Google Web Toolkit und Ultra Light Client

Die Anbindung an das Internet und ein Browser gehören heute zur Standardausrüstung eines jeden Arbeitsplatzrechners oder Heim-PCs.

  

» Von , 22.01.2008 17:04. Letztes Update, 22.01.2008 17:05.

Stefan Thomas

Viele neue Anwendungen werden darum als HTML-basierte Web-Anwendungen implementiert, die leicht verteilt und aktualisiert werden können und von überall, zu jeder Zeit genutzt werden können. Durch den Einsatz von AJAX-Technologien konnte die Benutzerfreundlichkeit der Oberflächen in den letzten Jahren deutlich gesteigert werden, allerdings bei gleichzeitig wachsender Komplexität in der Anwendungsentwicklung. Bibliotheken, Toolkits und Frameworks versprechen hier eine Erleichterung. Beispielsweise durch die Abstraktion der unterschiedlichen JavaScript-Implementierungen der Browser oder durch vorgefertigte, komplexere Bedienelemente wie Menübalken, Tabreiter oder Baumstrukturen.

Das Google Web Toolkit (GWT) [1] geht dabei einen besonderen Weg: Das Layout der Benutzeroberfläche, das Interaktionsverhalten der Bedienelemente und die Kommunikation mit den Backend-Komponenten wird vollständig in Java programmiert und anschließend durch einen speziellen Compiler in AJAX-basierte JavaScript- und HTML-Fragmente übersetzt. Der Entwickler kann sich so stärker auf die Implementierung der eigentlichen Anwendungslogik konzentrieren und benötigt keine intimen Kenntnisse der verschiedenen Web-Technologien (HTML, CSS, JavaScript).

Daneben konkurrieren vollständig Java-basierte Architekturen mit AJAX-erweiterten Web-Anwendungen, die ebenfalls eine durchgängige Implementierung der Backend- und Präsentationsschicht in Java ermöglichen [2]. So implementiert das Ultra Light Client (ULC) [3] Framework der Canoo Engineering AG ein Half-Object plus Protocol (HOPP) Pattern [4] für die transparente, verteilte Ausführung der Präsentationsschicht zwischen einer Presentation Engine im Browser und der ULC-Anwendung auf dem Server.

Das Google Web Toolkit und die Ultra Light Client Architektur bieten aus Entwicklersicht beide ein sehr ähnliches, vergleichsweise komfortables Programmiermodell. Die Zieltechnologien sind aber vollkommen verschieden, so dass sich ganz unterschiedliche Rahmenbedingungen und Einsatzmöglichkeiten ergeben.

Google Web Toolkit

Das Google Web Toolkit wurde im Mai 2006 veröffentlicht und unterliegt der Apache 2.0 Lizenz. Das Toolkit unterstützt den Entwicklungsprozess durch mehrere Elemente: Java-Bibliotheken stellen einfache HTML-Elemente, komplexere Widgets und Kommunikationsklassen für Remote Procedure Calls zur Verfügung. Die Entwicklung der Präsentationsschicht erfolgt in einem ereignisgesteuerten Programmiermodell, das an Swing angelehnt ist. Das Toolkit umfasst weiter eine Java-Laufzeitumgebung, so dass der Java-Code in einem ,,Hosted Mode" direkt ausgeführt und getestet werden kann. So können beispielsweise Break-Punkte in Event Listener oder Server Callbacks gesetzt werden, um das Zusammenspiel zwischen Präsentationsschicht und Backend zu debuggen. Erst für das Deployment auf einem Server werden dann die Java-Klassen durch einen Compiler in HTML-Seiten und JavaScript-Funktionen übersetzt. Dabei werden gleichzeitig 4 Varianten generiert, je eine für die spezifische Unterstützung von Internet Explorer, Firefox/Mozilla, Safari und Opera.

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