Das Fazit unseres Testcenters gleich zu Anfang: «Ja, Software-Router auf Open-Source-Basis können mit den Grossen der Router-Branche mithalten – unter bestimmten Vorbehalten.» Die meisten heute verfügbaren quelloffenen Software-Router entstammen einem von zwei Projekten: der Zebra-Initiative oder der Extensible Open Router Platform, kurz XORP
. Mit Quagga-Software wurde ein Zebra-Abkömmling und mit Vyatta eine XORP-Anwendung getestet.
Quagga läuft aufwärts kompatibel unter GNU/Linux 2.4x, Free-BSD 4X, Net-BSD 1.6, OpenBSD 2.5 und Solaris 8. Zu den unterstützten Protokollen zählen: RIP
(Routing Information Protocol), RIPv2, RIPng, OSPF
(Open Shortest Path First), OSPFv2, OSPFv3, IPv6
, IGMP
(Internet Group Management Protocol), IGMPv2 und das Border Gateway
Protocol
4. Daemons, also Dienstprogramme, die im Hintergrund arbeiten, ohne vom Benutzer aufgerufen zu sein, werden anhand Unix-basierter Routing-Tabellen abgeglichen, die Syntax zur Konfiguration erinnert stark an Branchenführerin Cisco. Der Wechsel von IP-Adressen findet innerhalb des Routers mit Hilfe von Konfigurationsdateien und Command-Zeile statt und fällt damit besonders leicht.
Nach ausgiebigen Tests mit Augenmerk auf Durchsatzleistung, Paketverlust und Latenzzeiten können zwei Einsatzbereiche unterschieden werden. Als Plattform für die Entwicklung zusätzlicher Router-Features wie etwa einer Firewall
oder zur Detektion von Systemangriffen, eignet sich Quagga hervorragend. Als Routing-Software fürs Netzwerk sollten Leistungsbegrenzungen vorgängig gut abgeklärt werden. Quagga stellt nämlich hohe Hardware-Ansprüche und zeigt eine sensible Wechselwirkung mit der Port-Dichte. Gutes Unternehmens-Know-how verringert zudem die Abhängigkeit von der Open-Source-Gemeinde als Supporthilfe.
Der Open Flexible Router (OFR) der Firma Vyatta wurde vorinstalliert auf einem Dell-Server geliefert. Auch hier lieferten die Tests ein ähnliches Bild. Die Vyatta-Dell-Kombination darf sicher als echte Alternative innerhalb kleiner und mittlerer Unternehmen gehandelt werden, die schnell und aggressiv handeln und Systemanpassungen rigoros durchsetzen können. Vyattas Strategie-Verantwortlicher, Dave Roberts, sieht die Sache schon richtig, wenn er sein Produkt nicht für Internet-Backbones einsetzen würde, doch für Geschwindigkeitsbedürfnisse im Bereich T-1/T-3-WAN (Wide Area Network) eignet es sich allemal. Zusätzlich können bei Vyatta auch Service-Dienstleistungen und Software-Supports für jährlich 500 Dollar angefordert werden.