Prozessexzellenz aus der Cloud

» Von Michael Kurzidim , 05.07.2013 09:35.

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Schweizer Defizite

Nach der Geschäftsprozessanalyse folgt die Umsetzung mithilfe von IT und dort haben Schweizer Unternehmen anscheinend noch Nachholbedarf. «Schweizer konzentrieren sich zu sehr auf Business-Process-Optimierung in SAP, Siebel oder Salesforce, also innerhalb der Grenzen von Einzelsystemen», kritisiert
Badoux. Auch für ihn kommt die End-to-End-Sicht auf den Gesamtprozess zu kurz. Prozessoptimierung sei ein Zyklus mit den Einzelschritten Business Process Analysis, Business Process Execution und Monitoring (KPIs). IT und Business müssen zusammenarbeiten, um hier das Optimum für ihr Unternehmen herauszuholen. Als Kunden, die das bereits erfolgreich praktizieren, nennt Badoux die Swisscom, den Flughafen Zürich und den Logistik- und Paketdienstleister DHL.

Fallbeispiel: Kanton Aargau

Einen Einblick in die Praxis gibt Marco Bürli, Leiter E-Gov-Projekte/Informatik beim Kanton Aargau. Der Kanton hat in den letzten drei Jahren seine eGovernment-Strategie massiv forciert und bietet zurzeit ein knappes Dutzend Internetdienste für seine Bürgerinnen und Bürger an. Dazu zählen der Onlinedienst «Fristerstreckung», der ab Februar 2013 Steuerpflichtigen die Option bietet, online eine Fristverlängerung einzureichen; oder der Service «Anmeldung Mittelschulen» oder der Dienst «eAge Pflege», der über die Tarife und Leistungen der Pflegeheime im Kanton Aargau informiert. Mit diesen Diensten und der dahinterliegenden Infrastruktur stehe der Kanton Aargau an der Spitze der Schweiz: «So etwas hat niemand ausser uns», betont Bürli stolz.

Die eGov-Strategie sei aber nur der Auslöser gewesen, die Geschäftsprozesse der Kantonsverwaltung zu überdenken und zu digitalisieren. «Früher haben die einzelnen Fachbereiche ihre Business-Prozesse aufgenommen oder auch nicht», erzählt Bürli. Es habe kein übergeordnetes Business Process Management gegeben. Dienstleistungen, wie die Bearbeitung von Anträgen, seien je nach Prozessschritt teils IT-gestützt, teils manuell durchgeführt worden. Die dadurch entstehenden Medienbrüche hätten Zeit und Geld gekostet. Und der Kanton schaue sehr genau aufs Geld. Mit der neuen eGov-Infrastruktur, die durchgehend digitalisierte Prozesse ermöglicht, hätten sich die Durchlaufzeiten von Wochen auf Tage oder sogar Stunden reduziert. Auch von den Mit­arbeitenden, berichtet Bürli, würden die neuen Prozesse sehr gut angenommen.

Die eGov-Infrastruktur des Kantons Aargau besteht – stark vereinfacht – aus den Schichten Server, Speicher, Netzwerk und Sicherheit, die nun optimal aufeinander abgestimmt sind. Technologieanbieter nennen das auch Converged Infrastructure. Schichtenübergreifende Automatisierung heisst letztendlich das Zauberwort. «Wir müssen etwas tun, um eGovernment zu standardisieren, zu industrialisieren, um dadurch einzelne Servicekomponenten mehrfach verwendbar zu machen», sagt Bürli, und gibt damit die strategische Ausrichtung für die Zukunft vor. Zurzeit laufen weitere 15 Projekte, über die der Aargauer Informatikchef aber noch nichts verraten will. Fest steht jedoch: Zum Einsatz kommt Business Process Management von SAP.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Cloud-Lösung: BPaaS

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