Management

Datenmanagement als Versorgungsauftrag

22.06.2009 | 16:41 Uhr

Neue gesetzliche Bestimmungen erfordern innovative IT-Lösungen, damit sie so schnell und kostengünstig wie möglich in die Praxis umgesetzt werden können. Die Schweizer Energieversorgung ist das beste Beispiel.

Hans Vetsch

Hans Vetsch ist Leiter Organisations- und Informatikamt Stadt St. Gallen (OIA)

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Seitdem am 1. 1. 2009 das neue Stromversorgungsgesetz in Kraft getreten ist, sind die Schweizer Energieversorgungsunternehmen verpflichtet, die Energieverbrauchsdaten automatisiert auszutauschen. Für den Endverbraucher unsichtbar, hat der Verteilnetzbetreiber künftig an die Übertragungsnetzbetreiber, die Bilanzgruppenverantwortlichen, die Stromlieferanten und an die Strom-
erzeuger aggregierte Messwerte zu melden. Beispielsweise muss täglich bis 8.00 Uhr morgens der Energiebedarf des folgenden Tages an die Bilanzgruppenverantwortlichen und an die Stromlieferanten gemeldet werden.

Eine Herausforderung an die IT, die viele kleine Energieversorger nicht eigenständig erfüllen können. Für diese stellte sich die Frage, ob und in welcher Form sie künftig diese Arbeiten selbst ausführen können oder ob sie dabei besser mit anderen Stromendverteilern zusammenarbeiten und so von finanziellen und strukturellen Skaleneffekten profitieren.

Gemeinsam effizienter

Für die zweite Variante entschieden sich die Gründer der elog Energielogistik AG. Die Aktiengesellschaft wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, eine geeignete Informatikplattform aufzubauen. Aktionärin der AG ist neben mehreren Energieunternehmen auch die Stadt St. Gallen.

Infolge des strategischen Entscheids der elog, kein eigenes kosten- und Know-how-intensives Rechenzentrum aufzubauen, wurde die Zusammenarbeit mit einem professionellen IT-Dienstleister angestrebt, der sowohl die Kostenoptimierung sicherstellt als auch die Fähigkeit hat, mit der rasanten Entwicklung auf dem IT-Markt Schritt zu halten. Die nahe liegende Wahl: das Organisations- und Informatikamt der Stadt St.?Gallen (OIA), der IT-Dienstleister für die allgemeine Verwaltung, die städtischen Volksschulen und umliegende Gemeinden. Das OIA betreut über 3200 Anwenderinnen und Anwender an gut 200 verschiedenen Standorten, hat zwei Rechenzentren mit einer hohen Verfügbarkeit (7x24x365) sowie eine externe Datensicherung an einem weiteren Standort.

Projektaufbau und -Umsetzung

Peter Graf, Geschäftsführer elog
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Peter Graf, Geschäftsführer elog

Elog und OIA entwickelten gemeinsam eine kostengünstige IT-Plattform. Der vom Gesetz geforderte Austausch der Daten zwischen den einzelnen Marktakteuren bildet dabei das Herzstück (Abbildung oben). Innerhalb von sechs Monaten wurde mit internen und externen Teams das neue Datenmanagement implementiert.

Da das Projekt durch das Inkrafttreten des Gesetzes am 1.1.2009 an enge zeitliche Vorgaben gekoppelt war und gleichzeitig weitere Nutzer akquiriert werden sollten, war eine entscheidungsfähige Projektorganisation zwingend notwendig. Das gesamte Projekt wurde dazu in zwei Teilprojekte aufgeteilt: Technologie und Technik sowie Betriebswirtschaft und Controlling.

