IT-Outsourcing: Was bringen die Externen wirklich?

» Von Fabian Vogt*, 20.04.2017 06:45.

Die Karikatur von Outsourcing

Die IT sei nicht nur teurer geworden, sondern reagiere auch schwerfälliger auf Probleme. So hätte der IT-Support in Indien einmal Tests in einer Testumgebung durchgeführt, woraufhin  bei einem Reseller im Wallis ein Lieferschein aus dem Drucker kam. «Der Wiederverkäufer wusste nicht, wie ihm geschah, und auch in Indien verstand man nicht, wie bei einem ERP-Test in
geschlossener Umgebung so etwas passieren konnte.» Vor Kurzem hatte ein Wiederverkäufer zudem zwei Wochen lang kein Internet, weil Swisscom technische Änderungen an ihren
Leitungen durchführte, erzählt Deutsch. «Da Orange darauf nicht eingestellt war und die Unternehmen miteinander nicht kommunizierten, standen wir völlig im luftleeren Raum. Früher hätte uns die Swisscom mitgeteilt, was sie tut, und wir hätten uns darauf eingestellt und unsere Wiederverkäufer informiert.»

Aufgrund solcher Vorfälle kam Stefan Deutsch zum Schluss, dass hier eine Karikatur dessen vorliegt, was Outsourcing eigentlich sein sollte. «Die IT ist nicht mehr Business-gerecht, denn die Leute in Paris kennen die Anforderungen des Business nicht genügend. Zudem ist die Priorisierung nicht mehr so einfach, wir müssen länger auf Problemlösungen warten.»

Auslagerung schafft Abhängigkeit

Der Fehler läge aber auch bei der Filiale selbst, gibt Deutsch zu. «Um Kosten zu sparen, entlies­sen wir in Folge des Outsourcings sämtliche IT-Mitarbeiter. Heute würde ich statt fünf Leute nur vier entlassen und einen behalten.» Ein Kompetenzträger müsse immer in der Firma bleiben, damit man dem Outsourcer nicht komplett ausgeliefert sei, rät Deutsch Unternehmen in ähnlichen Situationen. Schliesslich müssten neue Applikationen oder Systeme vor dem Rollout trotzdem in der Schweiz getestet werden, da im Ausland teilweise völlig andere Philosophien etwa hinsichtlich Usability herrschen würden. Und wenn beispielsweise ein Wiederverkäufer Probleme mit einem Router habe, kommt er trotzdem zu Stefan Deutsch und ruft nicht in Indien an, schon alleine der Sprachbarriere wegen. Das ist denn auch die wichtigste Erkenntnis von Stefan Deutsch: «Bei Outsourcing nie die gesamten Kompetenzen auslagern.»

Zudem müsse man sich bewusst sein, dass sich Outsourcing in der Theorie oft ziemlich gut rechne, mittelfristig aber die Komplexität zunehme und Kosten auftreten, wo keine erwartet werden. Trotz all der Umstände gewinnt Stefan Deutsch der neuen IT auch Positives ab, schwärmt von moderneren Tools und gesteigerter Effizienz. Sein Fazit deshalb: «Outsourcing kann einiges bringen – zu optimistisch sollte man dabei aber nicht sein.»

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