Rüdiger Sellin ist Product Manager bei Swisscom (Schweiz) AG im Bereich Grosskunden
Die weitaus meisten Arbeitnehmer in der Schweiz arbeiten im Dienstleistungsbereich (über 75%). Besonders bei diesen im tertiären Sektor angesiedelten Firmen stehen Mitarbeiter und Kunden bei Kapazitätsengpässen im Firmennetz schnell mal im Stau. Die grosse Abhängigkeit von den Datennetzen kann aufgrund der stark schwankenden Verkehrslasten im Alltagsbetrieb zu erheblichen Problemen führen.
Da die relativen Kosten für die Bandbreite im nationalen Bereich seit Jahren sinken, wird bis heute eher verschwenderisch damit umgegangen. Die Kupfertechnologie ist bei den erreichbaren Bandbreiten praktisch ausgereizt. Daher setzt sich nun auch bei den Privatkunden fort, was in den 1990er-Jahren bei Geschäftskunden begann. Das Stichwort lautet hier Fibre To The Home (FTTH), wovon im Übrigen auch kleinere Büros, Filialen von Grosskonzernen oder deren Heimarbeiter profitieren. Der Trend verstärkt sich durch die lokal installierte Prozessorleistung der Endgeräte, die sich ebenfalls stetig nach oben bewegt. Attraktivere Preise für Glasfaserverbindungen beschleunigen zudem deren Verbreitung. Diese theoretisch verfügbaren Netzkapazitäten führen aber auch dazu, dass immer bandbreitenintensivere Anwendungen eingesetzt werden, was dann wieder die Leitungen verstopft – ein Teufelskreis.
Engpässe im Datennetz
Beobachtungen zeigen, dass sich die jahrelange Zentralisierung der Arbeitsplätze wieder umkehrt und Arbeiten eher verteilt erledigt werden – an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten. Damit wird die zu erwartende Netzlast immer unkalkulierbarer. Zusätzlich bestehen auf Applikationsebene nach wie vor Performance-Probleme. Viele IT-Verantwortliche wissen gar nicht, wie die tatsächliche Netzbelastung pro Applikation oder deren Performance in Echtzeit pro Standort, aussieht. So ist es oftmals unklar, ob technische Probleme an der IT-Infrastuktur oder Netzengpässe für eine mangelhafte Performance der Anwendungen verantwortlich sind. Eine Verdoppelung der Bandbreite von vermeintlich oder tatsächlich überlasteten Datenlinks garantiert z.B. keinesfalls die Beseitigung von Verkehrsengpässen. Hinzu kommt, dass im Zug der sich weiter fortsetzenden Globalisierung gerade multinationale Konzerne auf Standorte in verschiedenen Ländern verteilt sind. Die Kosten für Datenverbindungen ins Ausland sind aber deutlich höher als bei Inlandsverbindungen. Ineffiziente Netzstrukturen kosten dann auch mehr Geld.
Die Kostenfrage
Viele IT-Verantwortliche werden als interne Dienstleistungserbringer wahrgenommen. Sie sehen sich mit sinkenden IT-Budgets bei fortgesetztem Effizienz- und Spardruck konfrontiert. Neue Investitionen müssen daher möglichst aufwandsneutral erfolgen oder nach Investitionen signifikante Einsparungen bringen. Um zum Beispiel Wartezeiten bedingt durch WAN-Verkehr und Serverabfragen an verteilten Arbeitsplätzen zu minimieren, wären lokal installierte Server (etwa zur Datenspeicherung oder als Printserver) ein mögliches Mittel. Aufwendungen für Anschaffung und Unterhalt lokaler Server verschlechtern jedoch die Kostenbilanz, weshalb die meisten Applikationen weiterhin auf zentralen Servern laufen. Dies generiert signifikanten LAN-zu-LAN-Verkehr über das WAN des Telecom Providers. Gerade in öffentlichen IP-Netzen kämpfen jedoch viele IP-Datenströme um ihre Bandbreite. Zur Erreichung einer hohen Anwendungs-Performance beim Kunden sind der WAN-Betrieb und die Dienste der Endbenutzer darum effizient zu managen. Anwendungsbezogenene PerformanceTools fehlen jedoch heute fast völlig. In diesem Spannungsfeld setzt das netzübergreifende Application Performance Management (APM) an.
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