
«Wir sind weltweit auf der Suche nach Talenten», meint Gurdeep Singh Pall, Leiter der Online-Cooperation-Entwicklergruppe von Microsoft, als Begründung, warum der Softwareriese nun auch in Zürich ein Entwicklungszentrum eröffnet hat. Das Talent hat Microsoft in Form des hiesigen Start-ups Media Streams gefunden. Die Firma hatte mit E-Phone eine Voip-Anwendung für Outlook im Angebot und wurde deshalb von Microsoft im November 2005 kurzerhand übernommen.
Mit dem Entwicklungszentrum, das am Dienstag im Beisein von Zürichs Stadtpräsident Elmar Ledergerber offiziell eröffnet wurde und das unter der Bezeichnung «Microsoft Developer Center for Collaboration Technologies» segelt, sollen Voip-Techniken (Voice over IP) ausgetüftelt werden, die in künftige Office-Ausgaben einfliessen werden. Laut Erich Gebhardt, Mitbegründer des Jungunternehmens und Leiter des Entwicklungszentrums, soll die Zahl der in Zürich beschäftigten Mitarbeiter von derzeit 18 auf 20 bis 50 wachsen.
Die Tätigkeit des Zentrums bleibt nicht nur auf Office beschränkt. Auch Entwickler, die selbst Voip-Anwendungen programmieren wollen, sollen von dem frischgebackenen Labor profitieren, wie Singh Pall gegenüber Computerworld meint. So werden die Redmonder Telefonie-Elemente auch in Entwicklungsumgebungen wie Visual Studio einfliessen lassen. «Das Zürcher Zentrum soll kein Produkt an sich liefern. Vielmehr sollen die hier entwickelten Techniken in diverse Microsoft-Programme und -Umgebungen im Rahmen der Unified Communication Group integriert werden», fügt er an.
Nach IBM, die bereits seit 50 Jahren in Rüschlikon forschen lässt, und Google, die sich vor zwei Jahren in Zürich ein Standbein sicherte, ist nun auch Microsoft mit einem Zentrum präsent. In einer der Eröffnungszeremonie vorausgegangenen Podiumsdiskussion wurde betont, dass unter anderem auch der Forschungsplatz Zürich, insbesondere die Nähe zur ETH, für die Wahl der Redmonder ausschlaggebend war. Dass nun auch Microsoft die eigentlich spärlich gesäten IT-Leute in der Schweiz abwirbt, sei sicherlich wahr und schmerzlich, meint Crealogix-Chef Bruno Richle. Generell sei die Eröffnung des Zentrums aber positiv. «Es wertet die Informatik als solche auf und zieht wieder neue Talente an», sagt er.
Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe Computerworld 22/2006. 
