Schweizer Firmen verschwenden IT-Potenzial, vergeben Marktchancen und verschenken Umsatzerfolge. Der Computerhersteller HP hat diesen gefährlichen Trend bereits 2007 ausgemacht. Zwar wissen 99 Prozent der CEOs und 86 Prozent der CIOs, wie extrem wichtig IT für den Geschäftserfolg ihres Unternehmens ist. Aber nur 43 Prozent der befragten CEOs und jeder dritte CIO glaubt, dass seine IT erfolgreich die Geschäftsziele des Unternehmens unterstützt, schrieb Hauke Stars, General Managerin von HP Schweiz, schon vor zwei Jahren den IT-Verantwortlichen ins Gebetbuch.
Seitdem hat sich wenig getan, so das Resümee der aktuellen Computerworld-Studie «Swiss IT» (Grafik 1). 37 Prozent der befragten IT-Manager sind davon überzeugt, dass ohne eine leistungsfähige und moderne IT kein wirtschaftliches Überleben möglich ist. 23 Prozent sehen in ihren IT-Systemen einen wichtigen Wettbewerbsvorteil und immerhin noch 24 Prozent wollen sich in einzelnen Bereichen Wettbewerbsvorteile durch den geschickten Einsatz von IT sichern. Summa summarum wissen 84 Prozent der Schweizer Firmen um die strategische Bedeutung ihrer Informationssysteme als Eckpfeiler für den Unternehmenserfolg. Aber setzen sie diese Erkenntnis auch konsequent in die Tat um?
Leider nein, der riskante Negativtrend hat sich sogar noch verstärkt: Die gleichen CIOs und IT-Verantwortlichen fühlen ein starkes Unbehagen, wenn es um den digitalen Alltag in ihren Unternehmen geht. 15 Prozent glauben, dass viel IT-Potenzial ungenutzt brachliegt. 76 Prozent haben das Gefühl, geschäftsentscheidendes Potenzial zu verschenken, und nur neun Prozent geben sich überzeugt, ihre IT-Landschaft optimal zu nutzen – ein ziemlich dürftiges Ergebnis.
In der Mehrheit der befragten Unternehmen ist die IT noch nicht dauerhaft in die strategische Unternehmensplanung eingebunden (links), obwohl deren Bedeutung als Wettbewerbsvorteil erkannt wird (Mitte). Gleichzeitig liegt noch sehr viel Potenzial brach.
Defizite bei der Kostenplanung
Mit diesem Missstand steht die Schweiz nicht alleine da. In den europäischen Nachbarländern und den Vereinigten Staaten sieht es nicht besser aus – eher noch schlechter. Auch dort beherrschen eklatante Defizite den Alltag. 84 Prozent der deutschen Unternehmen etwa können ihre Planungskosten nicht exakt quantifizieren. Darunter fallen Betriebs- und Personalkosten für die klassischen Bereiche Absatz und Umsatz, Human Resources, Investitionen, Gewinn und Verlust sowie die Bilanz- und Finanzplanung.
Die Mehrheit setzt überhaupt keine professionelle Planungs-Software ein, sondern vertraut auf ihr ERP
-System in Kombination mit Microsoft Excel. Nur eine Minderheit ist mit der eingesetzten Planungs-Software, einer lebenswichtigen Entscheidungshilfe für die zukünftige Marschrichtung des Unternehmens, sehr zufrieden. Zu diesem Ergebnis kamen die Marktbeobachter von Deloitte Consulting in ihrer Studie «Blick nach vorn, eine Standortbestimmung zur Planung in deutschen Unternehmen».
In Grossbritannien und den USA stehen die IT-Manager anscheinend völlig im Regen. Accenture befragte mehr als 1000 IT-Manager in Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen US-Dollar. Das niederschmetternde Ergebnis: 47 Prozent vertrauen den Analysen nicht, die ihnen ihre eigene IT-Abteilung liefert. 42 Prozent gaben zu, mindestens einmal pro Woche Falschinformationen als Grundlage für ihre Entscheidungen zu nutzen, und 59 Prozent finden die gesuchten Infos erst gar nicht.
Für die Schweizer ist das kein Grund zur Schadenfreude, im Gegenteil. Sie sollten versuchen, es besser zu machen als andere Länder. Wo liegen also die Gründe dafür, dass das vorhandene Wissen um die strategische Bedeutung der IT und die tagtägliche Praxis in der Schweiz so weit auseinanderklaffen?
Datenschlamperei bei Grossbank
Stolperstein Nummer eins: korrupte Daten. Johannes Ritter, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Solution Matrix, berichtet von einer Schweizer Grossbank, bei der mangelnde Datenqualität zu Mehrkosten in Höhe von 25 Millionen Franken geführt hat. So wurde irrtümlicherweise eine GmbH 20 Jahre lang unter dem Status Gründungsphase gespeichert, obwohl die betreffende Firma schon längst den Kinderschuhen entwachsen war. Einer von vielen Irrtümern, die der Grossbank unterlaufen waren. Die Folge: Das Bankhaus musste höhere Rücklagen bilden, was letztlich das Kreditvergabevolumen reduziert und damit den Geschäftserfolg schmälert.
Mangelnde Datenqualität hat ausserdem eine unangenehme Nebenwirkung: Sie führt
zu einem empfindlichen Vertrauensverlust im eigenen Haus. In der Schweizer Grossbank, von der Ritter erzählt, traute das Risikomanagement am Ende den Zahlen der IT nicht mehr über den Weg. Ergebnisse widersprachen sich, Analysen gingen ins Blaue hinein. «Viele Manager resignierten und fällten schliesslich ihre Entscheidungen aus dem Bauch heraus», berichtet Ritter.
| Seite 1 von 3 | Nächste Seite » |
| Schulen kämpfen um beste Webseite | |
| Spionage-Skandal war heilsam | |
| Steffen Informatik verstärkt Geschäftsleitung | |
| Oracle kauft Bharosa | |
| Wie sicher ist die Bundesverwaltung? |
