IT-Outsourcing: Was bringen die Externen wirklich?

» Von Fabian Vogt*, 20.04.2017 06:45.

Management selbst schuld?

Dass Outsourcing eine heikle Angelegenheit ist, macht auch unsere Swiss-IT-Umfrage deutlich. Grundsätzlich steigt unter den befragten Kaderleuten die Zufriedenheit mit der IT. Wenn das Management allerdings unzufrieden ist, dann hauptsächlich wegen des Outsourcings. 44,4 Prozent der Manager kreuzten diese Antwortmöglichkeit an, das ist der Spitzenwert (vgl. Grafik). Gefolgt von «zu wenig Verständnis der IT fürs Business», was durchaus auch mit Outsourcing zu tun haben kann. Andere Punkte wurden deutlich seltener genannt.

Woher kommt dieser Frust mit der Auslagerung? Für Peter Haecky, VR-Präsident der Haecky Gruppe, eine Distribution- und Produktions-Gruppe für Lebensmittel und Spirituosen aus dem baselländischen Reinach, ist der Fall klar: «Wenn ein Manager sagt, er sei mit dem Outsourcing nicht zufrieden, hat er seinen Job nicht gemacht.» Immer wieder muss sich Haecky anhören, dass Manager für einen schiefgelaufenen IT-Auftrag die Schuld bei jemand anderem suchen, beispielswiese beim Outsourcing-Partner. Zwar könne man nicht den Verwaltungsrat und das Top-Management für alles verantwortlich machen, aber bei Projekten ab einer gewissen Grösse müssten diese Leute die richtigen Fragen stellen, sagt Haecky. Der Unternehmer war während einem Vierteljahrhundert im Controlling eines grossen Pharmakonzerns tätig und hat selber erlebt, wie Projekte an Partner gegeben wurden, um sie nach einiger Zeit als Flop zu verbuchen und wieder zurückzuholen. Dies zumeist, weil die Denkweisen für operative Prozesse in anderen Regionen der Welt teilweise völlig anders sind als in Zentraleuropa.

Mangelhafte Kommunikation

Die Gründe, warum so offensichtliche Probleme nicht bedacht werden, meint Haecky zu kennen: schlechte Kommunikation und Boni-getriebene Manager. «Wer nichts von IT versteht, macht einfach mal vorwärts. Das hat mit dem Ego vieler Männer zu tun, die sich nicht eingestehen können, etwas nicht zu wissen.» In grossen Konzernen seien zudem viele Top-Manager überzeugt, in drei, vier Jahren woanders zu arbeiten.  «Daher möchten sie nur eine rasche Kosten­optimierung erreichen.» Die Konsequenzen aus dem aufgezogenen IT-Projekt müssten sie folglich nicht mehr tragen.

Kommunikationsprobleme gibt es allerdings auch wegen der Partner, sagt Haecky. Der IT-Dienstleister dürfe sich nicht hinter seinem Fachjargon verstecken und müsse den Auftraggeber immer wieder fragen, was dieser genau wolle. «Doch oft ist ein IT-Mitarbeiter in erster Linie Technokrat, der Entscheidungen nur ungern hinterfragt. Und auf der anderen Seite hat man einen Auftraggeber, der nicht zugeben will, nicht genau zu wissen, was er eigentlich für sein Team braucht.»

Business und IT sprechen auch im Jahr 2017 nicht die gleiche Sprache. Priska Schoch ist Co-CEO des Offertenportals Gryps.ch, das KMU und Private bei Beschaffungsfragen unterstützt. Immer wieder muss sie feststellen, dass KMU mit den Fachbegriffen der Outsourcer Schwierig­keiten haben: «Wenn der Leistungserbringer von IaaS, PaaS oder ASP spricht, versteht der Treuhänder vermutlich wenig», sagt Schoch, die Outsourcing-Anbietern empfiehlt, näher am Zielpublikum zu sein. «Wenn KMU Server und Desktops auslagern, sind ihnen hauptsächlich Qualität, eine Senkung der Kosten und eine schnelle Abwicklung wichtig. Anbieter, die ein verständlich formuliertes Standardangebot für KMU offerieren können, haben sicher gute Karten auf dem Markt.»

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