Ein neues IT-Herz für Raiffeisen
Das Schweizer Finanzinstitut ist zum Jahreswechsel auf eine neue Bankenplattform umgestiegen - mitten im laufenden Betrieb. Da darf nichts schiefgehen.

» Von , 13.03.2009 10:44.
Damir Bogdan ist CIO von Raiffeisen Schweiz
Stellen Sie sich vor, zwei befreundete Fahrradfahrer begegnen sich auf der Strasse und versuchen, sich während der Fahrt die Hände zu schütteln. Um dabei nicht rücklings vom Fahrrad zu stürzen, würde jeder vernünftige Mensch absteigen. Bei IT-Projekten ist aber kein Anhalten und Absteigen möglich. Gerade in der Bankenwelt herrscht viel Bewegung. Die wichtigsten Herausforderungen, denen sich Finanzinstitute künftig stellen müssen, lauten:
- Strengere Aufsicht: Nicht erst seit der Finanzkrise nimmt die Fülle von gesetzlichen Grundlagen und Regulatorien zu. Die Vorschriften werden immer zahlreicher und komplexer.
- Sozioökonomische Veränderungen: Die Kundinnen und Kunden sind mobiler geworden.
- Mehr Möglichkeiten: Laufend neue technologische Innovationen bieten Chancen, die im intensiven Wettbewerb genutzt werden müssen.
- Internationale Vernetzung: Die fortschreitende Globalisierung der Finanzmärkte erhöht die Vielfalt an Vorschriften, Sprache, Kultur etc.
- Produktevielfalt: Auch auf der Produkteseite hat sich einiges verändert. Das Angebot ist geprägt von vielen neuen Produkten mit hohem Erklärungsbedarf.
IT-Strategie für die Zukunft
Um sich diesen Herausforderungen zu stellen, hat die Raiffeisen Gruppe eine IT-Strategie definiert, u.a. mit folgenden Kernpunkten:
- Konsolidierung: Systeme, Applikationen und Datenbestände sollen vereinheitlicht und zusammengeführt werden. Ziel ist, die Infrastruktur zu flexibilisieren und deren Unterhalt zu vereinfachen.
- Standardisierung: Die Anzahl unterschiedlicher Systeme und Technologien soll reduziert und die Risiken der Eigenentwicklungen minimiert werden, indem man auf dem Markt gängige Produkte einkauft. Zudem wird die Wirtschaftlichkeit durch den Einsatz von Standard-Software wesentlich verbessert.
- Einsatz neuster Technologien: Raiffeisen will zukunftsgerichtete Technologien einsetzen, die neben der sicheren Anwendung auch den
Investitionsschutz und die Arbeitsmarktfähigkeit der Mitarbeitenden garantieren können.
Ablösung der Kernapplikation
Im Zuge dieser Strategie wurde beschlossen, die selbst entwickelte Kernbankenapplikation durch die Standard-Software Avaloq abzulösen. Von der Einführung der neuen Bankenplattform verspricht sich Raiffeisen ein grösseres abwickelbares Volumen und eine markant bessere Anpassungsfähigkeit an neue Kundenbedürfnisse. In einem ersten Schritt wurde zum Jahreswechsel das Wertschriften- und Handelsgeschäft erfolgreich umgestellt. Der zweite Schritt beinhaltet die Migration sämtlicher Zahlungsverkehrsgeschäfte auf Avaloq. Aufgrund der daraus gewonnenen Erkenntnisse und den Erfahrungen anderer Banken bei der Einführung von Avaloq, wird der Verwaltungsrat dann entscheiden, ob auch die selbst entwickelte Frontapplikation ersetzt wird.



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