Projekt 1: Technologie & Technik: Im ersten Projektabschnitt standen die Definition der Systemarchitektur, die Planung der Umsetzung sowie das Change-Management auf der Agenda: Die technischen Spezifikationen wurden in einer sorgfältig abgestimmten Systemarchitektur zusammengefügt. Nach der Freigabe dieser wichtigen Konzeptphase wurden Hard- und Software-Bestandteile bestellt und die Detailplanung der Realisierungsphase in Angriff genommen.

Projekt 2: Betriebswirtschaft & Controlling: Parallel zur Systemarchitektur wurden im zweiten Teilprojekt die betriebswirtschaftlichen Aspekte erarbeitet. Die gewählte modulare Servicestruktur ermöglichte es, die sich im Projektverlauf verändernden technischen Anforderungen und deren Auswirkungen jeweils auf ihre Kostenrelevanz zu untersuchen. Mit diesem konsequenten Change-Management wurde sichergestellt, dass die Rückkoppelung zwischen technischen Anforderungen, IT-Service und dessen Kosten jederzeit transparent nachvollziehbar war. Alle Dienstleistungen, die das OIA für die elog erbrachte, wurden in einem Produkt- und Dienstleistungskatalog festgehalten. Nebst den detaillierten Service Level AgreementsLexikon zeigt dieser auch die preislichen Dimensionen auf. Die Vertragswerke für den Rechenzentrumsbetrieb wurden gegen Projektende fertiggestellt und gegenseitig unterzeichnet. In die Verantwortung dieses Teilprojekts fielen also Service bzw. Produkt, Preisgestaltung, Vertragswesen, Betriebsorganisation und das
Gesamtcontrolling.

Kaum entwickelt, schon realisiert

Übersicht des komplexen Systems und der beteiligten Komponenten
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Übersicht des komplexen Systems und der beteiligten Komponenten

Beide Teams stützten sich auf ein detailliertes Projektreporting, was dazu beitrug, dass das Projekt schnell und sicher in den Betrieb überführt werden konnte. Dass Leistung und Kosten für alle Beteiligten jederzeit transparent waren, sorgte für eine hohe Akzeptanz. Dabei profitierten beide Projektgruppen voneinander:
- Reale Aufwendungen aus dem Teilprojekt 2 dienten zur Anpassung des Dienstleistungskatalogs von Teilprojekt 1. So waren Offerten an weitere Nutzer termingerecht verfügbar.
- Abgegrenzte, dokumentierte Dienstleistungen aus dem Teilprojekt 2 wurden zu Modulen, mit deren Hilfe neue Partner schnell eingebunden werden konnten.
- Kosten und Nutzen von Projektanpassungen wurden infolge einer engen Überwachung rasch erkannt und ausgewiesen. Zwar war der Abstimmungsaufwand zu Beginn des Projekts sehr intensiv. Dies stellte sich aber zum Projektende als lohnenswert heraus, denn sowohl die Qualität als auch das erreichte Ergebnis waren für Kunden und Mitarbeitende ausserordentlich zufriedenstellend.

Flexibler IT-Service: 7x24x365

Zur hohen Verfügbarkeit der Applikationen wurden alle Kernkomponenten der technischen Umgebung redundant in zwei örtlich getrennten Rechenzentren untergebracht. Je nach Anforderung wurde die Redundanz physikalisch (durch den Betrieb von zwei oder mehr Systemen, z.B. doppelte Telefoniekomponenten oder Microsoft Cluster), virtuell (durch automatischen Failover des Servers auf einen anderen VMWare-Server) oder per Load Balancing innerhalb der Citrix-Serverfarm sichergestellt. Zu allen Partnern werden für den Datenaustausch FTPLexikon-, Web- und auch E-Mail-Schnittstellen unterhalten.

Heute kann die elog als Dienstleister der Energieversorger eine beachtliche Bilanz aufweisen: ca. 350000 erstellte Energierechnungen pro Jahr, ein Energiedatenmanagement für 100000 Messpunkte und die Datenbearbeitung für monatlich drei Millionen Verbrauchswerte durch Zählerfernauslesung.

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