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IT-Projekte im WTO-Sumpf

04.01.2010 | 08:27 Uhr

Eigentlich sollten WTO-Ausschreibungen für Transparenz sorgen. Dagegen kosten sie die Volkswirtschaft viel Geld.

Nur wenige gewinnen, viele zahlen dafür bei WTO-Ausschreibungen drauf
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Nur wenige gewinnen, viele zahlen dafür bei WTO-Ausschreibungen drauf

Eigentlich ist das Vergabeverfahren nach den Regeln der WTO (World Trade Organisation) für grosse IT-Projekte der öffentlichen Hand eine gute Sache: Es erfolgt nach klaren Vorgaben. Gegen diese Transparenz, die ja auch eine Kostenkontrolle mit einschliesst, ist theoretisch nichts einzuwenden.

In der Praxis haben die WTO-Ausschreibungen allerdings einige Ecken und Kanten, die dazu führen, dass sie einerseits die Volkswirtschaft viel kosten, andererseits oftmals qualitativ zumindest fragwürdige Resultate liefern.

Doch zurück zur Ausgangslage: Nach WTO müssen alle IT-Projekte, die vom Bund und von Bund-nahen Betrieben wie etwa der Postfinance oder der ETH, geplant werden und die ein Volumen von mehr als 250'000 Franken aufweisen, öffentlich ausgeschrieben werden. Jeder kann also ein Angebot abgeben. Je nach Wirtschaftslage melden sich gut und gerne 20 Firmen auf eine solche Ausschreibung.

Für IT-Projekte dieser Grösse gilt die Faustregel, dass gut zehn Prozent des Projektvolumens in die Ausarbeitung des Angebots investiert werden müssen. Bei 20 Interessenten wird doppelt so viel für die Ausarbeitung der Vorschläge verpulvert, als das ganze Projekt wert ist. Der volkswirtschaftliche Schaden ist somit enorm.

Fragwürdige Bedingungen

Das alleine wäre eigentlich schlimm genug. Gewisse Randbedingungen bei WTO-Ausschreibungen geben diesen zudem einen schlechten Beigeschmack. Denn sie sorgen schlussendlich dafür, dass keine optimale Qualität geliefert wird. So darf jenes Unternehmen, das die Ausschreibung ausarbeitet, selbst nicht am Verfahren teilnehmen. Will heissen: Jenes Unternehmen, das das Projekt am besten kennt, darf dieses dann nicht ausführen.

Daneben ist es den Anbietern untersagt, persönlichen Kontakt zum Auftraggeber zu haben. Sie können daher nicht die brennenden Fragen klären, die für die erfolgreiche Durchführung des Vorhabens nötig sind. Es gibt zwar eine allgemeine Frage-und-Antworten-Runde. Diese ist ebenfalls öffentlich, bringt somit nicht viel.

Gemünzt auf einen

In der Praxis sind dann folgende Szenarien oft zu beobachten. Der Auftraggeber formuliert die Ausschreibung so, dass eigentlich nur ein Marktteilnehmer das Rennen macht. Für die Zukunft des Projekts ist diese Vetternwirtschaft auf hohem Niveau noch das beste. Denn kommt der Haus- und Hoflieferant zum Zug, so kennt dieser zumindest die Rahmenbedingungen des Auftrags.


Hässlicher wird es, wenn Unternehmen mitbieten, die ein Dumping-Angebot unterbreiten. Da der Preis eine grosse Rolle beim Vergabeentscheid spielt, werden oft diese billigen Offerten berücksichtigt. Die Betonung liegt dabei auf «billig», denn der Anbieter ist bei dem Preis meist nicht in der Lage, anständige Qualität zu liefern.

Immerhin hat man Wege gefunden, um WTO-Ausschreibungen zu umgehen. So können grosse Projekte in kleine Teilvorhaben unterteilt werden, die unter der magischen Zahl von 250'000 Franken bleiben.

Ansonsten wird wenig unternommen. Die meisten Firmen arrangieren sich mit dem System und begnügen sich damit hin und wieder einen fetten Bundesauftrag an Land ziehen zu können.


 

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