Ludger Schmitz ist Redaktor bei der Computerwoche.
Die Übernahme nimmt sich im Vergleich zum Zwei-Milliarden-Dollar-Börsengang von Vmware bescheiden aus. Doch der Preis von einer halben Milliarde Dollar, zu etwa 60 Prozent in Form eigener Aktien aufgebracht, ist für Citrix eine gewaltige Nummer. Denn er beläuft sich auf fast die Hälfte des letzten Jahresumsatzes der Spezialistin für Server-based Computing. Und er ist der grösste in der Geschichte dieses Unternehmens, das für Firmenkäufe in den letzten vier Jahren rund 700 Millionen Dollar ausgegeben hat, davon 302 Millionen Dollar für seine bisher voluminöseste Übernahme, die Akquisition von Netscaler im Jahr 2005. Citrix-Chef Mark Templeton hatte im Juni 2007 auf der Kundenveranstaltung «iForum» in München eine aggressive Übernahmepolitik angekündigt, um in den nächsten «drei bis fünf Jahren» den Firmenumsatz zu «verdoppeln oder zu verdreifachen».
Die teure Übernahme beschert der Käuferin vordergründig zusätzliche Xensource-Einnahmen von «nur wenigen Millionen Dollar», wie Citrix-Finanzchef David Henshall die bisher unbekannten Umsätze des Open-Source-Virtualisierers eingrenzte. Doch weil zum bislang bescheidenen Xensource-Partnernetz nun die mehr als 5000 Citrix-Verkaufspartner hinzukommen, soll sich das schnell ändern. Bereits im Jahr 2008 soll Xensource 50 Millionen Dollar Umsatz beitragen. Aber das ist nur eine Seite der Medaille. Denn Xensource wird laut Henshall auch 2008 noch 60 bis 70 Millionen Dollar für die Entwicklung und den Aufbau des Vertriebsnetzes verschlingen.
Von der Uni zum High-Flyer
Xensource wird nicht etwa als selbständiges Tochterunternehmen, sondern als «Business Unit» in die neue Muttergesellschaft eingegliedert. Geleitet wird die Abteilung vom bisherigen Xensource-CEO Peter Levine, der künftig direkt an Citrix-Chef Templeton berichten wird. Die 80 Mitarbeiter des Virtualisierers werden weiterbeschäftigt.
Die im kalifornischen Palo Alto registrierte Firma ist aus einem Forschungsprojekt der englischen Universität Cambridge hervorgegangen. Hier entstand der Hypervisor Xen, die Open-Source-Engine der Virtualisierungslösung. Mit diesem Kernel vertreibt Xensource als Open Source kommerziell nach Firmenangaben bei weltweit 650 Kunden die Lösung «Xen Enterprise» und deren Mittelstandsausgabe «Xen Server». Beide sind soeben in Version 4 erschienen und haben den Abstand zu den marktführenden Vmware-Lösungen deutlich verringert. Darunter angesiedelt ist die kostenlose und ebenfalls quelloffene Einsteigerlösung «Xen Express».
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