemand mehr, wer in der Firma wofür zuständig ist. Zudem können die diversen Serviceverträge die Kosten ansteigen lassen.

Outsourcing darf nicht als reine Kostensparmassnahme verstanden werden, sondern muss in die gesamtheitliche Firmenstrategie passen. So ist es beispielsweise wenig sinnvoll, den Betrieb strategisch wichtiger Anwendungen auszulagern, nur weil damit kurzfristig etwas Geld gespart werden kann. Denn dadurch wird man vom Outsourcer abhängig, der irgendwann damit beginnt, seine Macht zu missbrauchen, indem er die Serviceverträge verteuert.

Für erfolgreiches Auslagern ist es unvermeidlich, dass Auftraggeber und Auftragnehmer offen kommunizieren und ihre Ziele ständig abgleichen. Ein Unternehmen muss sich bewusst sein, dass die Auslagerung nur den erhofften Effekt zeigt, wenn auch der Outsourcer vom Vorhaben überzeugt ist – es muss eine Win-win-Situation vorliegen. Das scheint selbstverständlich zu klingen, darf aber nicht als Phrasendrescherei abgetan werden. Denn würde Outsourcing bereits heute überall in eine gesamtheitliche Strategie eingebunden, gäbe es viel weniger unglücklich verlaufene Projekte und weniger unzufriedene Manager.

* Fabian Vogt ist freier Journalist: www.fabianvogt.ch

 

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