ETH-Spin-off optimiert Schiffsmotoren am Computer

» Von Peter Rüegg, , ETH News, 15.07.2016 06:43.

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Grosse Einsparungen möglich

Die virtuelle Testumgebung und deren Sensoren erspart den Reedern deshalb nicht nur die ständige Kalibrierung, sondern auch deren fortwährenden Ersatz. Dadurch sparen sie viel Geld, weil mithilfe dieser Simulation der Treibstoffverbrauch real gesenkt werden kann. «Bereits eine Einsparung im tiefen einstelligen Prozentbereich fällt bei der Schifffahrt stark ins Gewicht», betont Barro.

Er ist deshalb zuversichtlich, dass der veranschlagte Preis ihres Produktes potenzielle Kunden nicht abschreckt: «Wir denken, dass eine unserer Simulationseinheiten für ein Schiff 20‘000 bis 30‘000 Franken kosten wird.» Das klinge nach viel Geld, sei aber gut investiert, denn innerhalb eines Jahres könne dieser Betrag bereits amortisiert werden.

Grosses Potenzial bei Schiffen

Das Potenzial ist gross: Die weltweit 20 grössten Reedereien verfügen zusammen über 4000 Schiffe; pro Jahr laufen 1500 bis 2500 neue vom Stapel. Die fünf grössten Reeder besitzen je 400 Schiffe. «Wenn wir nur einen davon überzeugen können, unsere Lösung flächendeckend einzuführen, sind wir gut im Geschäft», findet Kyrtatos.

Auf die Hochseeschifffahrt wollen sie sich konzentrieren, weil das Geschäft besser überschaubar ist als beispielsweise die Autobranche, obwohl die virtuellen Sensoren auch dort verwendbar sind. «Wir können unser System grundsätzlich für Motoren aus allen Sektoren anwenden, also auch für Autos, Baumaschinen oder Lastwagen», sagt Kyrtatos. In die Autoindustrie einzusteigen, wäre allerdings schwieriger. «Viele Autohersteller lösen das Optimierungsproblem lieber selbst, mit ihren eigenen Entwicklungsabteilungen», ergänzt er. Darüber hinaus sind die Hersteller von Schiffsdieselmotoren – im Gegensatz zu Autobauern – viel kleinere Betriebe. Die Vielfalt der Modelle ist überschaubar.

Standbein an der ETH

Noch arbeiten Barro und Kyrtatos als Oberassistenten und Dozenten am Labor für Aerotheromochemie und Verbrennungssysteme (LAV) bei Professor Konstantinos Boulouchos. Sie werden auch künftig sehr nahe mit dem Labor kooperieren um neue Produkte für alle Sektoren von Verbrennungsmotoren zu entwickeln.

Der Spin-off Virt2sense ist einer der jüngeren Sprosse der ETH Spin-off-Familie. Barro studierte und doktorierte an der ETH Maschinenbau, dann fügte er ein Postdoc an, nun ist er Oberassistent und leitet eine Forschungsgruppe am LAV. Auch Kyrtatos absolvierte sein Doktorat an der ETH und leitet heute eine Gruppe am gleichen Labor. Während ihrer Doktoratszeit lernten sich die beiden Ingenieure kennen und zogen gemeinsam ihre Firma auf. Im März 2016 haben sie das Unternehmen formell gegründet. Soeben haben sie dafür auch das offizielle Label «ETH Spin-off» erhalten.

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