«Ich kaufe kein Auto mehr, sondern Mobilität»

» Von Michael Kurzidim*, 09.03.2017 15:15.

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CW: Was pilotieren Sie konkret zusammen mit SAP?

Böhmerle: Unternehmen mit Fuhrparks, also mit einer grossen Anzahl von Dienstwagenfahrern, führen Fahrtenbücher. Zusätzlich benötigen viele unserer Kunden ein gutes Flotten­management. Sie wollen sehen, wer wie viel Benzin verbraucht und wie die Fahrer ihre Fahrzeuge führen. Diese Daten wurden bislang zum Grossteil manuell in ein Flottenmanagementsystem eingegeben. Unsere Fahrzeuge können die Daten senden – mit Verbrauchswerten, GPS-Daten, Kilometerleistung, allem Drum und Dran. Die meisten heute auf den Schweizer Strassen rollenden Fahrzeuge verfügen noch nicht über selbstvernetzende Systeme. Unser Ansatz: Wir wollen mit den Daten, die ein spezieller Dongle im Fahrzeug sendet, und dem Flottenmanagement einen Zusatznutzen für unsere Flottenkunden schaffen. Auch die vorausschauende Wartung ist ein Thema. Das alles zu verknüpfen, liegt eigentlich auf der Hand.

CW: Müssen dafür die Fahrzeuge nachgerüstet werden?

Böhmerle: In den meisten Fahrzeugen ist die Sendefähigkeit noch nicht enthalten. Daher offerieren wir einen Hardware-Dongle, der in den OBD-Port (On-Board-Diagnose-Port) des Fahrzeugs passt und die Konnektivität herstellt.

CW: Ihre Kunden müssen also zuerst einmal investieren. Mit welchen Vorteilen kann man rechnen?

Böhmerle: Wir wissen aus Pilotprojekten in anderen Ländern, dass sich das Einsparpotenzial zwischen 5 und 10 Prozent bewegt. Sie sparen Manpower, Servicekosten und können zum Beispiel die Verfügbarkeit ihrer Flotte erhöhen.

Wetzel: Schon allein die Tatsache, dass Sie etwas kontrollieren, führt dazu, dass sich die Flottenfahrer ganz anders verhalten. Wenn jemand schaut, wie ich als Fahrer das Auto behandle, wie ich beschleunige und bremse, wie kraftstoffarm ich unterwegs bin, dann fahren die Leute ökonomischer und sensibler. Es wird Hitlisten geben, wer am kraftstoffärmsten fährt, es wird vielleicht Wettbewerbe und Preise geben. Damit lässt sich innerhalb einer Firma deutlich etwas bewegen.

Böhmerle: Firmen mit Lastwagenfuhrparks bieten schon lange Optimierungsprogramme an. Die Schulungen basieren pro Fahrer auf den vorher erhobenen Daten. Einsparpotenziale beim Kraftstoffverbrauch jenseits der 10 Prozent sind damit durchaus realisierbar. Bei Flotten mit 1000 oder mehr Fahrzeugen multipliziert sich der Einspareffekt natürlich.
Wetzel: Dienstfahrzeuge werden meist viel gröber behandelt als das eigene Fahrzeug. Wenn aber über Sensoren nachverfolgt werden kann, wer wann was gemacht hat, dann behandeln die Fahrer ihre Fahrzeuge ganz automatisch pfleglicher. Das wird bei Flottenfahrzeugen, bei Rental Cars und bei Shared Cars der Fall sein. Heute gehen Sie einmal um das Auto herum, um es auf Schadstellen zu untersuchen. Mit unserem OBD-Dongle dagegen können Sie belegen, wer möglicherweise als Verursacher von Schäden infrage kommt.

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KOMMENTARE

Matthias Wohlgemuth: 10-03-17 10:23

Dann schon lieber komplett selbst fahrende Autos die mir nicht mehr gehören und für deren Fahrweise ich keine Verantwortung übernehmen muss. Die ganze Überwachung wird dazu führen, dass die Versicherungen nichts mehr bezahlen, die Autohersteller Garantien ablehnen und die Autovermietung alle möglichen "Schäden" verrechnet.

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